Erbengemeinschaft – Erbteil verkaufen

19. April 2017 | Erbrecht
Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Erbe wird man von selbst. Dass mit dem Anfall einer Erbschaft Verantwortung verbunden ist, merkt der Erbe spätestens dann, wenn er als Mitglied einer Erbengemeinschaft Entscheidungen treffen muss und sich die vielleicht erhoffte Liquidität nicht automatisch einstellt. Wer nach Lösungen sucht, sollte in Betracht ziehen, seinen Erbteil zu verkaufen.

 

So entsteht das Problem

Erbengemeinschaften sind Zwangsgemeinschaften. Sie entstehen mit dem Erbfall. Jeder, der den Erblasser infolge der gesetzlichen Erbfolge oder eines Testaments beerbt, wird Miterbe und damit Teil der Erbengemeinschaft. Da jeder Erbe im Prinzip die gleichen Rechte hat, ist die Erbengemeinschaft nach dem Gesetz als Gesamthandsgemeinschaft ausgestaltet, mit der Folge, dass der einzelne Miterbe eben nur einen Anteil am Nachlass erhält, aber kein Recht hat, über einzelne Nachlassgegenstände nach eigenem Ermessen zu verfügen. Jede Verfügung bedarf der Zustimmung aller Miterben. Damit erweisen sich Erbengemeinschaften regelmäßig als schwerfällig. Oft kommt hinzu, dass persönliche Aversionen der Miterben untereinander die Verwaltung und die Abwicklung des Nachlasses behindern und im ungünstigsten Fall auf Jahre hinaus blockieren. Wenn es aber gelingt, emotionale Hindernisse zu beseitigen, lassen sich viele Probleme lösen. Eine elegante Lösung kann darin bestehen, den Erbteil zu verkaufen und als Miterbe aus einer vielleicht unliebsamen Erbengemeinschaft auszuscheiden.

 

Erbengemeinschaften haben selten Zukunftsperspektiven

Da eine Erbengemeinschaft, anders als eine auf einen unternehmerischen Zweck ausgerichtete Gesellschaft, ohne den Willen der Beteiligten entsteht, sieht das Gesetz ausdrücklich ihre Abwicklung vor. Die Auseinandersetzung erfolgt derart, dass eventuell bestehende Verbindlichkeiten des Erblassers aus dem Nachlass bedient, Vermögenswerte verkauft und notfalls durch Pfandverkauf oder Teilungsversteigerung verwertet werden und ein sich ergebender Überschuss unter den Miterben aufgeteilt wird. Eine solche Auseinandersetzung nimmt bei umfangreichen Nachlässen und schwierigen persönlichen Verhältnissen der Miterben untereinander oft erhebliche Zeit in Anspruch. Wer als Miterbe auf schnelle Liquidität hofft oder gar angewiesen ist, braucht viel Geduld.

 

Was heißt, den Erbteil zu verkaufen?

Gerade wegen der Tatsache, dass Erbengemeinschaften schwierig zu handhaben sind, erlaubt das Gesetz ausdrücklich, Nachlässe und Erbteile zu verkaufen. Ist der Erbe Alleinerbe, kann er die gesamte Erbschaft verkaufen. Ist der Erbe nur Miterbe in der Erbengemeinschaft, kann er seinen Erbanteil verkaufen. Der Verkauf richtet sich also nicht auf einzelne Nachlassgegenstände, sondern nur auf den Anteil am Nachlass. Auch der Erwerber des Erbteils ist dann gesamthänderisch gebunden und muss die Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft betreiben. Soweit persönliche Animositäten bestanden haben, wird ihm die Auseinandersetzung leichter fallen als dem Miterben. Der Miterbe scheidet aus der Erbengemeinschaft aus, der Erwerber tritt ein. Im Idealfall bestimmen dann Objektivität und Sachlichkeit die Auseinandersetzung. Als Gegenleistung für den Verkauf seines Erbteils erhält der Miterbe einen Kaufpreis. Dessen Höhe orientiert sich nach dem Wert des Nachlasses und natürlich daran, dass der Miterbe schnelle Liquidität erhält und sich persönliche Belange innerhalb der Erbengemeinschaft möglichst erledigen.

 

Was ist beim Verkauf des Erbteils zu beachten?

Der Verkauf des Erbteils bedarf der notariellen Beurkundung. Sie schützt den Erben vor unüberlegten Entscheidungen und gewährleistet im Interesse aller Beteiligten klare Absprachen. Dabei bleibt der Verkäufer trotz des Verkaufs Erbe. Wird nichts Anderes vereinbart, wird die Erbschaft so verkauft, wie sie sich zur Zeit des Vertragsabschlusses darstellt. Ab dem Abschluss des Kaufvertrages trägt der Erwerber das Risiko, dass einzelne Nachlassgegenstände sich verschlechtern oder verloren gehen. Sachmängel an Nachlassgegenständen brauchen den Verkäufer nicht zu interessieren, sofern er sie nicht arglistig verschweigt oder eine Garantie übernimmt. Im Verhältnis zum Nachlassgläubiger haften Verkäufer und Käufer nebeneinander für Verbindlichkeiten. Haftungsbeschränkungen zugunsten des Käufers lassen sich im Verhältnis zum Gläubiger nicht wirksam vereinbaren, sind aber auch sekundär, sofern sich der Käufer an die vertraglichen Absprachen hält.

 

Fazit

Wer den Verkauf seines Erbteils in Betracht zieht, sollte möglichst auf einen kompetenten Vertragspartner zurückgreifen. Nur so ist gewährleistet, dass die Übertragung des Erbanteils problemlos und zuverlässig erfolgt und auch die anstehende Auseinandersetzung des Nachlasses zielstrebig abgewickelt werden kann.

 
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