Die Ver­gü­tung des Nach­lass­pfle­gers in der Zwangs­ver­stei­ge­rung

Die Ver­gü­tungs- und Auf­wen­dungs­er­satz­an­sprü­che des Nach­lass­pfle­gers fal­len nicht unter die in § 10 Abs. 1 Nr. 1, 1a und 2 ZVG ent­hal­te­nen Rang­vor­rech­te. Eine ana­lo­ge Anwen­dung die­ser Vor­schrif­ten schei­det man­gels einer Rege­lungs­lü­cke aus.

Die Ver­gü­tung des Nach­lass­pfle­gers in der Zwangs­ver­stei­ge­rung

§ 10 ZVG regelt die Rang­ord­nung der ein Recht auf Befrie­di­gung aus einem Grund­stück gewäh­ren­den Ansprü­che grund­sätz­lich abschlie­ßend 1.

Etwas ande­res gilt nur dann, wenn ein Rang­vor­recht an ande­rer Stel­le aus­drück­lich gesetz­lich gere­gelt ist 2.

Da sich die Auf­stel­lung des gerings­ten Gebots (und damit auch des Bar­ge­bots nach § 49 Abs. 1 ZVG) nicht nach mate­ri­ell­recht­li­chen Erwä­gun­gen, son­dern allein nach dem Rang­klas­sen­sys­tem des Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ge­set­zes rich­tet 3, ist ine ergän­zen­de Aus­le­gung des § 49 Abs. 1 ZVG unter mate­ri­ell­recht­li­chen Gesichts­punk­ten allen­falls in einem ganz beson­ders gela­ger­ten Aus­nah­me­fall denk­bar. Um einen sol­chen han­delt es sich bei der Ver­gü­tung eines Nach­lass­pfle­gers schon des­halb nicht, weil Son­der­re­ge­lun­gen bestehen. Ist der Nach­lass mit­tel­los, kann der Nach­lass­pfle­ger sei­ne Ver­gü­tungs­an­sprü­che gegen die Staats­kas­se fest­set­zen las­sen (§ 1915 Abs. 1 Satz 1, § 1836 Abs. 1 Satz 3 BGB, § 1 Abs. 2 Satz 2 VBVG).

  1. vgl. BGH, Urteil vom 08.01.1971 – V ZR 95/​68, MDR 1971, 287; RGZ 71, 424, 431; Stö­ber, ZVG, 20. Aufl., § 10 Anm.01.1[]
  2. vgl. dazu Depré/​Cranshaw, ZVG, § 10 Rn. 10 ff. und 18 ff.; Stö­ber, ZVG, 20 Aufl., § 10 Anm.07.1 bis 7.5[]
  3. BGH, Beschluss vom 09.05.2014 – V ZB 123/​13, BGHZ 201, 157 Rn.20[]