DDR-Ver­mö­gens­rech­te nicht auf­find­ba­rer Mit­er­ben

Die Abfüh­rung von in der ehe­ma­li­gen DDR bele­ge­nen Ver­mö­gens­rech­ten nicht auf­find­ba­rer Mit­er­ben an den Ent­schä­di­gungs­fonds ist nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ver­fas­sungs­kon­form.

DDR-Ver­mö­gens­rech­te nicht auf­find­ba­rer Mit­er­ben

Der Ent­schä­di­gungs­fonds[↑]

In der DDR stan­den zahl­rei­che Ver­mö­gens­wer­te – vor allem Grund­stü­cke -, die nicht ent­eig­net wor­den waren, unter staat­li­cher Zwangs­ver­wal­tung, die den Betrof­fe­nen bei for­ma­lem Fort­be­stand sei­nes Eigen­tums­rechts in sei­nen Nut­zungs- und Ver­fü­gungs­be­fug­nis­sen über den ihm gehö­ren­den Ver­mö­gens­wert beschränk­te und damit in ihren wirt­schaft­li­chen Wir­kun­gen weit­ge­hend einer Ent­eig­nung gleich­zu­set­zen war. Mit dem durch die Novel­le des Ver­mö­gens­ge­set­zes vom 14. Juli 1992 neu ein­ge­füg­ten § 11a VermG wur­de die Auf­he­bung der staat­li­chen Ver­wal­tung aller betrof­fe­nen Ver­mö­gens­wer­te unmit­tel­bar kraft Geset­zes zum 31. Dezem­ber 1992 ange­ord­net. Danach waren aller­dings vie­le der ehe­mals staat­lich ver­wal­te­ten Grund­stü­cke „fak­tisch her­ren­los“, weil der jewei­li­ge Eigen­tü­mer oder des­sen Auf­ent­halt immer noch nicht bekannt war. Nach dem am 1. Dezem­ber 1994 in Kraft getre­te­nen Ent­schä­di­gungs­ge­setz sind sol­che fak­tisch her­ren­lo­sen Ver­mö­gens­wer­te, deren Eigen­tü­mer nicht ermit­tel­bar ist und sich auch nach Durch­füh­rung eines Auf­ge­bots­ver­fah­rens nicht mel­det, an den Ent­schä­di­gungs­fonds abzu­füh­ren, der durch das Bun­des­amt für zen­tra­le Diens­te und offe­ne Ver­mö­gens­fra­gen ver­wal­tet wird. Aus dem Ent­schä­di­gungs­fonds wer­den u.a. Ent­schä­di­gun­gen nach dem Ent­schä­di­gungs­ge­setz und dem NS-Ver­folg­ten­ent­schä­di­gungs­ge­setz sowie Aus­gleichs­leis­tun­gen für nicht mehr rück­gän­gig zu machen­de Ent­eig­nun­gen erbracht. Durch das Ände­rungs­ge­setz vom 10. Dezem­ber 2003 wur­de in § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 Satz 2 Ent­schG schließ­lich bestimmt, dass auch sol­che Ver­mö­gens­rech­te der Abfüh­rung an den Ent­schä­di­gungs­fonds unter­lie­gen, die nicht bekann­ten oder nicht auf­find­ba­ren Mit­ei­gen­tü­mern oder Mit­er­ben zuste­hen. In Fol­ge des­sen wird der Ent­schä­di­gungs­fonds Mit­glied der Eigen­tü­mer- bzw. Erben­ge­mein­schaft in Bezug auf den ehe­mals staat­lich ver­wal­te­ten Ver­mö­gens­wert. Ansprü­che auf eine Rück­erstat­tung des an den Ent­schä­di­gungs­fonds über­ge­führ­ten Mit­ei­gen­tums- oder Mit­er­ben­an­teils für den Fall, dass sich der aus­ge­schlos­se­ne Rechts­in­ha­ber oder sei­ne Rechts­nach­fol­ger spä­ter noch mel­den soll­ten, kennt das gel­ten­de Recht nicht.

