Das eng­li­sche Tes­ta­ment – und sei­ne Aus­le­gung bei deut­schem Erb­sta­tut

Mit der Aus­le­gung eines in Eng­land nach dor­ti­gem Recht ver­fass­ten Tes­ta­ments bei Gel­tung deut­schen Erb­sta­tuts hat­te sich das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­lan­des­ge­richt zu befas­sen:

Das eng­li­sche Tes­ta­ment – und sei­ne Aus­le­gung bei deut­schem Erb­sta­tut

Ist das Tes­ta­ment vom 22.04.2005 im Übri­gen nach eng­li­schem Orts­recht form­gül­tig und dies gemäß Art. 26 Abs. 1 Satz 2 Zif­fer 2 EGBGB auch maß­geb­lich1, so ist für die Aus­le­gung des Tes­ta­ments nach Art. 25 Abs. 1 EGBGB aber deut­sches Recht als Erb­sta­tut anzu­wen­den.

Das BayO­bLG hat­te sich in dem zitier­ten Fall mit einem nach kana­di­schem Recht errich­te­ten Tes­ta­ment befasst, wo – wie im vor­lie­gen­den Fall – ein „Trus­tee” ein­ge­setzt und ihm der Nach­lass als „Trust” zur Abwick­lung über­tra­gen wor­den war. Die im anglo-ame­ri­ka­ni­schem Rechts­kreis bekann­te Rechts­fi­gur des „Trust”, bei der das Ver­mö­gen – im Fal­le eines Tes­ta­men­ta­ry-Trust – mit dem Todes­fall der Ver­wal­tung eines Trus­tee unter­stellt wird, der es von sei­nem per­sön­li­chem Ver­mö­gen getrennt als for­mel­les Eigen­tum inne­hält, wäh­rend die Nut­zun­gen der Sache ande­ren Per­so­nen, den bene­fi­cia­ries, zuge­ord­net wer­den2, hat im deut­schen Recht nichts Ent­spre­chen­des. Wegen sei­nes begrenz­ten Kanons der Sachen­rech­te kann das deut­sche Recht eine sol­che Auf­spal­tung des Eigen­tums nicht aner­ken­nen3.

Ver­wen­det der Erb­las­ser in einem Tes­ta­ment mate­ri­ell-recht­li­che Insti­tu­te eines Rechts, das nicht als Erb­sta­tut beru­fen ist, muss durch Aus­le­gung nach den Regeln des Erb­sta­tuts – bei deut­schem Erb­sta­tut also nach den §§ 133, 2084 BGB – ermit­telt wer­den, was er damit aus­drü­cken will. In einem sol­chen Fall ist bei der Ermitt­lung des Erb­las­ser­wil­lens aber dem Sinn­ge­halt des aus­län­di­schen Rechts Rech­nung zu tra­gen. Ist der Wil­le des Testa­tors ermit­telt, ent­schei­det das Erb­sta­tut dar­über, ob das Gewoll­te zuläs­sig ist und in wel­chen Rechts­for­men des eige­nen Rechts es dar­ge­stellt wer­den kann. Der Erb­las­ser­wil­le ist mög­lichst auf­recht zu erhal­ten, soweit er sich – bei deut­schem Erb­sta­tut – in die Begrif­fe des BGB „über­set­zen” und – unter Umstän­den auch erst im Wege der Umdeu­tung – mit den erbrecht­li­chen Vor­stel­lun­gen des BGB in Über­ein­stim­mung brin­gen lässt4.

