Die Ver­gü­tung des Nach­lass­ver­wal­ters – und der ange­mes­se­ne Stun­den­satz

Die Ver­gü­tung des Nach­lass­ver­wal­ters ist ange­mes­sen im Sin­ne von § 1987 BGB, wenn sie unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de des Falls der Bil­lig­keit ent­spricht.

Die Ver­gü­tung des Nach­lass­ver­wal­ters – und der ange­mes­se­ne Stun­den­satz

Ihrer Natur nach kann die Ver­gü­tung nur im Rah­men eines Ermes­sens­spiel­raums bestimmt wer­den (vgl. zu § 2221 BGB: BGH, Beschluss vom 27.10.2004 – IV ZR 243/​03, ZEV 2005, 22 unter 1 b). Die Aus­übung des Ermes­sens hin­sicht­lich der Ver­gü­tungs­hö­he ist in der Rechts­be­schwer­de nur beschränkt dar­auf­hin zu über­prü­fen, ob das Gericht den Tat­sa­chen­stoff voll­stän­dig gewür­digt, die Denk­ge­set­ze, Aus­le­gungs­grund­sät­ze und die Ermes­sens­gren­zen beach­tet hat 1.

Die Gren­zen die­ses Ermes­sens wer­den nicht dadurch über­schrit­ten, dass das Gericht sei­ner Ver­gü­tungs­fest­set­zung die Vor­schrif­ten zur Ver­gü­tung des Pfle­gers nach §§ 1915 Abs. 1, 1836 Abs. 1 BGB unmit­tel­bar zu Grun­de gelegt hat, obwohl sich der Ver­gü­tungs­an­spruch des Nach­lass­ver­wal­ters aus § 1987 BGB ergibt.

Im Hin­blick auf die Kri­te­ri­en zur Aus­fül­lung der Ange­mes­sen­heit ent­hält § 1987 BGB kei­ne ent­ge­gen­ste­hen­den Bestim­mun­gen 2. Auch bei der Bemes­sung der ange­mes­se­nen Nach­lass­ver­wal­ter­ver­gü­tung nach § 1987 BGB kann daher auf die in § 1915 Abs. 1 Satz 2 BGB für die Ver­gü­tung des Pfle­gers genann­ten Kri­te­ri­en der für die Füh­rung der Pfleg­schafts­ge­schäf­te nutz­ba­ren Fach­kennt­nis­se sowie auf Umfang und Schwie­rig­keit der Pfleg­schafts­ge­schäf­te zurück­ge­grif­fen wer­den 3.

Im hier ent­schie­de­nen Fall war der Stun­den­satz allein mit den in § 1915 Abs. 1 Satz 2 BGB genann­ten Umstän­den und nicht mit dem finan­zi­el­len Auf­wand der Nach­lass­ver­wal­te­rin begrün­det. Dies ent­spricht der weit­hin ver­tre­te­nen Ansicht, dass die Büro­kos­ten des Nach­lass­ver­wal­ters nicht in die Ver­gü­tung ein­flie­ßen, son­dern Auf­wen­dun­gen sind, die soweit trenn­bar geson­dert zu erset­zen sind 4.

Der zu berück­sich­ti­gen­de Zeit­auf­wand muss nicht minu­ten­ge­nau belegt wer­den. Aus­rei­chend ist, dass die Anga­ben die Fest­stel­lung der unge­fäh­ren Grö­ßen­ord­nung ermög­li­chen und Grund­la­ge einer gege­be­nen­falls durch­zu­füh­ren­den Schät­zung ent­spre­chend § 287 ZPO sein kön­nen 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. März 2018 – IV ZB 16/​17

  1. BGH, Beschluss vom 31.08.2000 – XII ZB 217/​99, BGHZ 145, 104, 112 unter – II 2 b; vgl. auch BGH, Beschluss vom 31.05.2017 – XII ZB 590/​16, NJW-RR 2017, 965 Rn. 11[]
  2. Homann, Die Ver­gü­tung von Nach­lass­pfle­ger, Tes­ta­ments­voll­stre­cker, Nach­lass­ver­wal­ter und Nach­lassin­sol­venz­ver­wal­ter 2007 S. 172[]
  3. Staudinger/​Dobler, BGB (2016) § 1987 Rn. 5; vgl. auch Homann aaO S. 180[]
  4. BayO­bLG Rpfle­ger 1985, 402, 403; Beck­OK-BGB/­Loh­mann, § 1987 Rn. 2 (Stand: 1.11.2017); Beck­OGK-BGB/Her­zog, § 1987 Rn. 10 (Stand: 1.12 2017); juris­PK-BGB/Klinck, 8. Aufl. § 1987 Rn. 5; Soergel/​Stein, BGB 13. Aufl. § 1987 Rn. 2; a.A. OLG Schles­wig Fam­RZ 2012, 1903; Bran­den­bur­gi­sches OLG ZEV 2010, 637, 638 16]; Palandt/​Weidlich, BGB 77. Aufl. § 1960 Rn. 23[]
  5. OLG Mün­chen, Beschluss vom 16.03.2015 – 31 Wx 81/​14[]