Tes­ta­ments­voll­stre­ckung und Tei­lungs­ver­stei­ge­rung

Die Ernen­nung eines Tes­ta­ments­voll­stre­ckers schließt die Anord­nung der Ver­stei­ge­rung eines Grund­stücks zum Zwe­cke der Auf­he­bung der Gemein­schaft an einem der Tes­ta­ments­voll­stre­ckung unter­lie­gen­den Grund­stück, wie der BGH jetzt ent­schie­den hat, auch gegen­über einem Gläu­bi­ger eines Mit­er­ben aus, der des­sen Anteil an dem Nach­lass gepfän­det hat.

Tes­ta­ments­voll­stre­ckung und Tei­lungs­ver­stei­ge­rung

Das Bür­ger­li­che Recht gewährt durch das Rechts­in­sti­tut der Tes­ta­ments­voll­stre­ckung die Mög­lich­keit, den Wil­len des Erb­las­sers über des­sen Tod hin­aus zu wah­ren. Dies kann dadurch gesche­hen, dass der Erb­las­ser dem Tes­ta­ments­voll­stre­cker die Aus­füh­rung sei­ner letzt­wil­li­gen Ver­fü­gun­gen, § 2203 BGB, die Aus­ein­an­der­set­zung unter den Mit­er­ben, § 2204 BGB, oder die Ver­wal­tung des Nach­las­ses über­trägt, § 2209 BGB. In allen Fäl­len hat die Anord­nung der Tes­ta­ments­voll­stre­ckung zur Fol­ge, dass der oder die Erben über die zu dem Nach­lass gehö­ren­den Gegen­stän­de nicht ver­fü­gen kön­nen, bis die Tes­ta­ments­voll­stre­ckung been­det ist oder der Tes­ta­ments­voll­stre­cker die jewei­li­gen Gegen­stän­de frei­ge­ge­ben hat, §§ 2211 Abs. 1, 2217 Abs. 1 BGB.

Die Ver­fü­gungs­be­schrän­kung wird gegen­über den Gläu­bi­gern der Erben dadurch gewahrt, dass sie wegen For­de­run­gen, die kei­ne Nach­lass­for­de­run­gen bil­den, nicht in Nach­lass­be­stand­tei­le voll­stre­cken kön­nen, die der Ver­wal­tung des Tes­ta­ments­voll­stre­ckers unter­lie­gen, § 2214 BGB. Die Beschrän­kung des Voll­ste­ckungs­zu­griffs gilt, solan­ge der Tes­ta­ments­voll­stre­cker den jewei­li­gen Gegen­stand nicht frei­ge­ge­ben hat oder die Tes­ta­ments­voll­stre­ckung ins­ge­samt been­det ist. Der Fra­ge, ob dem Tes­ta­ments­voll­stre­cker die Aus­ein­an­der­set­zung oder die Ver­wal­tung des Nach­las­ses über­tra­gen ist, kommt inso­weit kei­ne Bedeu­tung zu.

Der Antrag eines Mit­er­ben, ein zum Nach­lass gehö­ren­des Grund­stück zum Zwe­cke der Auf­he­bung der Gemein­schaft zu ver­stei­gern, § 180 Abs. 1 ZVG, bedeu­tet zwar kei­ne Ver­fü­gung über das betrof­fe­ne Grund­stück. Er stellt jedoch die ein­zi­ge Rechts­hand­lung dar, die zu dem Ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren erfor­der­lich ist. Wird dem Antrag statt­ge­ge­ben, führt das Ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren ohne wei­te­res Zutun zum Zuschlag an den Meist­bie­ten­den und damit zum Ver­lust des Eigen­tums der Mit­er­ben an dem Grund­stück, zu dem es nach der Bestim­mung des Erb­las­sers wäh­rend der Dau­er der Tes­ta­ments­voll­ste­ckung ohne Mit­wir­kung des Tes­ta­ments­voll­stre­ckers nicht kom­men soll. Das recht­fer­tigt es, den Ver­stei­ge­rungs­an­trag eines Mit­er­ben einer Ver­fü­gung über das betrof­fe­ne Grund­stück gleich­zu­set­zen (vgl. BGH, Beschluss vom 14. Juni 2007, V ZB 102/​06, NJW 2007, 3124, 3126 zu § 1365 BGB), die nach § 2211 BGB unwirk­sam ist. Ist die Aus­ein­an­der­set­zung des Nach­las­ses einem Tes­ta­ments­voll­stre­cker über­tra­gen, fin­det die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung auf Antrag eines Mit­er­ben daher nicht statt 1.