Das BayO­bLG stimmt in der zitier­ten Ent­schei­dung der auch im Übri­gen in der Kom­men­tar­li­te­ra­tur und der Recht­spre­chung ganz weit­ge­hend ver­tre­te­nen Auf­fas­sung zu, dass im Fal­le der Tes­tie­rung nach eng­li­schem Recht durch Errich­tung eines Tes­ta­men­ta­ry-Trusts der „Trus­tee” regel­mä­ßig nicht als Erbe anzu­se­hen ist, son­dern in aller Regel sei­ne Ein­set­zung in die Anord­nung einer Tes­ta­ments­voll­stre­ckung umzu­deu­ten bzw. dies ent­spre­chend aus­zu­le­gen ist, wäh­rend als tes­ta­men­ta­ri­sche Erben nur die Letzt­be­güns­tig­ten „bene­fi­cia­ries” in Betracht kom­men, bei denen indes im Ein­zel­fall zu klä­ren ist, ob sie tat­säch­lich Erben oder aber nur Ver­mächt­nis­neh­mer sein sol­len5. Dem folgt auch das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­lan­des­ge­richt.

Liegt in dem „Will of X” vom 22.04.2005 ein form­gül­ti­ges Tes­ta­ment, das nach deut­schen Recht aus­zu­le­gen ist, so ist zunächst unab­hän­gig von dem sons­ti­gen Inhalt die­ses Tes­ta­men­tes rich­tig, dass das Amts­ge­richt nicht auf das hand­schrift­li­che Tes­ta­ment aus dem Jahr 1988 mit der Allein­er­ben­ein­set­zung der Betei­lig­ten zurück­ge­grif­fen hat. Denn in Ziff. 1 des Tes­ta­men­tes vom 22.04.2005 wider­ruft der Erb­las­ser alle frü­he­ren Tes­ta­men­te. Gemäß §§ 2253 f BGB kann der Erb­las­ser ein Tes­ta­ment aber jeder­zeit durch Tes­ta­ment wider­ru­fen. Auch ein rei­nes Wider­rufs­tes­ta­ment, das kei­ne ande­ren wirk­sa­men Bestim­mun­gen ent­hält, ist danach wirk­sam.

In dem Tes­ta­ment vom 22.04.2005 wer­den zwei „Trus­tees” benannt, die neben­ein­an­der gemein­schaft­lich agie­ren sol­len, näm­lich – gemäß Zif­fer 4 des Tes­ta­ments – die H‑Trust Com­pa­ny (UK) Limi­ted und die Betei­lig­te. Das Tes­ta­ment regelt dar­über hin­aus in Zif­fer 5 iVm Ziff. 11 die Grün­dung eines soge­nann­ten Dis­cre­tio­na­ry Fund, der von Trus­tees ver­wal­tet wer­den soll, die nicht unbe­dingt iden­tisch sein müs­sen mit den sons­ti­gen Trus­tees, obgleich bei nicht ander­wei­ti­ger Benen­nung aber Iden­ti­tät besteht. Aus­drück­lich ist in Zif­fer 11 Abs. 5 bestimmt, dass die Betei­lig­te nicht ein­zi­ge Treu­hän­de­rin die­ses Son­der­ver­mö­gens sein soll. Vor die­sem Hin­ter­grund ist die Auf­fas­sung der Betei­lig­ten, sie sei nicht nur Allein­er­bin, son­dern der­zeit auch unein­ge­schränkt ver­fü­gungs­be­rech­tigt , nicht zutref­fend. Die Betei­lig­te hat zwar eine Beschei­ni­gung eines Herrn M vor­ge­legt, der Mit­ar­bei­ter der H sein soll, wonach die H nur alter­na­ti­ver „Exe­cu­tor and trus­tee” sei und nur dann tätig wer­den kön­ne, wenn Frau Y ihre Ange­le­gen­hei­ten nicht selbst behan­de­le . Die­se Auf­fas­sung des Herrn M deckt sich aber ersicht­lich nicht mit dem Text des eng­lisch-spra­chi­gen Tes­ta­ments. Der Lite­ra­tur ist zu ent­neh­men, dass in einem Tes­ta­ment nach eng­li­schem Recht in der Pra­xis meis­tens zwei oder meh­re­re Trus­tees bestellt wer­den, da nur zwei Trus­tees gemein­schaft­lich oder eine Trust Cor­po­ra­ti­on Grund­be­sitz ver­kau­fen kön­nen6.

