Nota­ri­el­les Nach­lass­ver­zeich­nis – und die Ermitt­lungs­pflicht des Notars

In der Recht­spre­chung ist aner­kannt, dass die Aus­kunfts­pflicht des § 2314 BGB auf die Wei­ter­ga­be von Wis­sen gerich­tet ist, das der Ver­pflich­te­te hat oder sich ver­schaf­fen muss 1.

Nota­ri­el­les Nach­lass­ver­zeich­nis – und die Ermitt­lungs­pflicht des Notars

Das nota­ri­el­le Nach­lass­ver­zeich­nis gemäß § 2314 Abs. 1 Satz 3 BGB soll eine grö­ße­re Gewähr für die Voll­stän­dig­keit und Rich­tig­keit der Aus­kunft bie­ten als ein pri­va­tes Ver­zeich­nis, wel­ches der aus­kunfts­ver­pflich­te­te Erbe erstellt hat. Dazu ist es erfor­der­lich, dass es von der Amts­per­son selbst erstellt wird und die­se nicht ledig­lich die Erläu­te­run­gen des Erben pro­to­kol­liert und beur­kun­det.

Der Notar ist dabei regel­mä­ßig auch zur selb­stän­di­gen Ermitt­lung der auf­zu­neh­men­den Gegen­stän­de und For­de­run­gen berech­tigt und ver­pflich­tet, er muss zudem durch eine Bestä­ti­gung des Bestands­ver­zeich­nis­ses als von ihm auf­ge­nom­men zum Aus­druck brin­gen, für den Inhalt ver­ant­wort­lich zu sein 2.

Ein Ver­zeich­nis, das sich inhalt­lich ledig­lich auf die dem Notar sei­tens des Erben vor­ge­leg­te Auf­lis­tung beschränkt und nicht eine eigen­stän­di­ge Fest­stel­lung des Notars dazu ent­hält, dass wei­te­re Nach­lass­ge­gen­stän­de nicht vor­han­den und wei­te­re Ver­bind­lich­kei­ten nicht fest­zu­stel­len sei­en, erfüllt daher die Anfor­de­run­gen nicht 3.

Hin­sicht­lich etwai­ger Schen­kun­gen hät­te es daher ins­be­son­de­re nahe gele­gen, Ein­sicht in die voll­stän­di­gen Kon­to­aus­zü­ge und sons­ti­gen Bank­un­ter­la­gen für den Zehn-Jah­res-Zeit­raum zu neh­men oder eine Voll­macht des Aus­kunfts­ver­pflich­te­ten zur ent­spre­chen­den Anfra­ge bei der Bank ein­zu­ho­len 4.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 25. April 2016 – 1 BvR 2423/​14

  1. BGH, Urteil vom 09.11.1983 – IVa ZR 151/​82, BGHZ 89, 24, 28[]
  2. stRspr.; vgl. nur Schles­wig-Hol­stei­ni­sches OLG, Urteil vom 25.01.2011 – 3 U 36/​1015 m.w.N.[]
  3. Saar­län­di­sches OLG, Beschluss vom 26.04.2010 – 5 W 81/​10 – u.a. 13f.[]
  4. vgl. OLG Koblenz, Beschluss vom 18.03.2014 – 2 W 495/​13 21 – 28[]