Stu­fen­kla­ge – und die Beschwer bei Ver­ur­tei­lung zur Aus­kunft

Wird bei einer Stu­fen­kla­ge eine Ver­ur­tei­lung zur Aus­kunft aus­ge­spro­chen, so ist für die Bemes­sung des Werts des Beschwer­de­ge­gen­stan­des das Inter­es­se des Rechts­mit­tel­füh­rers maß­ge­bend, die Aus­kunft nicht ertei­len zu müs­sen.

Stu­fen­kla­ge – und die Beschwer bei Ver­ur­tei­lung zur Aus­kunft

Abge­se­hen von dem – hier nicht gege­be­nen – Fall eines beson­de­ren Geheim­hal­tungs­in­ter­es­ses kommt es grund­sätz­lich auf den Auf­wand an Zeit und Kos­ten an, den die Ertei­lung der geschul­de­ten Aus­kunft erfor­dert 1.

Soweit das Rechts­mit­tel­in­ter­es­se – wie hier – gemäß den §§ 2, 3 ZPO fest­zu­set­zen ist, kann die Bewer­tung durch das Beru­fungs­ge­richt im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren nur dar­auf über­prüft wer­den, ob das Beru­fungs­ge­richt die gesetz­li­chen Gren­zen des ihm ein­ge­räum­ten Ermes­sens über­schrit­ten oder sein Ermes­sen feh­ler­haft aus­ge­übt hat. Das ist ins­be­son­de­re der Fall, wenn das Beru­fungs­ge­richt maß­geb­li­che Tat­sa­chen ver­fah­rens­feh­ler­haft nicht berück­sich­tigt oder etwa erheb­li­che Tat­sa­chen unter Ver­stoß gegen die Auf­klä­rungs­pflicht nicht fest­ge­stellt hat 2.

Auf die­ser Grund­la­ge begeg­net es für den Bun­des­ge­richts­hof aus Rechts­grün­den kei­nen Beden­ken, wenn das Beru­fungs­ge­richt den Wert der Beschwer des Beklag­ten auf nicht mehr als 600 € fest­ge­setzt hat, weil der für die geschul­de­te Aus­kunft erfor­der­li­che Auf­wand an Zeit und Kos­ten die­sen Betrag nicht über­steigt.

Infol­ge der umfas­sen­den Ver­pflich­tung des Beklag­ten zur Aus­kunft kann sich die­ser auch nicht mit Erfolg auf die Unmög­lich­keit der Aus­kunfts­er­tei­lung beru­fen. Ent­spre­chend ist bei der Bemes­sung der Beschwer hier auch nicht ein mög­li­cher Kos­ten­auf­wand zu berück­sich­ti­gen, der not­wen­dig wäre, um mit anwalt­li­cher Hil­fe gege­be­nen­falls Voll­stre­ckungs­ver­su­che abzu­wen­den 3.

Aller­dings hat das Beru­fungs­ge­richt auf der Grund­la­ge sei­ner vom erst­in­stanz­li­chen Gericht abwei­chen­den Wert­be­mes­sung mit bis zu 600 € die Ent­schei­dung des erst­in­stanz­li­chen Gerichts nach­zu­ho­len, ob die Vor­aus­set­zun­gen für die Zulas­sung der Beru­fung nach § 511 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 ZPO vor­lie­gen. Hat das erst­in­stanz­li­che Gericht nur des­halb nicht über die Zulas­sung der Beru­fung ent­schie­den, weil es rechts­irr­tüm­lich davon aus­ge­gan­gen ist, dass sein Urteil ohne­hin auf­grund einer aus­rei­chen­den Beschwer der unter­le­ge­nen Par­tei mit der Beru­fung anfecht­bar ist, so muss das Beru­fungs­ge­richt die Ent­schei­dung dar­über nach­ho­len, ob die Vor­aus­set­zun­gen für die Zulas­sung der Beru­fung erfüllt sind 4. Denn in die­sem Fall hat­te das erst­in­stanz­li­che Gericht kei­ne Ver­an­las­sung, über die Zulas­sung der Beru­fung gemäß § 511 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 ZPO zu ent­schei­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. März 2017 – IV ZB 18/​16

  1. BGH, Beschluss vom 04.06.2014 – IV ZB 2/​14, ZEV 2014, 424 Rn. 8; BGH, Urteil vom 27.02.2013 – IV ZR 42/​11, ZEV 2013, 332 Rn. 14; BGH, Beschluss vom 09.11.2011 – IV ZB 23/​10, ZEV 2012, 149 Rn. 13[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 27.02.2013 – IV ZR 42/​11, ZEV 2013, 332 Rn. 12[]
  3. vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 04.06.2014 – IV ZB 2/​14, ZEV 2014, 424 Rn. 11; BGH, Beschluss vom 11.05.2016 – XII ZB 12/​16, NJW-RR 2016, 1287 Rn. 16[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 09.11.2011 – IV ZB 23/​10, ZEV 2012, 149 Rn. 15; BGH, Beschlüs­se vom 21.01.2016 – V ZB 66/​15, NJW-RR 2016, 509 Rn. 15; vom 23.03.2011 – XII ZB 436/​10, NJW-RR 2011, 998 Rn. 1416; vom 26.10.2010 – VI ZB 74/​08, VersR 2011, 646 Rn. 12; vom 27.04.2010 – VIII ZB 91/​09, NJW-RR 2010, 1582 Rn. 3[]