Die Rich­ter­vor­la­ge des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts[↑]

Die Klä­ge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens, für die ein Abwe­sen­heits­pfle­ger klagt, ist zu einem Drit­tel Mit­er­bin nach ihrem Vater, der Eigen­tü­mer eines Grund­stücks in Bran­den­burg war. Ihre bei­den Schwes­tern haben ihre Erb­an­sprü­che recht­zei­tig gel­tend gemacht. Nach­dem der Auf­ent­halts­ort der bereits 1965 nach Groß­bri­tan­ni­en ver­zo­ge­nen Klä­ge­rin trotz inten­si­ver Recher­chen nicht ermit­telt wer­den konn­te, schloss das Bun­des­amt zur Rege­lung offe­ner Ver­mö­gens­fra­gen die Klä­ge­rin von ihrem Mit­er­ben­an­teil an dem Grund­stück aus und stell­te fest, dass die­ser auf die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land – Ent­schä­di­gungs­fonds – über­ge­he. Die vom Abwe­sen­heits­pfle­ger dage­gen erho­be­ne Kla­ge führ­te zur Rich­ter­vor­la­ge des § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 Satz 2 Ent­schG durch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, das die Vor­schrift für unver­ein­bar mit Art. 14 Abs. 1 GG hält, soweit sie die Rech­te von unauf­find­ba­ren Mit­er­ben betrifft [1].

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts[↑]

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat nun jedoch – gegen die Ansicht des vor­le­gen­den Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts – ent­schie­den, dass § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 Satz 2 Ent­schG mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar ist, soweit danach ein nicht auf­find­ba­rer Mit­er­be von sei­nen Rech­ten hin­sicht­lich ehe­mals staat­lich ver­wal­te­ter Ver­mö­gens­wer­te auch dann aus­ge­schlos­sen wer­den kann, wenn zumin­dest ein wei­te­rer Mit­er­be bekannt und auf­ge­fun­den ist.

Kei­ne Ver­let­zung des Eigen­tums­rechts des unauf­find­ba­ren Erben[↑]

Die Rege­lung des § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 Satz 2 Ent­schG ist mit dem Grund­recht des aus­ge­schlos­se­nen Mit­er­ben auf Eigen­tum ver­ein­bar (Art. 14 Abs. 1 GG). Als Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung des Eigen­tums trägt sie dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit noch hin­rei­chend Rech­nung und ist gleich­heits­ge­recht aus­ge­stal­tet.

Einer Prü­fung am Maß­stab des Art. 14 GG steht nicht ent­ge­gen, dass das Eigen­tums­grund­recht nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts als Prü­fungs­maß­stab nicht in Betracht kommt, soweit es dar­um geht, eine Pflicht des Gesetz­ge­bers zur Wie­der­gut­ma­chung von Unrecht einer nicht grund­ge­setz­ge­bun­de­nen Staats­ge­walt her­zu­lei­ten und deren Art, Umfang und Aus­ge­stal­tung zu bestim­men, und zwar auch für die Wie­der­gut­ma­chung von Ver­mö­gens­schä­den rechts­staats­wid­rig ent­zo­ge­ner Ver­mö­gens­wer­te [2]. Bei den hier in Rede ste­hen­den Fall­ge­stal­tun­gen geht es nicht dar­um, ob und wie für ehe­mals in der DDR staat­lich ver­wal­te­te Ver­mö­gens­wer­te Wie­der­gut­ma­chung gewährt wird. Die­se Fra­ge hat der Gesetz­ge­ber bereits durch die Auf­he­bung der staat­li­chen Ver­wal­tung beant­wor­tet. Über­dies ver­deut­li­chen die ein­schlä­gi­gen Rege­lun­gen des Ver­mö­gens­ge­set­zes (vgl. § 1 Abs 4, § 11 Abs. 1 Satz 2 und § 15 Abs. 2 Satz 1 VermG), die seit des­sen Inkraft­tre­ten in Bezug auf den staat­lich ver­wal­te­ten Ver­mö­gens­wert aus­drück­lich von „Eigen­tum“ und von sei­nem „Eigen­tü­mer“ spre­chen, dass der gesamt­deut­sche Gesetz­ge­ber in Umset­zung der Num­mer 2 der Gemein­sa­men Erklä­rung der bei­den deut­schen Regie­run­gen zur Rege­lung offe­ner Ver­mö­gens­fra­gen vom 15. Juni 1990 [3] auch das wei­ter­hin staat­lich ver­wal­te­te Eigen­tum als Eigen­tums­po­si­ti­on aner­kannt hat. Das staat­lich ver­wal­te­te Eigen­tum stand damit vom 3. Okto­ber 1990 an unter dem Schutz des Art. 14 GG [4].

