Haus­geld­schul­den der vom Tes­ta­ments­voll­stre­cker erwor­be­nen Eigen­tums­woh­nung

Gehört eine Eigen­tums­woh­nung zu dem Nach­lass, weil sie der Tes­ta­ments­voll­stre­cker für den Erben mit Nach­lass­mit­teln erwor­ben hat, sind die Haus­geld­schul­den, die wäh­rend der Dau­er der Tes­ta­ments­voll­stre­ckung fäl­lig wer­den, Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten.

Haus­geld­schul­den der vom Tes­ta­ments­voll­stre­cker erwor­be­nen Eigen­tums­woh­nung

Die Haus­geld­for­de­run­gen sind damit Nach­lass­schul­den, die gemäß § 2213 Abs. 1 Satz 1 BGB sowohl gegen den Erben als auch gegen den Beklag­ten als Tes­ta­ments­voll­stre­cker gel­tend gemacht wer­den kön­nen. Dies setzt vor­aus, dass die Woh­nung zu dem Nach­lass gehört und der Ver­wal­tung durch den Tes­ta­ments­voll­stre­cker unter­liegt (vgl. § 2213 Abs. 1 Satz 2 BGB). Fer­ner müs­sen die Haus­geld­schul­den Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten im Sin­ne von § 1967 Abs. 2 BGB sein 1. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind gege­ben.

Die Woh­nung gehört zu dem Nach­lass, für den eine Dau­er­voll­stre­ckung im Sin­ne von § 2209 BGB ange­ord­net ist. Weil er aus die­sem Grund ein Son­der­ver­mö­gen bil­det, fin­det die auf die Erben­ge­mein­schaft bezo­ge­ne Bestim­mung des § 2041 Satz 1 BGB über die ding­li­che Sur­ro­ga­ti­on ana­lo­ge Anwen­dung 2. Die Sur­ro­ga­ti­on tritt auch dann ein, wenn der Erwerb – wie hier – mit Mit­teln des Nach­las­ses erfolgt 3. Dabei ist uner­heb­lich, ob der Tes­ta­ments­voll­stre­cker eine tes­ta­men­ta­ri­sche Anord­nung im Sin­ne von § 2216 Abs. 2 Satz 1 BGB befolgt. § 2216 BGB betrifft näm­lich nicht das Außen­ver­hält­nis zu den Gläu­bi­gern – also der Eigen­tü­mer­ge­mein­schaft, son­dern die dem Tes­ta­ments­voll­stre­cker gegen­über dem Erben oblie­gen­den Pflich­ten 4. Des­halb kommt es nicht dar­auf an, dass der Tes­ta­ments­voll­stre­cker im ent­schie­de­nen Fall den Kauf nur mit Ein­ver­ständ­nis des Erben aus­füh­ren soll­te. Die Zuge­hö­rig­keit der Eigen­tums­woh­nung zu dem Nach­lass ist auch nicht durch eine Frei­ga­be gemäß § 2217 Abs. 1 Satz 1 BGB auf­ge­ho­ben wor­den. Eben­so wenig ent­hält das Tes­ta­ment einen Anhalts­punkt dafür, dass die Woh­nung nach dem Erwerb nicht mehr der Tes­ta­ments­voll­stre­ckung unter­lie­gen soll­te. Des­halb erstreckt sich die Ver­wal­tungs­be­fug­nis des Tes­ta­ments­voll­stre­ckers gemäß § 2205 Satz 1 BGB auf sie (vgl. § 2213 Abs. 1 Satz 2 BGB).

Die Haus­geld­for­de­run­gen sind Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten im Sin­ne von § 1967 Abs. 2 BGB.