Die Auf­ga­ben der somit neben­ein­an­der gemein­schaft­lich beru­fe­nen bei­den Trus­tees sind in dem Tes­ta­ment vom April 2005 aus­rei­chend deut­lich umschrie­ben. Sie sol­len zum einen das in Zif­fer 5 des Tes­ta­ments genann­te zu bil­den­de Son­der­ver­mö­gen ver­wal­ten oder dar­über nach näher bestimm­tem Ermes­sen zu Guns­ten der Berech­tig­ten (bene­fi­cia­ries) ver­fü­gen und sie sol­len zum ande­ren nach Zif­fer 6 des Tes­ta­ments den übri­gen Nach­lass nach Beglei­chung der Schul­den, Bestat­tungs- und Tes­ta­ments­kos­ten sowie der Erb­schafts­steu­er „unein­ge­schränkt” für die Betei­lig­te hal­ten. Ersatz­wei­se sol­len sie für den Fall, dass die Ehe­frau des Erb­las­sers vor­ver­stirbt oder ihn nicht min­des­tens 30 Tage über­lebt, nach den Zif­fern 8 ff des Tes­ta­ments den Nach­lass zu Guns­ten wei­te­rer dort in Zif­fer 10 genann­ter Berech­tig­ter hal­ten und dar­über ver­fü­gen. Ihre Auf­ga­ben der Ver­wal­tung des Nach­las­ses – lang­fris­tig – zu Guns­ten bestimm­ter Berech­tig­ter ist wegen des anzu­wen­den­den deut­schen Erb­sta­tuts aus­zu­le­gen als Beru­fung zu Tes­ta­ments­voll­stre­ckern.

Nach deut­schem Recht kann ein Allein­er­be auch als Mit­te­s­ta­ments­voll­stre­cker bestimmt wer­den7. Hin­zu­wei­sen ist dar­auf, dass auch eine juris­ti­sche Per­son Tes­ta­ments­voll­stre­cker sein kann, was sich aus §§ 2210 Satz 3, 2163 Abs. 2 BGB ergibt8.

Wie bereits aus­ge­führt wer­den im Rah­men der not­wen­di­gen Aus­le­gung eines nach eng­li­schem Recht errich­te­ten Tes­ta­ments unter Gel­tung des deut­schen Erb­sta­tuts gemäß den §§ 133, 2084 BGB in der Regel die Trus­tees nicht als Erben – auch nicht als Vor­er­ben – ein­ge­stuft, son­dern ledig­lich als Dau­er-Tes­ta­ments­voll­stre­cker. Sie haben zwar – nach eng­li­schem Recht – die for­mel­le Ver­fü­gungs­be­fug­nis, müs­sen aber nach nähe­rer Maß­ga­be des Tes­ta­ments zu Guns­ten der Nut­zungs­be­rech­tig­ten ver­fü­gen. So ist es auch im vor­lie­gen­den Fall. Gemäß Zif­fer 6 des Tes­ta­ments hal­ten die Trus­tees den Rest des Nach­las­ses „für mei­ne genann­te Ehe­frau unein­ge­schränkt”. Auch das in Zif­fer 5 zuvor ange­spro­che­ne, aus­ge­glie­der­te Son­der­ver­mö­gen „die Null­satz­sum­me” sol­len die Trus­tees zu Guns­ten bestimm­ter Berech­tig­ter hal­ten.

Als Erben kom­men bei einem nach eng­li­schem Recht errich­te­ten Tes­ta­ment aber die bene­fi­cia­ries in Betracht, wobei jeweils zu klä­ren ist, ob sie einem Ver­mächt­nis­neh­mer oder als Letzt­be­güns­tig­te und –berech­tig­te einem Erben nach deut­schem Recht nahe­ste­hen9.