§ 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 Satz 2 Ent­schG berührt den Schutz­be­reich des Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG.

Zu den schutz­fä­hi­gen Rechts­po­si­tio­nen im Sin­ne des Art. 14 GG gehö­ren alle ver­mö­gens­wer­ten Rech­te, die das bür­ger­li­che Recht einem pri­va­ten Rechts­trä­ger als Eigen­tum der­ge­stalt zuord­net, dass er die damit ver­bun­de­nen Befug­nis­se nach eigen­ver­ant­wort­li­cher Ent­schei­dung zu sei­nem pri­va­ten Nut­zen aus­üben darf [5]. Dies umfasst auch die Rechts­stel­lung als Mit­glied einer Gesamt­hands­ge­mein­schaft, ins­be­son­de­re einer unge­teil­ten Erben­ge­mein­schaft [6]. Grund­recht­li­chen Schutz genießt auch eine auf der Grund­la­ge frü­he­ren DDR-Rechts erwor­be­ne Mit­er­ben­stel­lung, weil die­se durch Art. 235 § 1 Abs. 1 EGBGB als gesamt­deut­sche Rechts­po­si­ti­on aner­kannt wor­den ist [4].

Die­se geschütz­te Rechts­po­si­ti­on wird dem unauf­find­ba­ren Mit­er­ben und hier der Klä­ge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens auf der Grund­la­ge des § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 Satz 2 Ent­schG jeden­falls teil­wei­se ent­zo­gen. Sie ver­liert infol­ge der Ein­be­zie­hung ihres Mit­er­ben­an­teils in das in § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 Ent­schG in Ver­bin­dung mit § 15 GBBerG für fak­tisch her­ren­lo­se Ver­mö­gens­wer­te vor­ge­se­he­ne Auf­ge­bots­ver­fah­ren und den Aus­schluss­be­scheid nach der Rechts­auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zwar nicht ihre Mit­er­ben­stel­lung ins­ge­samt, jedoch – abwei­chend von den all­ge­mei­nen erbrecht­li­chen Regeln – ihre gesamt­hän­de­risch gebun­de­ne Berech­ti­gung an dem in Rede ste­hen­den Ver­mö­gens­wert, der zuvor unter staat­li­cher Ver­wal­tung stand.

Bei die­ser Rege­lung han­delt es sich um eine Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung des Eigen­tums nach Art. 14 Abs. 1 und 2 GG und nicht um eine Ent­eig­nung im Sin­ne des Art. 14 Abs. 3 GG.

Mit der Ent­eig­nung greift der Staat auf das Eigen­tum des Ein­zel­nen zu. Die­se ist beschränkt auf sol­che Fäl­le, in denen Güter hoheit­lich beschafft wer­den, mit denen ein kon­kre­tes, der Erfül­lung öffent­li­cher Auf­ga­ben die­nen­des Vor­ha­ben durch­ge­führt wer­den soll [7]. Die gesetz­li­chen Rege­lun­gen über das Auf­ge­bots­ver­fah­ren und die anschlie­ßen­de Abfüh­rung an den Ent­schä­di­gungs­fonds ent­hal­ten indes­sen kei­ne Ermäch­ti­gung der Exe­ku­ti­ve, ein bestimm­tes Eigen­tums­ob­jekt zur Erfül­lung öffent­li­cher Auf­ga­ben ganz oder teil­wei­se zu ent­zie­hen. Sie zie­len hier­auf schon des­halb nicht ab, weil das Auf­ge­bots­ver­fah­ren auf die Ermitt­lung des Berech­tig­ten gerich­tet und sein Ergeb­nis offen ist, also dem Ent­schä­di­gungs­fonds ein bestimm­ter Ver­mö­gens­wert nicht ver­läss­lich zufließt.

