Erb­fol­genach­weis im Grund­buch­be­rich­ti­gungs­ver­fah­ren

Im Grund­buch­be­rich­ti­gungs­ver­fah­ren ist die Erb­fol­ge auch dann gem. § 35 GBO nach­zu­wei­sen, wenn der Erb­las­ser eine trans­mor­ta­le Gene­ral­voll­macht erteilt hat­te und der Bevoll­mäch­tig­te durch ein im Rah­men eines Erb­teils­über­tra­gungs­ver­trags vor­ge­nom­me­nes zuläs­si­ges Insich­ge­schäft mit der Behaup­tung, er und eine wei­te­re Per­son sei­en Mit­er­ben je zur Hälf­te gewor­den, auf sich den Erb­teil des ande­ren über­tra­gen lässt und danach sei­ne Ein­tra­gung als Allein­ei­gen­tü­mer des Nach­lass­grund­stücks bean­tragt.

Erb­fol­genach­weis im Grund­buch­be­rich­ti­gungs­ver­fah­ren

Eine Berich­ti­gungs­be­wil­li­gung gemäß § 19 GBO muss von dem­je­ni­gen aus­ge­hen, des­sen Recht von der Berich­ti­gung betrof­fen wird. Betrof­fen wer­den kann sowohl der Buch­be­rech­tig­te als auch der wah­re Berech­tig­te 1.

Die Berich­ti­gung des Grund­buchs durch Ein­tra­gung eines Eigen­tü­mers darf, sofern nicht die Unrich­tig­keit nach­ge­wie­sen wird, nur mit Zustim­mung des Eigen­tü­mers vor­ge­nom­men wer­den (§ 22 Abs. 2 GBO).

Nach § 39 Abs. 1 GBO soll eine Ein­tra­gung nur erfol­gen, wenn die Per­son, deren Recht durch sie betrof­fen wird, als der Berech­tig­te ein­ge­tra­gen ist. Die­se Regel wird gemäß § 40 GBO durch­bro­chen für den Fall, dass der Betrof­fe­ne Erbe des ein­ge­tra­ge­nen Berech­tig­ten ist. Bei einer Über­tra­gung des Rechts, also in Fäl­len, in denen die per­sön­li­che Berech­ti­gung des Erben aus dem Grund­buch ver­schwin­det, sol­len ihm die Kos­ten für sei­ne vor­he­ri­ge Ein­tra­gung erspart blei­ben (Dem­har­ter, a.a.O., § 40 GBO Rn. 1).

Die­ser Nach­weis fehlt jedoch für die Erb­fol­ge nach dem Voll­macht­ge­ber und ist inso­weit auch nicht ent­behr­lich durch die erteil­te trans­mor­ta­le Gene­ral­voll­macht. Bei die­ser ver­bleibt mit dem Erb­fall dem Bevoll­mäch­tig­ten auf­grund der Ermäch­ti­gung des Erb­las­sers zwar die Befug­nis, inner­halb der ihm ein­ge­räum­ten Ver­tre­tungs­macht über das zum Nach­lass gehö­ren­de Ver­mö­gen in Ver­tre­tung der Erben zu ver­fü­gen. Er ver­tritt also nach dem Tod sei­nes Voll­macht­ge­bers des­sen Erben bis zum Voll­machts­wi­der­ruf, so dass ledig­lich eine Ände­rung in der Per­son des Ver­tre­te­nen ein­ge­tre­ten ist, nicht aber hin­sicht­lich Umfang und Inhalt der Voll­macht. Zum Wider­ruf der post-/trans­mor­ta­len Voll­macht ist jedoch der Erbe befugt, bei Mit­er­ben jeder ein­zel­ne für sei­ne Per­son – auch wäh­rend des Bestehens einer Erben­ge­mein­schaft und ohne Rück­sicht dar­auf, ob der Voll­macht ein Rechts­ge­schäft zu Grun­de liegt oder nicht 2.