Im vor­lie­gen­den Fall sind Zif­fer 6 und 11 des Tes­ta­ments inso­weit ent­schei­dend. In Ziff. 6 heißt es, dass der Rest des Nach­las­ses von den Trus­tees vor­be­halt­lich der Zah­lung der Schul­den, Bestat­tungs- und Tes­ta­ments­kos­ten sowie Erb­schafts­steu­er für die Betei­lig­te unein­ge­schränkt gehal­ten wer­den soll. In Ziff. 11 ist u.a. gere­gelt, dass der Erb­las­ser sein Grund­ver­mö­gen unein­ge­schränkt sei­ner Frau, der Betei­lig­ten, gibt. Die bei­den Rege­lun­gen füh­ren zen­tral zu dem Ergeb­nis, dass die Betei­lig­te maß­geb­li­che Letzt­be­güns­tig­te im Sin­ne einer Allein­er­ben­stel­lung nach deut­schem Recht sein soll. Zif­fer 7 bis 10 des Tes­ta­ments sind dage­gen nicht zum Zuge gekom­men, weil die­se Nor­men – danach sol­len die Trus­tees den Nach­lass für die in Zif­fer 10 genann­ten drei Kin­der hal­ten – nur anzu­wen­den gewe­sen wären, wenn die Betei­lig­te vor dem Erb­las­ser gestor­ben wäre oder ihn nicht län­ger als 30 Tage über­lebt hät­te. Die in Zif­fer 10 genann­ten Per­so­nen kön­nen des­halb nur als Ersatz­er­ben ange­se­hen wer­den, Ersatz­erb­schaft ist aber nicht ein­schlä­gig gewor­den.

Aller­dings soll nach Ziff. 5 des Tes­ta­men­tes ein Son­der­ver­mö­gen in Höhe der höchs­ten Sum­me, die als Schen­kung anfal­len kann, ohne dass Erb­schafts­steu­er gezahlt wer­den muss, ange­legt wer­den. Die Trus­tees haben inso­weit gemäß Zif­fer 5 b. über die Zeit von 80 Jah­ren vol­le Ermes­sens­frei­heit, ob sie die Erträ­ge oder auch das Kapi­tal selbst an die Berech­tig­ten – näm­lich die Betei­lig­te und die unter Ziff. 5 c. genann­ten drei Kin­der, Enkel­kin­der oder wei­te­re Abkömm­lin­ge – ganz oder teil­wei­se aus­zah­len, an einen oder meh­re­re von ihnen aus­zah­len, oder – dies jeden­falls für die Dau­er von 21 Jah­ren – sich dahin ent­schei­den, die Erträ­ge dem treu­hän­de­risch ver­wal­te­ten Son­der­ver­mö­gen (ohne Aus­zah­lung) zuzu­schla­gen.

Von Bedeu­tung für die Bil­dung die­ses Son­der­ver­mö­gens ist wie­der­um Zif­fer 11. Dar­aus ergibt sich aber wie aus­ge­führt, dass zunächst ein­mal das Grund­ver­mö­gen des Erb­las­sers „mit die­sem Tes­ta­ment oder jedem Zusatz zu die­sem Tes­ta­ment unein­ge­schränkt mei­ner Frau gege­ben wird”, was für die Allein­er­ben­stel­lung der Betei­lig­ten spricht. Im Übri­gen kön­nen die Trus­tees die Betei­lig­te danach auf Zah­lung des Son­der­ver­mö­gens in Anspruch neh­men, ggf. auch das Grund­ver­mö­gen belas­ten, wobei sie aller­dings nicht ver­pflich­tet sind, für die Ein­zah­lung des Son­der­ver­mö­gens zu sor­gen und von der Ein­zah­lung auch abse­hen dür­fen. Sie sol­len ins­be­son­de­re nicht haf­ten, wenn die Betei­lig­te nicht in der Lage ist, Zah­lun­gen zu leis­ten. Für die Aus­le­gung ist inso­weit wich­tig, dass die Betei­lig­te selbst als Trus­tee neben der H beru­fen wor­den ist und mit­hin gegen ihren Wil­len Ein­zah­lun­gen in das Son­der­ver­mö­gen oder gar Zah­lun­gen dar­aus an die genann­ten Kin­der und auch die Belas­tung des ihr zuste­hen­den Grund­ver­mö­gens nicht durch­ge­führt wer­den kön­nen dürf­ten. Das unter­streicht ihre über­ra­gen­de Stel­lung in Bezug auf den Nach­lass.

