Die Ehe­frau als Allein­er­bin

Für eine rechts­wirk­sa­me Anfech­tung eines mit der vor­ver­stor­be­nen ers­ten Ehe­frau geschlos­se­nen Erb­ver­tra­ges bedarf es kei­ner ergän­zend nota­ri­ell beur­kun­de­ten Ent­schlie­ßung, wenn erst spät nach der nota­ri­el­len Beur­kun­dung die Anfech­tungs­er­klä­rung auf den Weg gebracht wor­den ist.

Die Ehe­frau als Allein­er­bin

So die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt am Main in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Streits über die Fra­ge, wer Allein­er­be des 2010 ver­stor­be­nen Kon­suls Bru­no H. Schu­bert gewor­den ist. Die Wit­we – M. Schu­bert – hat­te auf Fest­stel­lung gegen die Bru­no H. Schu­bert-Stif­tung geklagt, die sich eben­falls als Allein­er­bin betrach­tet. Bereits beim Land­ge­richt Frank­furt am Main war die Stif­tung unter­le­gen 1. Dar­auf­hin ist Beru­fung ein­ge­legt wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt am Main ist die im Mit­tel­punkt ste­hen­de Fra­ge, ob Kon­sul Schu­bert die Anfech­tung eines mit sei­ner vor­ver­stor­be­nen ers­ten Ehe­frau geschlos­se­nen Erb­ver­tra­ges rechts­wirk­sam erklärt hat, nach dem die Stif­tung Erbin gewor­den wäre, zu beja­hen. Damit ist die Beur­tei­lung des Land­ge­richts Frank­furt am Main bestä­tigt wor­den. Die Anfech­tungs­er­klä­rung Kon­sul Schu­berts war nota­ri­ell beur­kun­det, aber erst spä­ter auf den Weg gebracht wor­den, ohne dass die Ent­schlie­ßung, sie an das Nach­lass­ge­richt abzu­sen­den, ergän­zend nota­ri­ell beur­kun­det wor­den war. Dies hat nun das Ober­lan­des­ge­richt als nicht erfor­der­lich ange­se­hen.

Zuvor hat­te das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main in einem Par­al­lel­ver­fah­ren 2 eine abwei­chen­de Rechts­an­sicht zu die­ser Fra­ge ein­ge­nom­men. Die von M. Schu­bert erho­be­ne Fest­stel­lungs­kla­ge dien­te dazu, eine end­gül­ti­ge Klä­rung der Erben­stel­lung her­bei­zu­füh­ren.

In sei­nem heu­te ver­kün­de­ten Urteil hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main auch eine Rei­he wei­te­rer Ein­wän­de der beklag­ten Stif­tung als unbe­grün­det zurück­ge­wie­sen. Ins­be­son­de­re hat er bejaht, dass M. Schu­bert eine tes­ta­men­ta­ri­sche Bedin­gung erfüllt habe, nach der sie ihren Mann bis zu sei­nem Tode zu pfle­gen hat­te.

Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt, Urteil vom 15. Juni 2012 – 7 U 221/​11

  1. LG Frank­furt, Urteil vom 29.09.2011 – 2/​05 O 30/​11[]
  2. OLG Frank­furt, Beschluss vom 14.11.2011 – 20 W 25/​11[]