Der Gesetz­ge­ber, der Inhalt und Schran­ken der als Eigen­tum grund­recht­lich geschütz­ten Rechts­po­si­tio­nen bestimmt, hat dabei sowohl der grund­ge­setz­li­chen Aner­ken­nung des Pri­vat­ei­gen­tums durch Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG als auch der Sozi­al­pflich­tig­keit des Eigen­tums (Art. 14 Abs. 2 GG) Rech­nung zu tra­gen. Das Wohl der All­ge­mein­heit, an dem sich der Gesetz­ge­ber bei der Bestim­mung von Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums zu ori­en­tie­ren hat, ist nicht nur Grund, son­dern auch Gren­ze für die Beschrän­kung des Eigen­tü­mers [8]. Der Gesetz­ge­ber hat die schutz­wür­di­gen Inter­es­sen des Eigen­tü­mers und die Belan­ge des Gemein­wohls in einen gerech­ten Aus­gleich und in ein aus­ge­wo­ge­nes Ver­hält­nis zu brin­gen [9] und sich dabei im Ein­klang mit allen ande­ren Ver­fas­sungs­nor­men zu hal­ten. Ins­be­son­de­re muss jede Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit beach­ten [10]. Die Gren­zen der Gestal­tungs­be­fug­nis des Gesetz­ge­bers sind indes­sen nicht für alle Sach­be­rei­che gleich. Die Reich­wei­te des Schut­zes der Eigen­tums­ga­ran­tie bemisst sich zum einen danach, wel­che Befug­nis­se einem Eigen­tü­mer zum Zeit­punkt der gesetz­ge­be­ri­schen Maß­nah­me kon­kret zuste­hen. Soweit das Eigen­tum die per­sön­li­che Frei­heit des Ein­zel­nen im ver­mö­gens­recht­li­chen Bereich sichert, genießt es einen beson­ders aus­ge­präg­ten Schutz. Zum ande­ren ist die Befug­nis des Gesetz­ge­bers zur Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung umso wei­ter, je mehr das Eigen­tums­ob­jekt in einem sozia­len Bezug und in einer sozia­len Funk­ti­on steht [11]. Der Gestal­tungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers wird dar­über hin­aus ins­be­son­de­re durch die wirt­schaft­li­chen und gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se geprägt, in denen Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums bestimmt wer­den [12]. Dar­über hin­aus ist er an den Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG als all­ge­mei­nes rechts­staat­li­ches Prin­zip auch bei der inhalt­li­chen Fest­le­gung von Eigen­tü­mer­be­fug­nis­sen und ‑pflich­ten gebun­den [13].

§ 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 Satz 2 Ent­schG genügt die­sen Anfor­de­run­gen, die bei der Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung nach Art. 14 Abs. 1 GG an einen gerech­ten Inter­es­sen­aus­gleich zu stel­len sind.

Die Vor­schrift dient einem legi­ti­men Rege­lungs­ziel, das im öffent­li­chen Inter­es­se liegt. Sie ist wie die Rege­lung des § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 Ent­schG ins­ge­samt auf eine Berei­ni­gung der Eigen­tums­ver­hält­nis­se bei unbe­kann­ten Berech­tig­ten oder Berech­tig­ten unbe­kann­ten Auf­ent­halts und damit auf die Besei­ti­gung einer fak­ti­schen Her­ren­lo­sig­keit ehe­dem im Bei­tritts­ge­biet staat­lich ver­wal­te­ter Ver­mö­gens­wer­te gerich­tet [14]. Inso­fern stellt sie sich als Teil der Rege­lun­gen dar, mit denen die sozia­lis­ti­sche Rechts- und Eigen­tums­ord­nung der DDR in das Rechts- und Wirt­schafts­sys­tem der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land über­führt wur­de, wobei auch die Fol­gen der Nach­kriegs­wir­ren und der mehr als vier­zig­jäh­ri­gen Tei­lung Deutsch­lands für die Rechts­wirk­lich­keit gera­de in Bezug auf Grund und Boden bewäl­tigt wer­den muss­ten. Mit ihrem Ziel, end­gül­ti­ge Eigen­tums­ver­hält­nis­se zu schaf­fen und auf die­se Wei­se die Ver­kehrsfä­hig­keit von Grund­stü­cken zu ver­bes­sern, dient sie einer geord­ne­ten Rechts- und Wirt­schafts­ent­wick­lung in den neu­en Län­dern [15]. Sol­che auf die För­de­rung der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung im Bei­tritts­ge­biet abzie­len­den Rege­lun­gen kön­nen grund­sätz­lich mit Blick auf Art. 14 Abs. 1 GG ein legi­ti­mes Gemein­wohl­ziel dar­stel­len [16].

