Nach­lassin­sol­venz – und die Pro­zess­kos­ten­hil­fe

Für ein Nach­lassin­sol­venz­ver­fah­ren kann aus recht­li­chen Grün­den kei­ne Pro­zess­kos­ten­hil­fe bewil­ligt wer­den.

Nach­lassin­sol­venz – und die Pro­zess­kos­ten­hil­fe

Als Son­der­ver­mö­gen ist der Nach­lass gemäß § 11 II Nr. 2 InsO zwar insol­venz­fä­hig, nicht aber rechts­fä­hig. Der Nach­lass kann daher nicht als Schuld­ner ange­se­hen wer­den 1. Die­se Rol­le kommt viel­mehr dem Erben als rechts­fä­hi­ge natür­li­che Per­son und Trä­ger der in der Nach­lass­mas­se befind­li­chen Ver­mö­gens­wer­te und Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten zu 2.

Für den Schuld­ner sieht § 4 a InsO die Stun­dung der Kos­ten des Insol­venz­ver­fah­rens für den Fall vor, dass ein Antrag auf Rest­schuld­be­frei­ung gestellt und die­ser nicht offen­sicht­lich zu ver­sa­gen ist. Aus der not­wen­di­gen Ver­bin­dung mit der Rest­schuld­be­frei­ung, die gem. §§ 286, 4 a InsO nur eine natür­li­che Per­son bean­tra­gen kann, folgt, dass für einen Erben zwar in der Eigen­in­sol­venz, nicht aber im Nach­lassin­sol­venz­ver­fah­ren, das kei­ne Rest­schuld­be­frei­ung für den Nach­lass kennt, Kos­ten­hil­fe im Wege der Stun­dung in Betracht kommt. Nur wenn der Schuld­ner das Ziel der Rest­schuld­be­frei­ung ver­folgt, kann er auf Kos­ten­stun­dung hof­fen 3. Vor­lie­gend schei­det somit die Gewäh­rung von Kos­ten­hil­fe im Wege der Stun­dung aus.

Der vor­ran­gi­ge § 4 a InsO 4 schließt grund­sätz­lich die Anwen­dung der §§ 114 ff. ZPO (über § 4 InsO) aus. Schon vor der durch Gesetz vom 26.10.2001 mit § 4 a InsO geschaf­fe­nen geson­der­ten Rege­lung zur Kos­ten­hil­fe im Insol­venz­ver­fah­ren hat der Bun­des­ge­richts­hof 5 aus­ge­führt, dass der Gesetz­ge­ber von einer Bereit­stel­lung der zur Ver­fah­rens­durch­füh­rung not­wen­di­gen Mas­se­kos­ten aus öffent­li­chen Mit­teln bewusst abge­se­hen habe 6. Sieht das jetzt gül­ti­ge Gesetz Kos­ten­hil­fe jedoch nur unter den in § 4 a InsO auf­ge­führ­ten Vor­aus­set­zun­gen vor, muss die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe nach § 4 InsO, §§114 ff. ZPO für ande­re als dort gere­gel­te Fall­ge­stal­tun­gen nach wie vor aus­schei­den 7.

Soweit die Betei­lig­te zur Bekräf­ti­gung ihrer Auf­fas­sung auf die schein­bar der vor­ge­nann­ten Rechts­mei­nung ent­ge­gen­ge­setz­te Ent­schei­dun­gen der Land­ge­rich­te Göt­tin­gen 8 und Ful­da 9 abstellt, kann sie damit nicht durch­drin­gen. Bei­de Beschlüs­se set­zen sich schon nicht mit dem Kon­kur­renz­ver­hält­nis zwi­schen § 4 a InsO einer­seits und § 4 InsO, §§ 114 ff. ZPO ande­rer­seits aus­ein­an­der. Im Übri­gen wird die von bei­den Land­ge­rich­ten in ihren Beschlüs­sen ver­nein­te Mut­wil­lig­keit auch in Tei­len der Recht­spre­chung anders beur­teilt: So haben das Land­ge­richt Ber­lin 10 und das Land­ge­richt Neu­rup­pin 11 Mut­wil­lig­keit im Sin­ne von § 114 I 1, II ZPO ange­nom­men, und damit die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe ver­neint, wenn der antrag­stel­len­de Erbe zur Beschrän­kung sei­ner Eigen­haf­tung (§ 1990 I BGB) die Abwei­sung des Antra­ges man­gels Mas­se anstrebt 12.

Es bleibt somit dabei, dass die Deckung der Ver­fah­rens­kos­ten nach § 26 InsO im Nach­lassin­sol­venz­ver­fah­ren nicht aus der Staats­kas­se über Pro­zess­kos­ten­hil­fe finan­ziert wer­den kann.

Amts­ge­richt Coburg, Beschluss vom 12. August 2016 – IN 217/​16

  1. so aber LG Göt­tin­gen, Beschluss vom 10.10.2000, ZIn­sO 2000, 619[]
  2. vgl. Mün­ch/­Komm-InsO, 3. Aufl.2014, Sieg­mann, Anhang zu § 315 Rdnr. 1[]
  3. vgl. Münch/​Komm, a. a. O., § 317 InsO Rdnr. 14[]
  4. vgl. Uhlenbruck/​Pape, 14. Aufl. § 4 a InsO Rdnr. 9[]
  5. BGH, Beschluss vom 16.03.2000 – IX ZB 2/​00[]
  6. BGH a. a. O. Rn. 17[]
  7. so auch LG Kas­sel BeckRS 2014, 13610[]
  8. LG Göt­tin­gen, Beschluss vom 10.10.2000 – 10 T 128/​00, ZIn­sO 2000, 619[]
  9. LG Ful­da, Beschluss vom 13.10.2006 – 3 T 266/​09, BeckRS 2007, 06564[]
  10. LG Ber­lin ZIn­sO 2004, 626[]
  11. LG Neu­rup­pin ZIn­sO 2004, 1090[]
  12. vgl. auch Uhlenbruck/​Lüer, a. a. O., § 315 InsO Rdnrn. 6 und 12; Ham­bur­ger Kom­men­tar zum Insol­venz­recht, 5. Aufl.2015, Rüt­her, § 4 InsO Rdnr. 28 und Böhm, § 317 InsO Rdnr. 8[]