Ergän­zung der Erben­aus­kunft

Der Pflicht­teils­be­rech­tig­te hat gemäß § 2314 Abs. 1 S. 1 BGB Anspruch auf Ergän­zung der bereits erteil­ten Aus­kunft über die Zusam­men­set­zung des Haus­rats der Immo­bi­lie des Erb­las­sers in A, und zwar inso­weit, als die Erben noch die Mit­tei­lung der wert­bil­den­den Fak­to­ren der Tep­pi­che und Bil­der, die in der Inven­tar­lis­te auf­ge­lis­tet sind, schul­den. Dabei spielt es kei­ne Rol­le, ob der Haus­rat wert­los, ist wie die Erben mei­nen. Der Umfang der Aus­kunfts­pflicht wird hier­durch näm­lich nicht berührt 1.

Ergän­zung der Erben­aus­kunft

Zwar kann der Berech­tig­te in der Regel bei Unvoll­stän­dig­keit des Ver­zeich­nis­ses kei­ne Ver­voll­stän­di­gung ver­lan­gen, son­dern ist auf die Mög­lich­keit, die Abga­be der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung zu ver­lan­gen, zu ver­wei­sen. Aus­nah­men hier­von wer­den aber bejaht, wenn der Pflich­ti­ge z. B. aus Rechts­irr­tum eine unbe­stimm­te Zahl von Gegen­stän­den nicht auf­ge­nom­men hat, einen bestimm­ten Teil des Nach­lass­ver­mö­gens ganz aus­ge­las­sen hat oder aber bei erkenn­bar unvoll­stän­di­ger Aus­kunft 2.

Eine sol­che Unvoll­stän­dig­keit liegt hier inso­weit vor, als Anga­ben zu den wert­bil­den­den Fak­to­ren der sei­tens der Erben auf­ge­lis­te­ten Tep­pi­che und Bil­der weit­ge­hend feh­len.

Für den Aus­kunfts­an­spruch aus § 1379 Abs. 1 S. 1 BGB (Pflicht der Ehe­gat­ten zur Aus­kunfts­er­tei­lung über End­ver­mö­gen) ist in der Recht­spre­chung aner­kannt, dass das zu über­ge­ben­de Ver­mö­gens­ver­zeich­nis die am Stich­tag zum End­ver­mö­gen gehö­ren­den Gegen­stän­de nach Anzahl, Art und wert­bil­den­den Merk­ma­len auf­zu­füh­ren hat 3. Auch im Rah­men der Aus­kunfts­pflicht der Mit­er­ben über aus­glei­chungs­pflich­ti­ge Zuwen­dun­gen (§ 2057 BGB) gilt, dass die aus­glei­chungs­re­le­van­ten Eigen­schaf­ten wie Zuwen­dungs­zeit­punkt und wert­bil­den­de Fak­to­ren anzu­ge­ben sind 4. Für den Aus­kunfts­an­spruch aus § 2314 BGB kann nichts ande­res gel­ten. Aus­ge­hend vom Zweck die­ses Aus­kunfts­an­spruchs, der in der Offen­le­gung der Berech­nungs­fak­to­ren für den sonst nicht bezif­fer­ba­ren Pflicht­teils­an­spruch liegt, ist eine Pflicht zur Anga­be von wert­bil­den­den Fak­to­ren der Nach­lass­ge­gen­stän­de jeden­falls dann zu beja­hen, wenn eine sol­che aus­drück­lich ver­langt wird und offen­sicht­lich ist, dass sie zur Bezif­fe­rung des Pflicht­teils­an­spruchs benö­tigt wird.