§ 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 Satz 2 Ent­schG ist geeig­net und erfor­der­lich, den Geset­zes­zweck zu erfül­len. Hin­sicht­lich der objek­ti­ven Zweck­taug­lich­keit ist die Prü­fung durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dar­auf beschränkt, ob das ein­ge­setz­te Mit­tel schlecht­hin oder objek­tiv untaug­lich ist [17]. Dem Gesetz­ge­ber steht zudem in dem hier zu regeln­den Kon­text der För­de­rung der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung in den neu­en Län­dern ein Beur­tei­lungs- und Pro­gno­se­spiel­raum in Bezug auf die Bewer­tung und Aus­wahl der zu erwä­gen­den Maß­nah­men und ihre Wir­kung zu [18]. Nach die­sen Maß­stä­ben kann die Unge­eig­net­heit der hier in Rede ste­hen­den Maß­nah­me nicht fest­ge­stellt wer­den. Zwar dürf­te der Hin­weis des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zutref­fen, bei der hier vor­lie­gen­den Fall­ge­stal­tung sei fak­tisch her­ren­los allen­falls der jewei­li­ge Anteil des unauf­find­ba­ren Mit­er­ben an der Erben­ge­mein­schaft, nicht hin­ge­gen der jewei­li­ge Nach­lass­ge­gen­stand selbst, auf die sich die Gesamt­hand­s­be­rech­ti­gung der Mit­er­ben bezieht. Der Gesetz­ge­ber durf­te jedoch bei typi­sie­ren­der Betrach­tungs­wei­se davon aus­ge­hen, dass gera­de die Unauf­find­bar­keit eines Mit­er­ben dazu führt, dass eine Erben­ge­mein­schaft – jeden­falls solan­ge kein Pfle­ger bestellt ist – nur Maß­nah­men zur ord­nungs­ge­mä­ßen Ver­wal­tung (vgl. § 2038 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. § 745 BGB) oder sol­che der Not­ge­schäfts­füh­rung (vgl. § 2038 Abs. 1 Satz 2 Halb­satz 2 BGB) ergrei­fen kann und damit etwa auf­wen­di­ge Sanie­rungs­ar­bei­ten an Gebäu­den, die zu Zei­ten der DDR ver­fal­len sind, eben­so unter­blei­ben wie ein Ver­kauf des ererb­ten Grund­stücks. Zumin­dest erscheint es nach­voll­zieh­bar, dass sich sol­che Schwie­rig­kei­ten bei der­ar­ti­gen Erben­ge­mein­schaf­ten eher erge­ben kön­nen als sonst. Sol­che Hemm­nis­se kön­nen dadurch bewäl­tigt wer­den, dass der in Rede ste­hen­de Erb­an­teil an dem Nach­lass­ge­gen­stand an den Ent­schä­di­gungs­fonds über­führt wird, der regel­mä­ßig die Tei­lung der Erben­ge­mein­schaft und damit die Ver­äu­ße­rung des Ver­mö­gens­werts betrei­ben wird.