Bei der Beur­kun­dung von Wil­lens­er­klä­run­gen, die ein Drit­ter für einen Betei­lig­ten – hier für die Erben – abgibt, hat der Notar die Ver­tre­tungs­macht zu prü­fen (§§ 12, 17 BeurkG 3). Dies ist im vor­lie­gen­den Fall gesche­hen bei der nota­ri­el­len Beur­kun­dung des Erb­teils­über­tra­gungs­ver­trags. Die Gene­ral­voll­macht vom 26. April 2001 hat dem Notar in Aus­fer­ti­gung vor­ge­le­gen und ist in beglau­big­ter Abschrift der Über­tra­gungs­ur­kun­de bei­gefügt wor­den.

Hier­durch ent­fällt aber nicht die selbst­stän­di­ge Prü­fungs­pflicht des Grund­buch­am­tes im Ein­tra­gungs­ver­fah­ren, wobei die Berich­ti­gungs­be­wil­li­gung eine Unter­art der Ein­tra­gungs­be­wil­li­gung ist 4. Es hat das Vor­lie­gen der Ver­tre­tungs­macht im Zeit­punkt des Wirk­sam­wer­dens der ver­tre­tungs­wei­se erklär­ten Bewil­li­gung fest­zu­stel­len, ohne an eine Aus­le­gung des Notars gebun­den zu sein. Ob eine form­ge­recht (§ 29 Abs. 1 GBO) nach­ge­wie­se­ne Voll­machts­er­tei­lung – wie vor­lie­gend – in die­sem Zeit­punkt noch Bestand hat, unter­liegt der frei­en, nicht jedoch will­kür­li­chen oder anhalts­punkt­lo­sen Beweis­wür­di­gung des Grund­buch­amts 5.

Auch ein Voll­machts­miss­brauch, d.h. Ver­let­zung inter­ner Abre­den zwi­schen Voll­macht­ge­ber und Bevoll­mäch­tig­ten, berech­tigt das Grund­buch­amt im Rah­men des Lega­li­täts­prin­zips, also bei ent­spre­chen­der Kennt­nis, zur Bean­stan­dung.

Dabei ist ein eine Zwi­schen­ver­fü­gung recht­fer­ti­gen­des Ein­tra­gungs­hin­der­nis schon bei begrün­de­ten Zwei­feln bezüg­lich einer not­wen­di­gen Ein­tra­gungs­vor­aus­set­zung gege­ben und nicht erst, wenn das Feh­len der­ar­ti­ger Vor­aus­set­zun­gen posi­tiv fest­steht.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 25. Novem­ber 2011 – 8 W 427/​11

  1. Dem­har­ter, Grund­buch­ord­nung, 27. Aufl. 2010, § 22 GBO Rn. 32; Schöner/​Stöber, Grund­buch­recht, 14. Aufl. 2008, Rn. 362 und 100d; Bött­cher in Mei­kel, Grund­buch­ord­nung, 10. Aufl. 2009, § 22 GBO Rn. 102, der in die­sem Fall die Ermitt­lung des wah­ren Berech­tig­ten dem Grund­buch­amt nicht auf­bür­det; je m.w.N.[]
  2. Weid­lich, a.a.O., Ein­füh­rung vor § 2197 BGB Rn. 9 ff, m.w.N.[]
  3. Schöner/​Stöber, Grund­buch­recht, 14. Aufl. 2008, Rn. 3576, m.w.N.[]
  4. Dem­har­ter, a.a.O., § 22 GBO Rn. 31[]
  5. vgl. zur Pro­ble­ma­tik ins­ge­samt: Schöner/​Stöber, a.a.O., Rn. 3576 ff und 3579 ff; Her­tel in Mei­kel, GBO, 10. Aufl. 2009, § 29 GBO Rn. 39 ff; Otto in Beck'scher online-Kom­men­tar, GBO, Hrsg. Hügel, Stand 1. Juni 2011, Edi­ti­on 12, § 29 GBO Rn. 74 ff; OLG Mün­chen DNotZ 2007, 41 mit Bezug­nah­me auf BGH NJW 2002, 1488, und Anmer­kung Mun­zig sowie Ent­schei­dungs­be­spre­chung von Wilsch in NZM 2007, 909; OLG des Lan­des Sach­sen-Anhalt FGPrax 2002, 241; OLG Stuttgart/​Senat Mitt­BayNot 1997, 370; BayO­bLG NJW-RR 1986, 14; OLG Frank­furt Rpfle­ger 1977, 102 und 103; je m.w.N.[]