Die beson­de­ren prak­ti­schen Fähig­kei­ten eines Fach­an­walts für Erbrecht

Dem Rechts­an­walt, der beson­de­re Kennt­nis­se und Erfah­run­gen in einem Rechts­ge­biet erwor­ben hat, kann die Befug­nis ver­lie­hen wer­den, eine Fach­an­walts­be­zeich­nung zu füh­ren (§ 43c Abs. 1 Satz 1 BRAO). Fach­an­walts­be­zeich­nun­gen gibt es für das Ver­wal­tungs­recht, das Steu­er­recht, das Arbeits­recht und das Sozi­al­recht sowie für die Rechts­ge­bie­te, die durch Sat­zung in einer Beru­fungs­ord­nung nach § 59b Abs. 2 Nr. 2 lit. a BRAO bestimmt sind.

Die beson­de­ren prak­ti­schen Fähig­kei­ten eines Fach­an­walts für Erbrecht

Über den Antrag des Rechts­an­walts auf Ertei­lung der Erlaub­nis ent­schei­det der Vor­stand der Rechts­an­walts­kam­mer, nach­dem ein Aus­schuss der Kam­mer die von dem Rechts­an­walt vor­zu­le­gen­den Nach­wei­se über den Erwerb der beson­de­ren Kennt­nis­se und Erfah­run­gen geprüft hat.

Die Vor­aus­set­zun­gen für die Ver­lei­hung der Fach­an­walts­be­zeich­nung wer­den in der auf­grund § 59b Abs. 2 Nr. 2 lit. b BRAO erlas­se­nen Fach­an­walts­ord­nung gere­gelt.

Der Erwerb beson­de­rer prak­ti­scher Erfah­run­gen im Erbrecht setzt vor­aus, dass der Rechts­an­walt inner­halb der letz­ten drei Jah­re vor der Antrag­stel­lung 80 Fäl­le, davon min­des­tens 20 rechts­förm­li­che Ver­fah­ren, davon höchs­tens zehn Ver­fah­ren der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit, als Rechts­an­walt per­sön­lich und wei­sungs­frei bear­bei­tet hat. Die Fäl­le müs­sen sich gemäß § 5 Satz 1 lit. m Satz 2 FAO in der hier nach § 16 FAO maß­geb­li­chen Fas­sung vom 1. Juli 2006 auf die in § 14f Nr. 1 bis 5 FAO bestimm­ten Berei­che bezie­hen.

Hier­bei han­delt es sich um die Berei­che mate­ri­el­les Erbrecht unter Ein­schluss erbrecht­li­cher Bezü­ge zum Fami­li­en, Gesell­schafts, Stif­tungs- und Sozi­al­recht (Nr. 1), inter­na­tio­na­les Pri­vat­recht im Erbrecht (Nr. 2), vor­weg­ge­nom­me­ne Erb­fol­ge, Ver­trags- und Tes­ta­ments­ge­stal­tung (Nr. 3), Tes­ta­ments­voll­stre­ckung, Nach­lass­ver­wal­tung, Nach­lassin­sol­venz und Nach­lass­pfleg­schaft (Nr. 4) sowie steu­er­li­che Bezü­ge zum Erbrecht (Nr. 5).

Eine unge­wöhn­lich lan­ge Dau­er des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens führt nicht dazu, dass der Rechts­an­walt die Fach­an­walts­be­zeich­nung füh­ren darf, obwohl er den Erwerb beson­de­rer prak­ti­scher Erfah­run­gen nicht nach­ge­wie­sen hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Mai 2014 – AnwZ (Brfg) 51/​12