Ver­fü­gungs­be­fug­nis des Tes­ta­ments­voll­stre­ckers bei der Ver­wal­tungs­voll­stre­ckung

Der Tes­ta­ments­voll­stre­cker, dem nach § 2209 S.1, Hs. 1 BGB ledig­lich die Ver­wal­tung des Nach­las­ses ohne Zuwei­sung ande­rer Auf­ga­ben über­tra­gen wur­de, ist im Zwei­fel befugt, über die Nach­lass­ge­gen­stän­de zu ver­fü­gen.

Ver­fü­gungs­be­fug­nis des Tes­ta­ments­voll­stre­ckers bei der Ver­wal­tungs­voll­stre­ckung

Nach § 2205 BGB ist der Tes­ta­ments­voll­stre­cker mit der ihm über­tra­ge­nen Ver­wal­tung des Nach­las­ses grund­sätz­lich auch zur Vor­nah­me aller Hand­lun­gen als befugt anzu­se­hen, die den Zwe­cken der Tes­ta­ments­voll­stre­ckung die­nen und die ohne Ein­set­zung des Tes­ta­ments­voll­stre­ckers den Erben zukom­men wür­den. Ins­be­son­de­re ist der Tes­ta­ments­voll­stre­cker nach § 2205 Satz 2 BGB berech­tigt, den Nach­lass in Besitz zu neh­men und über die Nach­lass­ge­gen­stän­de zu ver­fü­gen. Das gilt auch im vor­lie­gen­den Fall, denn ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Grund­buch­am­tes ent­hält die For­mu­lie­rung in dem Tes­ta­ments­voll­streckerzeug­nis, dass "Ver­wal­tungs­voll­stre­ckung gemäß § 2209 S.1, 1. Halb­satz BGB" ange­ord­net ist, kei­ne Beschrän­kung im Hin­blick auf die Befug­nis zur Ver­äu­ße­rung des in Rede ste­hen­den Grund­stücks. Zwar beruht die Ver­wal­tungs­voll­stre­ckung nach § 2209 Satz 1, 1. Halb­satz BGB, bei der dem Tes­ta­ments­voll­stre­cker die blo­ße Ver­wal­tung des Nach­las­ses ohne ande­re Auf­ga­ben zuge­wie­sen ist, for­mal auf einer Beschrän­kung der Tes­ta­ments­voll­stre­cker­be­fug­nis­se. Die­se Beschrän­kung erstreckt sich aber ledig­lich dar­auf, dass dem Tes­ta­ments­voll­stre­cker bei der rei­nen Ver­wal­tungs­voll­stre­ckung die Regel­auf­ga­ben nach §§ 2203 BGB (Aus­füh­rung der letzt­wil­li­gen Ver­fü­gun­gen) und § 2204 BGB (Nach­las­s­aus­ein­an­der­set­zung) nicht auf­ge­tra­gen sind 1. Auch der Tes­ta ments­voll­stre­cker, dem nach § 2209 Satz 1, 1. Halb­satz BGB ledig­lich die Ver­wal­tung des Nach­las­ses ohne Zuwei­sung ande­rer Auf­ga­ben über­tra­gen wur­de, ist des­halb im Zwei­fel befugt, über die Nach­lass­ge­gen­stän­de zu ver­fü­gen 2.

In dem Ein­tra­gungs­ver­fah­ren hat das Grund­buch­amt des­halb im Rah­men der Ver­mu­tung der Rich­tig­keit des Tes­ta­ments­voll­streckerzeug­nis­ses (vgl. § 2368 BGB i.V.m. § 2365 BGB) davon aus­zu­ge­hen, dass dort nicht genann­te Beschrän­kun­gen der Ver­fü­gungs­be­fug­nis des Tes­ta­ments­voll­stre­ckers nicht bestehen. Für den vor­lie­gen­den Fall bedeu­tet das, dass die Tes­ta­ments­voll­stre­cke­rin nicht in der Ver­fü­gung über Nach­lass­ge­gen­stän­de, hier des in Rede ste­hen­den Grund­stücks, beschränkt ist. Zwar ist die Ver­mu­tung der Rich­tig­keit des Tes­ta­ments­voll­streckerzeug­nis­ses wider­legt, wenn dem Grund­buch­amt bekannt ist, dass eine im Tes­ta­ments­voll­streckerzeug­nis nicht dar­ge­stell­te Beschrän­kung besteht 3. Sol­che Tat­sa­chen sind hier aber nicht ersicht­lich. Im Gegen­teil ergibt sich aus dem nota­ri­el­len Tes­ta­ment der Erb­las­se­rin aus­drück­lich, dass der Tes­ta­ments­voll­stre­cker auch zu Ver­fü­gun­gen über Grund­be­sitz berech­tigt sein soll­te.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men, Beschluss vom 24. Janu­ar 2013 – 3 W 26/​12

  1. vgl. Münch­Komm-BGB/Zim­mer­mann, BGB, 5. Aufl., § 2209 Rn. 1; Jauernig/​Stürner, BGB, 14. Aufl., § 2209 Rn. 1, 5[]
  2. OLG Düs­sel­dorf, NJW 1952, 1259, 160; Staudinger/​Reimann, BGB, Bear­bei­tung 2012, § 2209 Rn. 15, jeweils m.w.N.[]
  3. Schönder/​Stöber, Grund­buch­recht, 15. Aufl., Rn 3464[]