So liegt es hier. Die von den Erben vor­ge­leg­te Inven­tar­lis­te führt eine Rei­he von Tep­pi­chen auf, zu denen jeweils ledig­lich die Grö­ße, jedoch nur zum Teil das Alter und die Her­kunft und nicht bei­spiels­wei­se das Mate­ri­al, das Motiv, der Zustand etc. ange­ge­ben wur­den. Zu den auf­ge­lis­te­ten Bil­dern feh­len nahe­zu durch­weg Anga­ben zum Motiv, zur Bild­grö­ße etc. Der Pflicht­teils­be­rech­tig­te ver­mu­tet, dass die Tep­pi­che jeden­falls teil­wei­se einen Wert von 5.000, 00 EUR bis 8.000, 00 EUR, die Bil­der zum Teil einen Wert von 500, 00 EUR bis 3.000, 00 EUR haben. Ohne Kennt­nis von den (wei­te­ren) wert­bil­den­den Fak­to­ren ist eine genaue­re Ein­schät­zung der Ver­kehrs­wer­te offen­sicht­lich nicht mög­lich.

Dass ein Anspruch auf Wert­ermitt­lung in Betracht kommt, soweit für die Bewer­tung ein­zel­ner Nach­lass­ge­gen­stän­de die Hil­fe eines Sach­ver­stän­di­gen erfor­der­lich ist und des­halb in der Regel für eine Aus­kunft eine sol­che Bezeich­nung des Nach­lass­ge­gen­stan­des genügt, mit deren Hil­fe der Pflicht­teils­be­rech­tig­te die Ermitt­lung des Wer­tes durch einen Sach­ver­stän­di­gen bean­tra­gen kann 5, ändert an dem Anspruch des Pflichtt­teils­be­rech­tig­ten auf Aus­kunft über die wert­bil­den­den Merk­ma­le der betref­fen­den Nach­lass­ge­gen­stän­de nichts. Wäh­rend näm­lich der Aus­kunfts­an­spruch ledig­lich auf die Wei­ter­ga­be von Wis­sen gerich­tet ist, bezweckt der Wert­ermitt­lungs­an­spruch eine vom Wis­sen und von den Wert­vor­stel­lun­gen des Ver­pflich­te­ten gänz­lich unab­hän­gi­ge vor­be­rei­ten­de Mit­wir­kung ande­rer Art 6. Hier geht es dem Pflicht­teils­be­rech­tig­ten ersicht­lich zunächst um die Mit­tei­lung von ver­schaff­ba­rem Wis­sen der Erben; nur mit Hil­fe die­ses Wis­sens kann der Pflicht­teils­be­rech­tig­te eine sach­ge­rech­te Ent­schei­dung tref­fen, ob er die Erben zusätz­lich auf Wert­ermitt­lung in Anspruch neh­men will.

Aller­dings ist der Anspruch des Pflichtt­teils­be­rech­tig­ten auf die Mit­tei­lung der wert­bil­den­den Fak­to­ren zu den in der Inven­tar­lis­te auf­ge­führ­ten Tep­pi­chen und Bil­dern beschränkt. Bezüg­lich aller übri­gen auf­ge­lis­te­ten Gegen­stän­de lässt sich ein sol­cher wei­te­rer Aus­kunfts­be­darf nicht erken­nen. Nur hin­sicht­lich der Bil­der und Tep­pi­che hat der Pflicht­teils­be­rech­tig­te kon­kret und nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt, dass er zur genaue­ren Ein­schät­zung von deren – sei­ner Ver­mu­tung nach nen­nens­wer­ten – Ver­kehrs­wer­ten der Kennt­nis der wert­bil­den­den Merk­ma­le bedarf.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 9. Dezem­ber 2014 – 8 U 187/​13

  1. Münch­Komm-BGB/Lan­ge, § 2314 Rn. 5[]
  2. OLG Schles­wig NJW-RR 2011, 1449 mit zahl­rei­chen wei­te­ren Nach­wei­sen; Weid­lich in Palandt, a.a.O. § 2314 Rn. 8 und 11[]
  3. BGHZ 84, 31, 32 = NJW 1982, 1643, 1644 7[]
  4. Weid­lich in Palandt, a.a.O., § 2057 Rn. 1; Ann im Mün­che­ner Kom­men­tar zum BGB, a.a.O., § 2057 Rn. 5[]
  5. BGH, Beschluss vom 21.02.1996 – IV ZB 27/​95 – = BeckRS 1996, 31059736; Bran­den­bur­gi­sches OLG, Urteil vom 07.01.2004 – 13 U 25/​03 – = ZErb 2004, 132 32[]
  6. BGHZ 89, 24, 28[]