Das nach Zif­fer 5 des Tes­ta­ments zu bil­den­de Son­der­ver­mö­gen (Trust bzw. Fund) wird in dem eng­lisch-spra­chi­gen Ori­gi­nal als „Dis­cre­tio­na­ry Fund” bezeich­net. Ein sol­ches Son­der­ver­mö­gen zeich­net sich dadurch aus, dass die Trus­tees die­ses Ver­mö­gen an meh­re­re Begüns­tig­te nach ihrem Ermes­sen ver­tei­len dür­fen10. Gera­de ein sol­ches Ermes­sen ist im Ein­zel­nen zu dem frag­li­chen Son­der­ver­mö­gen in Ziff. 5 des Tes­ta­ments auch gere­gelt. Vor die­sem Hin­ter­grund ist zu erken­nen, dass die in Zif­fer 5 c. genann­ten drei Kin­der (des Erb­las­sers bzw. der Betei­lig­ten) und die dort wei­ter bezeich­ne­ten Enkel­kin­der und sons­ti­gen Abkömm­lin­ge des Erb­las­sers – obwohl auf­ge­führt mit der Sam­mel­be­zeich­nung bene­fi­cia­ries – nicht als Erben des Erb­las­sers ange­se­hen wer­den kön­nen, son­dern nach deut­schem Recht ent­spre­chend nur als Ver­mächt­nis­neh­mer. Es steht näm­lich gera­de nicht fest, ob und wel­chen Teil des Son­der­ver­mö­gens sie erhal­ten, sie sind des­halb nicht zwin­gend Letzt­be­güns­tig­te des Tes­ta­ments. Nach deut­schem Recht ist es aus­weis­lich der §§ 2151 ff BGB mög­lich, ein Ver­mächt­nis der­art aus­zu­set­zen, dass das Bestim­mungs­recht einem Drit­ten über­tra­gen wird. Bei die­sem Drit­ten kann es sich um den und die Tes­ta­ments­voll­stre­cker han­deln. Eine sol­che Fall­ge­stal­tung liegt hier vor, wenn der „Will of X” nach deut­schem Recht aus­ge­legt wird.

In den Rege­lun­gen in Zif­fer 5 lässt sich dem­ge­gen­über die Anord­nung einer Vor- und Nach­erb­schaft nicht erse­hen. Unter wei­te­rer Berück­sich­ti­gung auch von Zif­fer 11 des Tes­ta­ments steht nicht ein­mal fest, ob und in wel­cher Grö­ßen­ord­nung das Son­der­ver­mö­gen tat­säch­lich letzt­lich gebil­det wird, und steht erst recht steht nicht fest, ob die Berech­tig­ten – und in wel­cher Grö­ßen­ord­nung – letzt­lich Antei­le erhal­ten. Das weicht weit von dem Nor­mal­bild einer Vor- und Nach­erb­schaft ab. Eine Aus­le­gung in die­ser Rich­tung ist des­halb nicht mög­lich.

Auch ent­hält das Tes­ta­ment „Will of X” vor die­sem Hin­ter­grund – aus­ge­legt nach den §§ 133, 2084 BGB und unter Berück­sich­ti­gung des deut­schen Erb­sta­tuts – mit­hin nicht nur die Anord­nung der Ver­wal­tung des Nach­las­ses in Trust­form, son­dern durch­aus – wie gewöhn­lich bei Beru­fung nicht nur von Trus­tees son­dern bei Benen­nung auch von Letzt­be­güns­tig­ten am Nach­lass in eng­li­schen Tes­ta­men­ten mit der Bil­dung eines tes­ta­men­ta­ry-trusts – eine Erbein­set­zung. Nicht zu erken­nen ist, dass es dem Erb­las­ser bei der Errich­tung des „Will of X” allein auf Ver­mei­dung von Erb­schafts­steu­ern ankam und er des­halb die Beru­fung von Erben ver­mei­den woll­te. Ver­mei­dung von Erb­schafts­steu­ern und Beru­fung von Erben bei der Errich­tung eines Tes­ta­men­tes in Eng­land ste­hen nicht im zwin­gen­den Gegen­satz. Ange­sichts der erheb­li­chen Ver­schul­dung des Erb­las­sers ist ohne­hin nicht ersicht­lich, war­um er über­haupt von dem Anfall maß­geb­li­cher Erb­schafts­steu­ern (nach deut­schen Erb­schafts­steu­er­recht) aus­ge­gan­gen sein soll­te.