Dies gilt auch gegen­über den Pfän­dungs­gläu­bi­gern an dem Erb­an­teil eines der Mit­er­ben. Das Pfän­dungs­pfand­recht an dem Erb­an­teil des Mit­er­ben gewährt den Pfän­dungs­gläu­bi­gern, so der BGH, kei­nen Anspruch auf Aus­ein­an­der­set­zung des Nach­las­ses durch Ver­stei­ge­rung des Grund­stücks. Aus §§ 2204 Abs. 1, 2044 Abs. 1 Satz 2, 751 Satz 2 BGB folgt nichts Ande­res.

Eine Ver­ein­ba­rung zwi­schen den Mit­glie­dern einer Gemein­schaft, die den Anspruch auf die Aus­ein­an­der­set­zung der Gemein­schaft aus­schließt, hat nach § 751 Satz 2 BGB gegen einen Gläu­bi­ger, der den Anteil eines Mit­glieds der Gemein­schaft zur Voll­stre­ckung aus einem rechts­kräf­ti­gen Titel gepfän­det hat, kei­ne Wir­kung, weil nie­mand sein Ver­mö­gen durch eine Ver­ein­ba­rung der Voll­stre­ckung ent­zie­hen kann. Das­sel­be gilt nach § 731 Satz 2 BGB für die Gesell­schaft des Bür­ger­li­chen Rechts oder eine Ver­ein­ba­rung zwi­schen Mit­er­ben, die Aus­ein­an­der­set­zung des Nach­las­ses zu unter­las­sen 2.

Dem steht das Ver­bot in einer letzt­wil­li­gen Ver­fü­gung gleich, durch das der Erb­las­ser die Aus­ein­an­der­set­zung sei­nes Nach­las­ses oder ein­zel­ner Gegen­stän­de sei­nes Nach­las­ses den Mit­er­ben unter­sagt hat, § 2044 Abs. 1 BGB. Ver­hält es sich so, fin­det der Aus­schluss der Aus­ein­an­der­set­zung zwar nicht in einer Ver­ein­ba­rung der Mit­er­ben sei­ne Grund­la­ge. Das von dem Erb­las­ser bestimm­te Ver­bot wirkt jedoch nur schuld­recht­lich und steht der Wirk­sam­keit einer ein­ver­ständ­li­chen Ver­fü­gung der Mit­er­ben nicht ent­ge­gen. Das recht­fer­tigt es, einem letzt­wil­li­gen Aus­ein­an­der­set­zungs­ver­bot die Wirk­sam­keit gegen­über einem Gläu­bi­ger eines Mit­er­ben, der des­sen Anteil gepfän­det hat, zu ver­sa­gen.

So liegt es jedoch nicht, wenn der Erb­las­ser Tes­ta­ments­voll­stre­ckung ange­ord­net hat. Durch die Anord­nung der Tes­ta­ments­voll­stre­ckung hat der Erb­las­ser den Mit­er­ben die Befug­nis zur Ver­fü­gung über die der Voll­stre­ckung unter­lie­gen­den Bestand­tei­le sei­nes Nach­las­ses ent­zo­gen und so gegen eine Ver­fü­gung der Mit­er­ben gesi­chert, die sei­nem Wil­len wider­spricht. Hier­über kön­nen sich die Mit­er­ben nicht ohne Zustim­mung des Tes­ta­ments­voll­stre­ckers hin­weg­set­zen 3. Ein Anspruch eines Mit­er­ben auf ein sol­ches Han­deln des Tes­ta­ments­voll­stre­ckers kommt nicht in Betracht. Für die Gläu­bi­ger eines Mit­er­ben kann nichts Ande­res gel­ten 4.

