Pflicht­teils­an­spruch bei Erb­ver­zicht des Bru­ders

Wegen der Abfin­dung, die der Erb­las­ser für den Ver­zicht eines Abkömm­lings auf das gesetz­li­che Erbrecht leis­tet, steht einem wei­te­ren Abkömm­ling ein Pflicht­teils­er­gän­zungs­an­spruch im Hin­blick auf die Erhö­hung sei­ner Pflicht­teils­quo­te nach § 2310 Satz 2 BGB grund­sätz­lich nicht zu. Das setzt vor­aus, dass sich die Abfin­dung in dem Zeit­punkt, in dem sie erbracht wird, der Höhe nach im Rah­men der Erber­war­tung des Ver­zich­ten­den hält. Auf den Wert eines vom Ver­zich­ten­den zu bean­spru­chen­den Pflicht­teils kommt es inso­weit nicht an.

Pflicht­teils­an­spruch bei Erb­ver­zicht des Bru­ders

Für die Fra­ge, ob die vom Erb­las­ser gewähr­te Leis­tung über ein Ent­gelt oder eine ange­mes­se­ne Abfin­dung für den Erb­ver­zicht hin­aus­geht, kann sich der Pflicht­teils­be­rech­tig­te auf die in der Recht­spre­chung bei gemisch­ten Schen­kun­gen aner­kann­te Beweis­erleich­te­rung beru­fen. Danach ist eine Schen­kung zu ver­mu­ten, soweit zwi­schen Leis­tung und Gegen­leis­tung ein objek­ti­ves, über ein gerin­ges Maß deut­lich hin­aus­ge­hen­des Miss­ver­hält­nis besteht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. Dezem­ber 2008 – IV ZR 58/​07