Über­wie­gend wer­den Haus­geld­schul­den für eine im Wege der Erb­fol­ge erwor­be­ne Eigen­tums­woh­nung auch dann als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten ange­se­hen, wenn sie erst nach dem Erb­fall fäl­lig wer­den und – wie hier jeden­falls teil­wei­se – ihre Grund­la­ge in einem erst nach dem Erwerb gefass­ten Beschluss der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer haben. Im Ein­zel­nen strei­tig ist dabei ledig­lich, ob sie rei­ne Nach­lass­schul­den 5 oder soge­nann­te Nach­las­ser­ben­schul­den dar­stel­len, bei denen sowohl der Nach­lass als auch der Erbe per­sön­lich haf­tet 6. Teil­wei­se wird aber auch ver­tre­ten, dass eine rei­ne Eigen­schuld des Erben ent­ste­he 7.

Eine rei­ne Eigen­schuld des Erben schei­det jeden­falls dann aus, wenn – wie hier – eine Dau­er­voll­stre­ckung ange­ord­net ist und die Woh­nung von dem Tes­ta­ments­voll­stre­cker ver­wal­tet wird. Geht der Tes­ta­ments­voll­stre­cker im Rah­men der Ver­wal­tung Ver­bind­lich­kei­ten ein, ent­ste­hen nach all­ge­mei­ner Mei­nung not­wen­dig Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten 8. Weil der Tes­ta­ments­voll­stre­cker ver­wal­tungs­be­fugt ist, hat nach all­ge­mei­ner Ansicht er und nicht der Erbe das Stimm­recht aus­zu­üben 9. Unab­hän­gig davon, ob er von sei­nem Stimm­recht Gebrauch macht, sind die beschlos­se­nen Haus­geld­for­de­run­gen ins­ge­samt Fol­ge sei­ner Ver­wal­tung und damit Nach­las­ser­ben­schul­den 10.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 4. Novem­ber 2011 – V ZR 82/​11

  1. vgl. Palandt/​Weidlich, BGB, 70. Aufl., § 2213 Rn. 1[]
  2. vgl. RGZ 138, 132, 134; Münch­Komm-BGB/Ger­gen, 5. Aufl., § 2041 Rn. 3; Staudinger/​Werner, BGB [2010] § 2041 Rn. 12[]
  3. Münch­Komm-BGB/Ger­gen, 5. Aufl., § 2041 Rn. 12[]
  4. näher Münch­Komm-BGB/Zim­mer­mann, 5. Aufl., § 2216 Rn. 3 und 13[]
  5. so jeden­falls im Ergeb­nis BayO­bLG, NZM 2000, 41 ff.; Staudinger/​Bub, BGB [2005], § 28 WEG Rn. 174[]
  6. so mit unter­schied­li­chen Dif­fe­ren­zie­run­gen OLG Ham­burg, NJW-RR 1986, 177; OLG Köln, NJW-RR 1992, 460; Dötsch, ZMR 2006, 902, 906; Münch­Komm-BGB/­Küp­per, 5. Aufl., § 1967 Rn.20; Marotz­ke, ZEV 2000, 153, 154; Nie­den­führ, NZM 2000, 641, 642[]
  7. für die Zeit ab dem Erb­fall Rieke/​Schmid/​Elzer, WEG, 3. Aufl., § 16 Rn.199; für die auf die ers­te Beschluss­fas­sung nach dem Erb­fall fol­gen­de Zeit Boni­fa­cio, MDR 2006, 244, 245; Sieg­mann, NZM 2000, 995, 996[]
  8. Münch­Komm-BGB/­Küp­per, BGB, 5. Aufl., § 1967 Rn. 21; Hügel, ZWE 2006, 174, 177[]
  9. Mer­le in Bär­mann, WEG, 11. Aufl., § 25 Rn. 26; Jen­ni­ßen in Jen­ni­ßen, WEG, 2. Aufl., § 25 Rn. 29; Palandt/​Bassenge, BGB, 70. Aufl., § 25 WEG Rn. 2; Hügel, ZWE 2006, 174, 178[]
  10. vgl. Hügel, ZWE 2006, 174, 177[]

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