Die unzu­mut­ba­re Teil­ha­be am Erbe

Es besteht kein Anspruch auf den Pflicht­teil, wenn die Teil­ha­be an dem Erbe für den Erb­las­ser nicht zumut­bar ist.

Die unzu­mut­ba­re Teil­ha­be am Erbe

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall einem Mann, der zur­zeit in der JVA Mep­pen ein­sitzt, kei­ne Pro­zess­kos­ten­hil­fe für eine Kla­ge gewährt, in der es um sei­ne ver­meint­li­chen Pflicht­teils­an­sprü­che ging.

Ein gesetz­li­cher Erbe, der vom Erb­las­ser ent­erbt wird, kann grund­sätz­lich immer noch den soge­nann­ten Pflicht­teil bean­spru­chen. Der Pflicht­teil ist halb so groß wie der gesetz­li­che Erb­teil. In die­sem Fall hat­ten die Eltern des Man­nes ein gemein­schaft­li­ches Tes­ta­ment ver­fasst, wonach der Klä­ger ent­erbt wur­de und auch kei­nen Pflicht­teil bekom­men soll­te. Nach dem Tod der Mut­ter woll­te der Klä­ger sei­nen Pflicht­teil nun gel­tend machen.

In sei­ner Ent­schei­dungs­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg aus­ge­führt, dass die Eltern dem Klä­ger den Pflicht­teil wirk­sam ent­zo­gen hat­ten. Als Begrün­dung für den Pflicht­teils­ent­zug hat­ten sie in dem Tes­ta­ment erklärt, dass der Klä­ger wegen eines schwe­ren Rau­bes zu einer mehr­jäh­ri­gen Frei­heits­stra­fe ver­ur­teilt wor­den war. Sei­ne Teil­ha­be am Erbe sei den Eltern auch nicht zumut­bar, weil die Straf­tat den in der Fami­lie geleb­ten Wert­vor­stel­lun­gen in hohem Maße wider­spre­che. Dies hat­ten die Eltern in dem gemein­sa­men Tes­ta­ment auch so niedergelegt.

Aus die­sen Grün­den sah das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg für die Kla­ge kei­ne Erfolgs­aus­sich­ten. Der Mann kann jetzt kei­ne Pro­zess­kos­ten­hil­fe für die beab­sich­ti­ge Kla­ge beanspruchen.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Beschluss vom 8. Juli 2020 – 3 W 40/​20