Ein mit links geschrie­be­nes Tes­ta­ment

Ein Tes­ta­ment, das mit einer schrei­bun­ge­wohn­ten lin­ken Hand geschrie­ben wor­den ist, kann gül­tig sein.

Ein mit links geschrie­be­nes Tes­ta­ment

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Köln in dem hier vor­lie­gen­den Fall das Tes­ta­ment eines am rech­ten Arm gelähm­ten Man­nes aner­kannt und den dar­in begüns­tig­ten Nach­barn den Erb­schein erteilt. Gleich­zei­tig hat das Ober­lan­des­ge­richt damit die Ent­schei­dung des Amts­ge­richts Eus­kir­chen bestä­tigt. Nach­dem im Alter von 62 Jah­ren ein Eus­kir­che­ner an Krebs ver­stor­be­nen war, wur­den dem Nach­lass­ge­richt zwei als Tes­ta­ment über­schrie­be­ne und mit dem Namen des Erb­las­sers unter­zeich­ne­te Schrift­stü­cke vor­ge­legt, von denen eines die Nach­barn und das ande­re einen Ver­wand­ten des Ver­stor­be­nen als Erben bezeich­ne­te. Die Nach­barn bean­trag­ten auf­grund des sie begüns­ti­gen­den Tes­ta­ments die Ertei­lung eines Erb­scheins. Die Geschwis­ter mach­ten gel­tend, dass bei­de Tes­ta­men­te unecht sei­en und dass sie auf­grund gesetz­li­cher Erb­fol­ge zu Erben beru­fen sei­en.

Es wur­de umfang­reich Beweis erho­ben u.a. durch Ver­neh­mung von Zeu­gen, die Ein­ho­lung eines gra­pho­lo­gi­schen Gut­ach­tens und durch schrift­li­che Stel­lung­nah­men der behan­deln­den Ärz­te. Etwa ein hal­bes Jahr vor dem Tod hat­ten die Ärz­te beim Erb­las­ser ein meta­stasie­ren­des Bron­chi­al­kar­zi­nom dia­gnos­ti­ziert. Kurz nach der Dia­gno­se waren Läh­mun­gen am rech­ten Arm auf­ge­tre­ten.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Köln han­delt es sich bei dem die Nach­barn begüns­ti­gen­de Tes­ta­ment um den gül­ti­gen letz­ten Wil­len des Erb­las­sers. Wegen der Läh­mung der rech­ten Hand sei die­ses aller­dings mit der lin­ken Hand geschrie­ben wor­den. In der Fol­ge konn­te die gericht­lich bestell­te Schrift­sach­ver­stän­di­ge nicht mit Sicher­heit bestä­ti­gen, dass das Tes­ta­ment vom Erb­las­ser stamm­te, weil es kein geeig­ne­tes Ver­gleichs­ma­te­ri­al von Schrift­stü­cken mit der lin­ken Hand des Erb­las­sers gab. Ent­schei­dend war schließ­lich, dass ein Zeu­ge glaub­haft bestä­tig­te, bei der Abfas­sung des mit der lin­ken Hand geschrie­be­nen Tes­ta­ments dabei gewe­sen zu sein. Das Argu­ment der Gegen­sei­te, wonach ein mit einer schrei­bun­ge­wohn­ten Hand geschrie­be­nes Tes­ta­ment wesent­lich unre­gel­mä­ßi­ger aus­se­hen müss­te, blieb vor die­sem Hin­ter­grund ohne Erfolg. Denn es gibt Men­schen, die mit ihrer schrei­bun­ge­wohn­ten Hand ein regel­mä­ßi­ges Schrift­bild erzeu­gen kön­nen. Auch ein mit der lin­ken Hand geschrie­be­nes hand­schrift­li­ches Tes­ta­ment ist gül­tig.

Das ande­re Tes­ta­ment stam­me dage­gen nicht vom Erb­las­ser. Es war ohne Absen­der beim Nach­lass­ge­richt ein­ge­gan­gen und aus­weis­lich sei­nes Datums spä­ter erstellt wor­den. Es konn­te schon auf­grund des Schrift­bil­des nicht vom Erb­las­ser stam­men, weil die­ser zu die­sem spä­te­ren Zeit­punkt mit der lin­ken Hand nur noch kra­ke­lig schrieb. Wer die­ses Tes­ta­ment gefälscht hat­te, konn­te im Nach­lass­ver­fah­ren nicht geklärt wer­den, war aber auch für die Ent­schei­dung ohne Bedeu­tung.

Ober­lan­des­ge­richt Köln, Beschluss vom 3. August 2017 – 2 Wx 149/​17 u.a.