Von zen­tra­ler Bedeu­tung für die Anord­nung einer Allein­er­ben­stel­lung der Betei­lig­ten ist zusam­men­ge­fasst, dass ihr in Ziff. 6 und 11 des Tes­ta­ments vom 22.04.2005 das Grund­ver­mö­gen und zusätz­lich der gesam­te Rest­nach­lass, der nach Bil­dung des Son­der­ver­mö­gens und Beglei­chung der ver­schie­de­nen Schul­den bzw. der Erb­schafts­steu­er ver­bleibt, zuge­wie­sen wird. Weil sie zudem durch ihre star­ke Stel­lung als Mit-Trus­tee auch über die Errich­tung des Son­der­ver­mö­gens und des­sen Ver­tei­lung in der Wei­se mit­be­stimmt, dass jeden­falls nicht ohne ihren Wil­len gehan­delt wer­den kann, kommt ihr die eigent­li­che Stel­lung der Letzt­be­güns­tig­ten am Nach­lass im Sin­ne einer Allein­er­ben­stel­lung nach deut­schem Recht zu.

Die­ses Ergeb­nis wird bestä­tigt, wenn bei der Aus­le­gung auch der „let­ter of wis­hes” mit­be­rück­sich­tigt wird, näm­lich das mit „pri­vat & con­fi­den­ti­al” über­schrie­be­ne und eben­falls am 22.04.2005 von dem Erb­las­ser unter­zeich­ne­te Schrei­ben. Es bezieht sich aller­dings nur auf das nach Zif­fer 5 des Tes­ta­ments zu bil­den­de Son­der­ver­mö­gen, den „Dis­cre­tio­na­ry Fund”. Die Wün­sche sind, wie aus­ge­führt, recht­lich nicht bin­dend, was im Text des Schrei­bens auch zum Aus­druck kommt. Der Erb­las­ser wünscht sich, dass sei­ne Trus­tees das Son­der­ver­mö­gen zu Leb­zei­ten der Betei­lig­ten zu ihren Guns­ten in der Wei­se ver­wal­ten, dass ihr die zufal­len­den Erträ­ge aus­zu­zah­len sind und dass ihr auch Kapi­tal aus dem Fund zur Ver­fü­gung gestellt wird, soweit sie dies benö­tigt. Zif­fer 1 und 2 die­ses Schrei­bens bele­gen also die über­ra­gen­de Stel­lung der Betei­lig­ten auch hin­sicht­lich des Son­der­ver­mö­gens.

Aller­dings heißt es dort in Zif­fer 3, dass nach dem Tod der Betei­lig­ten Kapi­tal und Erträ­ge aus dem treu­hän­de­risch ver­wal­te­ten Son­der­ver­mö­gen zu glei­chen Tei­len „unter mei­nen Kin­dern ver­teilt wer­den” sol­len. Für sich genom­men könn­te hier das Bild einer (befrei­ten) Vor­erb­schaft der Ehe­frau und einer Nach­erb­schaft der Kin­der ent­ste­hen. Indes ist zu berück­sich­ti­gen, dass es sich nur um einen „let­ter of wis­hes” im Sin­ne einer die Trus­tees recht­lich nicht bin­den­de Aus­le­gungs­hil­fe zu Zif­fer 5 des Tes­ta­ments han­delt. Nach Zif­fer 5 des Tes­ta­ments haben die dort genann­ten Kin­der und Abkömm­lin­ge aber nicht die Stel­lung eines Nach­er­ben. Dem Schrei­ben kann kei­ne der­art gro­ße Bedeu­tung zuge­mes­sen wer­den – bei der Aus­le­gung nach deut­schem Recht –, dass damit die (allein form­ge­rech­te) tes­ta­men­ta­ri­sche Anord­nung im Übri­gen in Rich­tung auf Vor- und Nach­erb­schaft ver­än­dert wird. Es kann dann offen blei­ben, was über­haupt mit „mei­ne Kin­der” im Sin­ne des Schrei­bens gemeint ist. Da das Schrei­ben ersicht­lich am glei­chen Tag wie das Tes­ta­ment erstellt wor­den ist, mag eini­ges dafür spre­chen, dass die drei Kin­der aus Zif­fer 10 des Tes­ta­ments gemeint sind, die dort auch als „my … child­ren” bezeich­net wer­den, obwohl die ers­ten bei­den kei­ne leib­li­chen Kin­der des Erb­las­sers sind.

