Ent­gan­ge­ner Zins-Gewinn als Neben­for­de­rung

Ent­gan­ge­ner Gewinn, der als gleich­blei­ben­der Hun­dert­satz einer bestimm­ten Sum­me (Zin­sen) – hier als Gesamt­sum­me des Kapi­tal­zu­wach­ses berech­net – gel­tend gemacht wird, ist eine Neben­for­de­run­gim Sin­ne des § 4 Abs. 1 Halb­satz 2 ZPO der eben­falls ein­ge­klag­ten Haupt­for­de­rung, die den Streit­wert nicht erhöht und bei der Bemes­sung der (hier: mit der Revi­si­on) gel­tend zu machen­den Beschwer nicht zu berück­sich­ti­gen ist [1].

Ent­gan­ge­ner Zins-Gewinn als Neben­for­de­rung

Wenn der Klä­ger statt der gesetz­li­chen Ver­zugs- und Rechts­hän­gig­keits­zin­sen oder zusätz­lich zu die­sen ent­gan­ge­ne Anla­ge­zin­sen gel­tend macht, ändert dies nichts dar­an, dass es sich auch in die­sem Fall um eine von der Haupt­for­de­rung abhän­gi­ge Neben­for­de­rung han­delt. Das gilt ent­spre­chend, wenn ent­gan­ge­ne Zin­sen – wie auch vor­lie­gend – für den Zeit­raum vor Ein­tritt des Ver­zugs oder der Rechts­hän­gig­keit begehrt wer­den [2]. Die For­de­rung auf Ersatz der wegen einer hypo­the­ti­schen Alter­na­tiv­an­la­ge ent­gan­ge­nen Anla­ge­zin­sen setzt not­wen­dig vor­aus, dass die For­de­rung auf Ersatz des ver­lo­ren gegan­ge­nen Kapi­tals tat­säch­lich besteht. Nur wenn und soweit das tat­säch­lich getä­tig­te Anla­ge­ge­schäft der Rück­ab­wick­lung unter­liegt, ist ein ersatz­fä­hi­ger Gewinn wegen einer dadurch ent­gan­ge­nen ander­wei­ti­gen Anla­ge­mög­lich­keit denk­bar [3].

Die man­geln­de Berück­sich­ti­gung von als Zin­sen gel­tend gemach­ten ent­gan­ge­nem Gewinn ent­spricht im Übri­gen dem Gedan­ken, dass die Bestim­mung der sach­li­chen Zustän­dig­keit der Gerich­te gemäß § 4 Abs. 1 ZPO nicht durch die Schwie­rig­keit der Wert­ermitt­lung der­ar­ti­ger Neben­for­de­run­gen auf­ge­hal­ten wer­den soll, und dem dar­aus fol­gen­den Pos­tu­lat einer prak­ti­schen, ein­fa­chen und kla­ren Wert­ermitt­lung [4].

Auch bei den vor­ge­richt­lich ent­stan­de­nen Anwalts­kos­ten han­delt es sich um eine Neben­for­de­rung [5], die auch bei der Auf­nah­me in einen eigen­stän­di­gen Kla­ge­an­trag bei der Ermitt­lung der Beschwer und des Streit­werts nicht zu berück­sich­ti­gen ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Juni 2013 – III ZR 143/​12

  1. im Anschluss an BGH, Beschlüs­se vom 08.05.2012 – XI ZR 261/​10, NJW 2012, 2446; und 15.01.2013 – XI ZR 370/​11, Beck­RS 2013, 02155[]
  2. BGH, Beschluss vom 08.05.2012 aaO unter Hin­weis auf RGZ 158, 350, 351[]
  3. vgl. OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 16.03.2012 – I6 U 253/​10, juris Rn. 6 mwN[]
  4. RG aaO mwN; BGH, Beschluss vom 06.10.1960 – VII ZR 42/​59, LM ZPO § 4 Nr. 14[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 04.04.2012 – IV ZB 19/​11, VersR 2012, 881 Rn. 5 mwN[]