Dem ent­spricht es, dass die Pfän­dung des Anteils eines Mit­er­ben an dem Nach­lass den Tes­ta­ments­voll­stre­cker nicht an einer Ver­fü­gung über ein sei­ner Ver­wal­tung unter­lie­gen­des Grund­stück hin­dert 5. Ein etwa ein­ge­tra­ge­ner Pfän­dungs­ver­merk ist nach dem Voll­zug der Ver­fü­gung des Tes­ta­ments­voll­ste­ckers im Grund­buch als gegen­stands­los zu löschen 6.

Die Annah­me der Unzu­läs­sig­keit des Tei­lungs­ver­stei­ge­rungs­an­trags ver­mei­det dar­über hin­aus einen Wer­tungs­wi­der­spruch zu der Rechts­stel­lung eines Allein­er­ben, der durch die Anord­nung der Tes­ta­ments­voll­ste­ckung beschränkt ist. Wegen einer For­de­rung, die kei­ne Nach­lass­ver­bind­lich­keit dar­stellt, ist nach § 2214 BGB wäh­rend der Dau­er der Tes­ta­ments­voll­stre­ckung – und damit mög­li­cher­wei­se auf Jahr­zehn­te, §§ 2210, 2338 Abs. 1 Satz 2 BGB – die Zwangs­voll­stre­ckung in den Nach­lass aus­ge­schlos­sen, um dem Wil­len des Erb­las­sers gegen die Gläu­bi­ger des Erben Gel­tung zu ver­schaf­fen. Dar­an kann sich nicht dadurch etwas ändern, dass der Erb­las­ser nicht nur einen Erben zu sei­nem Nach­fol­ger beru­fen hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Mai 2009 – V ZB 176/​08

  1. Stö­ber, ZVG, 19. Aufl., § 180 Rdn. 9 Anm. 9.3e[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 24. Juni 1968, III ZR 109/​65, WM 1968, 1172, 1173 zu einer sol­chen Ver­ein­ba­rung im All­ge­mei­nen[]
  3. vgl. BGHZ 56, 275, 278 zur Wirk­sam­keit einer gemein­schaft­li­chen Ver­fü­gung der Mit­er­ben bei Zustim­mung des Tes­ta­ments­voll­stre­ckers ent­ge­gen einem Ver­bot des Erb­las­sers[]
  4. KG JR 1952, 323, 324; zur ver­wal­ten­den Tes­ta­ments­voll­ste­ckung KG KGJ 52, 113, 117 f.; Bamberger/​Roth/​Mayer, aaO, § 2214 Rdn. 7; Münch­Komm-BGB/Zim­mer­mann, aaO, § 2214 Rdn. 4; Soergel/​Damrau, BGB, 13. Aufl., § 2214 Rdn. 4; Staudinger/​Reimann, aaO, § 2214 Rdn. 2; Ben­gel in Bengel/​Reimann, Hand­buch der Tes­ta­ments­voll­stre­ckung, 3. Aufl., Kap. 1 Rdn. 223; Schaub, eben­da, Kap. 4 Rdn. 216; Wink­ler, Der Tes­ta­ments­voll­stre­cker nach bür­ger­li­chem, Han­dels- und Steu­er­recht, 19. Aufl., Rdn. 180; Zim­mer­mann, Die Tes­ta­ments­voll­stre­ckung, 3. Aufl., Rdn. 622; Muscheler, Die Haf­tungs­ord­nung der Tes­ta­ments­voll­stre­ckung, S. 112; ders. AcP 1995, 35, 69; a.M. BayO­bLG ZEV 2006, 209, 212; Palandt/​Edenhofer, BGB, 68. Aufl., § 2214 Rdn. 2; Enstha­ler, Rpfle­ger 1988, 94, 95[]
  5. KG DNotZ 1941, 127; JR 1952, 323, 324; BayO­bLG 1982, 459, 462 f.; Soergel/​Damrau, aaO, § 2211 Rdn. 3; Staudinger/​Reimann, aaO, § 2205 Rdn. 80; Stein/​Jonas/​Brehm, ZPO, 22. Aufl., § 859 Rdn. 32; Schaub in Bengel/​Reimann, aaO, Kap. 4 Rdn. 216[]
  6. KG DNotZ 1941, 127[]