Das eigen­hän­dig geschrie­be­ne Tes­ta­ment

Für ein form­gül­ti­ges eigen­hän­di­ges Tes­ta­ment ver­langt das Gesetz eine inso­weit unbe­ein­fluss­te Schreibleis­tung des Erb­las­sers. Die Beweis­last liegt dabei bei dem­je­ni­gen, der sich zur Begrün­dung sei­nes Erb­schein­an­tra­ges auf die Wirk­sam­keit des Tes­ta­ments beruft.

Das eigen­hän­dig geschrie­be­ne Tes­ta­ment

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall die ableh­nen­de Ent­schei­dung des Amts­ge­richts Unna über einen Erb­scheins­an­trag bestä­tigt. Der im Dezem­ber 2011 im Alter von 71 Jah­ren ver­stor­be­ne Erb­las­ser aus Holzwi­cke­de hat­te im Okto­ber 2011 ein Tes­ta­ment geschrie­ben. Die in der Tes­ta­ments­ur­kun­de bedach­ten Antrag­stel­le­rin­nen hat­ten die Aus­stel­lung eines sie als Erben aus­wei­sen­den Erb­scheins bean­tragt. Die zur Anfer­ti­gung des Tes­ta­ments durch­ge­führ­te Beweis­auf­nah­me ergab, dass ein Zeu­ge dem sei­ner­zeit bereits geschwäch­ten Erb­las­ser beim Schrei­ben des Tes­ta­ments gehol­fen hat­te. Da der Zeu­ge eine eige­ne Schreibleis­tung des Erb­las­sers nicht sicher bestä­ti­gen konn­te und auch das Schrift­bild des Tes­ta­ments nicht für eine sol­che sprach, konn­te die Ein­hal­tung der gesetz­li­chen Form des § 2247 BGB und damit die wirk­sa­me Errich­tung des Tes­ta­ments nicht fest­ge­stellt wer­den. Des­we­gen blieb der Antrag auf Ertei­lung eines dem Inhalt der Tes­ta­ments­ur­kun­de ent­spre­chen­den Erb­scheins vor dem Amts­ge­richt Unna erfolg­los.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm sei die­se Ent­schei­dung des Amts­ge­richts nicht zu bean­stan­den. Eine Eigen­hän­dig­keit im Sin­ne der gesetz­li­chen Vor­schrift set­ze zwin­gend vor­aus, dass der Erb­las­ser die Tes­ta­ments­nie­der­schrift selbst ange­fer­tigt habe. Durch Drit­te her­ge­stell­te Nie­der­schrif­ten sei­en immer unwirk­sam, selbst wenn sie in Anwe­sen­heit des Erb­las­sers nach des­sen Wil­len und Wei­sun­gen ange­fer­tigt und von ihm unter­schrie­ben wor­den sei­en. Die nach dem Gesetz zwin­gend not­wen­di­ge Eigen­hän­dig­keit sei nicht gege­ben, wenn dem Erb­las­ser die Hand geführt wer­de und dadurch die Schrift­zü­ge von einem Drit­ten geformt wür­den. Der Erb­las­ser müs­se die Gestal­tung der Schrift­zü­ge selbst bestim­men. Zuläs­sig sei eine unter­stüt­zen­de Schreib­hil­fe, solan­ge der Erb­las­ser die Schrift­zei­chen selbst for­me. Für ein form­gül­ti­ges eigen­hän­di­ges Tes­ta­ment ver­lan­ge das Gesetz eine inso­weit unbe­ein­fluss­te Schreibleis­tung des Erb­las­sers.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 2. Okto­ber 2012 – I‑15 W 231/​12