Das Tes­ta­ment auf dem Brief­um­schlag

Bei der Fest­stel­lung, ob eine Urkun­de mit Tes­tier­wil­len errich­tet wur­de, han­delt es sich um eine im wesent­li­chen auf tat­säch­li­chem Gebiet lie­gen­de Fra­ge, die vom Tatrich­ter im Wege der Aus­le­gung unter Her­an­zie­hung aller erheb­li­chen – auch außer­halb der Urkun­de – lie­gen­den Umstän­de und der all­ge­mei­nen Lebens­er­fah­rung zu beur­tei­len ist. Die getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen der Tat­sa­chen­in­stan­zen kön­nen in der wei­te­ren Beschwer­de nur auf Rechts­feh­ler über­prüft wer­den.

Das Tes­ta­ment auf dem Brief­um­schlag

Ent­spricht die Form des Schrift­stücks nicht den für Tes­ta­men­te übli­chen Gepflo­gen­hei­ten, sind an den Nach­weis des Tes­tier­wil­lens stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len.

Es bestehen grund­sätz­lich kei­ne recht­li­chen Beden­ken gegen die Annah­me, daß auf einem ver­schlos­se­nen Brief­um­schlag befind­li­che hand­schrift­li­che Erklä­run­gen, die mit der Über­schrift „Tes­ta­ment“, einer Zeit­an­ga­be und einer Unter­schrift ver­se­hen sind, nicht nur eine Bezeich­nung des Umschlags­in­halts sein soll­ten, son­dern im Bewusst­sein einer recht­lich bedeut­sa­men Erklä­rung auf den Todes­fall abge­ge­ben wur­den.

Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 26. März 2010 – 14 Wx 30/​09