Befrei­ung von der Ver­schwie­gen­heits­pflicht des Notars

Für die Ertei­lung der Befrei­ung von der Ver­schwie­gen­heits­pflicht gemäß § 18 Abs. 2, 2. Halbs. BNo­tO genügt es, wenn durch den Todes­fall das Inter­es­se des oder der Urkund­s­be­tei­lig­ten an einer wei­te­ren Geheim­hal­tung ent­fal­len ist [1].

Befrei­ung von der Ver­schwie­gen­heits­pflicht des Notars

Die wei­te­re in dem Beschluss des Bun­des­ge­richts­hofs für Notar­sa­chen des Bun­des­ge­richts­hofs vom 10.03.2003 [1] genann­te Vor­aus­set­zung für die Ertei­lung der Befrei­ung (dass „der ver­stor­be­ne Betei­lig­te, wenn er noch leb­te, bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung der Sach­la­ge die Befrei­ung ertei­len wür­de“) ist, wie sich aus der For­mu­lie­rung des Beschlus­ses „unab­hän­gig hier­von“ ergibt, ent­ge­gen der Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Köln [2] ledig­lich eine Alter­na­ti­ve und muss daher nicht kumu­la­tiv zu der erst­ge­nann­ten Vor­aus­set­zung hin­zu­tre­ten.

So auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall: Mit sei­nem Tod ist das Inter­es­se des Vaters an der Geheim­hal­tung sei­nes letz­ten Wil­lens, soweit er ins­be­son­de­re mit der Erbein­set­zung den hier kla­gen­den Sohn als gesetz­li­chen Erben betrifft, ent­fal­len. Nichts ande­res gilt für das dies­be­züg­li­che also auf die letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung ihres Ehe­man­nes bezo­ge­ne Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se der vor­ver­stor­be­nen zwei­ten Ehe­frau. Für die Befrei­ung von der Ver­schwie­gen­heits­pflicht kommt es damit ent­ge­gen der Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Köln [2] nicht zusätz­lich dar­auf an, ob der Sohn sei­nen Mani­pu­la­ti­ons­ver­dacht über­zeu­gend begrün­det hat und ob sein Vater und des­sen zwei­te Ehe­frau als Urkund­s­be­tei­lig­te auf einen sol­chen Ver­dacht hin Ein­sicht in die Urkun­den­samm­lung des Notars gestat­tet hät­ten.

Für die Hilfs­be­grün­dung des ange­foch­te­nen Urteils, dass sich der Notar auch nach der Ertei­lung der Befrei­ung von der Ver­schwie­gen­heits­pflicht durch die Auf­sichts­be­hör­de gemäß § 18 Abs. 2 BNo­tO wei­gern wür­de, dem Sohn Ein­sicht in die im Nota­ri­at befind­li­che Abschrift des Tes­ta­ments zu geben, fehlt es an einer trag­fä­hi­gen Grund­la­ge. Dass eine dies­be­züg­li­che Bereit­schaft oder recht­li­che Ver­pflich­tung des Notars bereits fest­steht, ist weder für die Zuläs­sig­keit noch für die Begründ­etheit der Kla­ge auf Ver­pflich­tung der Auf­sichts­be­hör­de zur Befrei­ung des Notars von der Ver­schwie­gen­heits­pflicht gemäß § 18 Abs. 2, 2. Halbs. BNo­tO erfor­der­lich. Im Rah­men die­ser Rege­lung ist nur über die auf einen bestimm­ten tat­säch­li­chen Vor­gang bezo­ge­ne Befrei­ung von der Ver­schwie­gen­heits­pflicht zu ent­schei­den, aber nicht (auch nicht nur mit­tel­bar) dar­über, ob über­haupt und wie der bei einer statt­ge­ben­den Ent­schei­dung von sei­ner Ver­schwie­gen­heits­pflicht ent­bun­de­ne Notar dem Antrag­stel­ler die erstreb­te Infor­ma­ti­on zu ver­schaf­fen hat [3]. Der Sohn kann dem­nach aller­dings auch nicht, wie in sei­nem Kla­ge­an­trag for­mu­liert, die Befrei­ung des Notars von der nota­ri­el­len Schwei­ge­pflicht „zwecks Ein­sicht­nah­me“ in das nota­ri­el­le Tes­ta­ment ver­lan­gen, son­dern allen­falls Befrei­ung des Notars von der Ver­schwie­gen­heits­pflicht hin­sicht­lich des Inhalts der den Sohn betref­fen­den letzt­wil­li­gen Ver­fü­gung des Vaters des Sohns, wie er sich aus der beim Notar befind­li­chen Abschrift des nota­ri­el­len Tes­ta­ments ergibt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. Novem­ber 2019 – NotZ (Brfg) 1/​19

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 10.03.2003 – NotZ 23/​02, DNotZ 2003, 780, 781 22[][]
  2. OLG Köln, Urteil vom 26.11.2018 – 2 VA (Not) 8/​18[][]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 10.03.2003 – NotZ 23/​02, DNotZ 2003, 780, 782 24[]