Erbrecht und Tes­ta­ment

Wer Ver­mö­gen oder ande­re ver­äu­ßer­ba­re Wer­te besitzt, soll­te sich früh­zei­tig Gedan­ken dar­über machen, was mit die­sen Din­gen nach sei­nem Tode pas­siert soll. Um sel­ber noch dar­auf Ein­fluss neh­men zu kön­nen, soll­te man sich zu Leb­zei­ten dar­um küm­mern. Damit Ver­mö­gens­strei­tig­kei­ten im Fall des Todes eines Men­schen ver­mie­den wer­den – vor Allem zwi­schen Ange­hö­ri­gen – ist es sinn­voll, vor dem eige­nen Tod Rege­lun­gen für den Erb­fall zu tref­fen. Nach dem deut­schen Erbrecht gibt es meh­re­re Mög­lich­kei­ten:

Erbrecht und Tes­ta­ment

Neben der gesetz­li­chen Erb­fol­ge gemäß § 1922 BGB, für die kei­ne beson­de­re Rege­lung not­wen­dig ist und dem Erb­ver­trag gemäß §§ 1941,§ 2274 ff. BGB ist die häu­figs­te Form der Rege­lung das Tes­ta­ment gemäß § 1937 BGB. Unter einem Tes­ta­ment ver­steht man eine ein­sei­ti­ge Wil­lens­er­klä­rung des Erb­las­sers über sein Ver­mö­gen, die einer bestimm­ten Form bedarf und die jeder­zeit wider­ru­fen wer­den kann. Die Errich­tung des Tes­ta­ments kann in zwei For­men gesche­hen: Der Erb­las­ser kann die Form des öffent­li­chen, nota­ri­el­len Tes­ta­ments (§ 2232 BGB) oder des holo­gra­phi­schen, hand­schrift­li­chen Tes­ta­ments (§ 2247 BGB) wäh­len.

Ein Tes­ta­ment kann nor­ma­ler­wei­se nur durch den Erb­las­ser sel­ber errich­tet wer­den. Aller­dings besteht für Ehe­paa­re und Lebens­part­ner­schaf­ten (auch gleich­ge­schlecht­li­che) die Mög­lich­keit, ein gemein­schaft­li­ches Tes­ta­ment auf­zu­set­zen gemäß der §§ 2265 ff. BGB. Zur Errich­tung eines sol­chen Tes­ta­ments ist der Form dadurch genü­ge getan, dass ein Part­ner das gemein­schaft­li­che Tes­ta­ment hand­schrift­lich nie­der­schreibt. Aller­dings müs­sen bei­de es unter­schrei­ben gemäß § 2267 BGB. In einem sol­chen Tes­ta­ment kön­nen sog. wech­sel­sei­ti­ge Ver­fü­gun­gen gemäß § 2270 BGB ent­hal­ten sein, die der Ehe­gat­te nur in Hin­blick auf die Ver­fü­gung des ande­ren Ehe­gat­ten vor­ge­nom­men hat. Nach dem Tod des Erst­versterben­den wer­den die­se wech­sel­be­züg­li­che Ver­fü­gun­gen bin­dend. Der Über­le­ben­de kann die­se wech­sel­be­züg­li­chen, bin­dend gewor­de­nen Ver­fü­gun­gen dann nicht mehr wider­ru­fen. Unter sol­chen Ver­fü­gun­gen sind gemäß § 2270 III BGB nur Erbein­set­zun­gen, Ver­mächt­nis­se oder Auf­la­gen zu ver­ste­hen.

Eine beson­de­re Art des gemein­schaft­li­chen Tes­ta­ments ist das soge­nann­te Ber­li­ner Tes­ta­ment gemäß §2269 BGB: Hier set­zen die Ehe­gat­ten sich gegen­sei­tig zu Erben ein und einen Drit­ten zum Erben des Über­le­ben­den. Dabei gibt es zwei Vari­an­ten. Ent­we­der wird der über­le­ben­de Ehe­gat­te Vor­er­be und das Kind Nach­er­be. Das führt dann beim über­le­ben­den Ehe­gat­ten zur Tren­nung zwi­schen dem Ver­mö­gen aus dem Nach­laß und dem Eigen­ver­mö­gen und das Kind erhält beim Tod des zwei­ten Ehe­gat­ten den Nach­laß des Erst­ver­stor­be­nen als Nach­er­ben und den Nach­laß des über­le­ben­den Ehe­gat­ten als Vol­l­er­ben. Oder das Kind ist Schlu­ßer­be und damit nur Erbe des letzt­versterben­den Ehe­gat­ten und hat vor des­sen Tod kei­ner­lei erbrecht­li­che Anwart­schaft, da der über­le­ben­de Ehe­gat­te Vol­l­er­be ist und der Nach­laß und das Eigen­ver­mö­gen des über­le­ben­den dann eine ein­heit­li­che Ver­mö­gens­mas­se sind.