Hat der Erb­las­ser die Betei­lig­ten durch das form­gül­ti­ge eng­li­sche Tes­ta­ment vom 22.04.2005 – aus­ge­legt nach deut­schem Recht – zur Allein­er­bin beru­fen, zugleich dort aller­dings Dau­er-Tes­ta­ments­voll­stre­ckung unter Ein­set­zung von zwei gleich­be­rech­tig­ten Tes­ta­ments­voll­stre­ckern – näm­lich der Betei­lig­ten einer­seits und der H‑Trust Com­pa­ny (UK) Limi­ted ande­rer­seits – ange­ord­net, so muss dies im Erb­scheins­an­trag und im Erb­schein ent­spre­chend zum Aus­druck kom­men (§ 2364 Abs. 1 BGB).

Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 9. Juli 2014 – 3 Wx 15/​14

  1. vgl. zu einem ent­spre­chen­den Fall eines tes­ta­men­ta­ry-trust nach kana­di­schem Recht BayO­bLG ZEV 2003, 503 ff bei 43, 52
  2. vgl. zum Trust etwa Dör­ner in Stau­din­ger, BGB, Neubearb.2007, Art. 25 EGBGB Rn. 424 ff; Haas/​Sieghörtner in Bengel/​Reimann, Hand­buch der Tes­ta­ments­voll­stre­ckung, 5. A.2013, Kap. 9 Rn. 416 ff
  3. vgl. BGH NJW 1984, 2762 ff bei 45 ff; May­er in Münch­Komm- BGB, 6. Aufl.2013, § 2369 Rn. 35; Süß in May­er-Süß, Hand­buch Pflicht­teils­recht, 2. Aufl.2010, Rn. 271; Süß in Süß, Erbrecht in Euro­pa, a.a.O., S.200 m.w.N.
  4. eben­so BayO­bLG, a.a.O., bei 65 m.w.N.
  5. BayO­bLG, a.a.O., bei 66, 68; KG ZEV 2012, 593 ff bei 16; May­er in Münch­Komm- BGB, a.a.O., § 2369 Rn. 35 f; Birk in Münch­Komm- BGB, 5. Aufl.2010, Art. 25 EBGB Rn. 336 f; Dör­ner in Stau­din­ger, a.a.O., Art. 25 EBGB, Rn. 893 f
  6. Oders­ky in Süß, a.a.O., Sei­te 743; eine Trust Cor­po­ra­ti­on ist meist eine spe­zia­li­sier­te Abtei­lung oder ein Toch­ter­un­ter­neh­mer einer Bank – wie auch im vor­lie­gen­den Fall – vgl. eben­falls Oders­ky in Süß, a.a.O., Sei­te 726
  7. vgl. Palandt/​Weidlich, BGB, 73. Aufl.2014, § 2197 Rn. 5
  8. Palandt/​Weidlich, a.a.O., § 2197 Rn. 5
  9. BayO­bLG, a.a.O., bei 66; Dör­ner in Stau­din­ger, a.a.O., Art. 25 EBGB Rn. 893; Birk in Münch­Komm-BGB, a.a.O., Art. 25 EBGB Rn. 336 f
  10. Oders­ky in Süß, a.a.O., Sei­te 736