Die Erfor­der­lich­keit einer gesetz­li­chen Rege­lung kann grund­sätz­lich nur dann von Ver­fas­sungs wegen ver­neint wer­den, wenn von dem als Alter­na­ti­ve in Betracht gezo­ge­nen Ein­griff von gerin­ge­rer Inten­si­tät in jeder Hin­sicht und ein­deu­tig fest­steht, dass er den ange­streb­ten Zweck sach­lich gleich­wer­tig erreicht [19]. An die­ser Erfor­der­lich­keit fehlt es der Ent­zie­hung der Rechts­stel­lung des unauf­find­ba­ren Mit­er­ben zur Errei­chung des Geset­zes­zwecks nicht. Bei typi­sie­ren­der Betrach­tung durf­te der Gesetz­ge­ber der Ein­schät­zung fol­gen, dass eine Bele­bung des Grund­stücks­ver­kehrs und der Wirt­schafts­ent­wick­lung mit­tels einer durch den Ent­schä­di­gungs­fonds initi­ier­ten Aus­ein­an­der­set­zung einer nicht unein­ge­schränkt hand­lungs­fä­hi­gen Erben­ge­mein­schaft schnel­ler erreicht wer­den kön­ne als durch eine Lösung, bei der die Hand­lungs­fä­hig­keit der Erben­ge­mein­schaft ledig­lich punk­tu­ell für bestimm­te Maß­nah­men durch Bestel­lung eines Ver­tre­ters oder Pfle­gers her­stell­bar ist. Ein mil­de­res Mit­tel liegt auch nicht dar­in, den Erb­teil des aus­ge­schlos­se­nen Mit­er­ben durch Anwach­sung den übri­gen Erben zufal­len zu las­sen, denn auch in die­sem Fall ver­liert der Mit­er­be sei­ne Rechts­stel­lung.

§ 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 Satz 2 Ent­schG führt für den aus­ge­schlos­se­nen unauf­find­ba­ren Mit­er­ben auch nicht zu einer unver­hält­nis­mä­ßi­gen und unzu­mut­ba­ren Belas­tung.

Für die Prü­fung der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit im enge­ren Sin­ne sind zunächst die Inten­si­tät sowie die Schwe­re und Trag­wei­te der Eigen­tums­be­ein­träch­ti­gung von Bedeu­tung. Die­se wer­den in hohem Maße davon mit­be­stimmt, ob ein Ein­griff in die eigen­tums­recht­li­chen Zuord­nungs­ver­hält­nis­se und die Sub­stanz des Eigen­tums vor­liegt. Der voll­stän­di­ge Ent­zug der geschütz­ten Rechts­po­si­ti­on des betrof­fe­nen Mit­er­ben – der Anteil am Gesamt­hand­s­ei­gen­tum – stellt einen gra­vie­ren­den Ein­griff dar. Die­ser unter­liegt einer beson­ders stren­gen Prü­fung, da die Bestands­ga­ran­tie des Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG grund­sätz­lich die Erhal­tung des Zuord­nungs­ver­hält­nis­ses und der Sub­stanz ver­langt [20]. Gleich­wohl kann auch die völ­li­ge Besei­ti­gung bis­her bestehen­der, durch die Eigen­tums­ga­ran­tie geschütz­ter Rechts­po­si­tio­nen zuläs­sig sein [21].

Die Grün­de des öffent­li­chen Inter­es­ses, die für einen sol­chen Ein­griff spre­chen, müs­sen so schwer­wie­gend sein, dass sie Vor­rang haben vor dem Ver­trau­en des Bür­gers auf den Fort­be­stand sei­nes Rechts, das durch die Bestands­ga­ran­tie des Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG gesi­chert wird. Auch das Aus­maß des zuläs­si­gen Ein­griffs hängt vom Gewicht des dahin­ter­ste­hen­den öffent­li­chen Inter­es­ses ab. Selbst wenn Art. 14 Abs. 3 GG als Rege­lung der Ent­eig­nung nicht unmit­tel­bar ein­greift, ist das dar­in zum Aus­druck kom­men­de Gewicht des Eigen­tums­schut­zes bei der vor­zu­neh­men­den Abwä­gung zu beach­ten, da sich der Ein­griff für den Betrof­fe­nen wie eine Teil- oder Voll­ent­eig­nung aus­wirkt. Die völ­li­ge, über­gangs- und ersatz­lo­se Besei­ti­gung einer Rechts­po­si­ti­on kann daher nur unter beson­de­ren Vor­aus­set­zun­gen in Betracht kom­men [22].

Die Ein­griffs­in­ten­si­tät wird hier nicht unmit­tel­bar durch einen finan­zi­el­len Aus­gleichs­an­spruch oder durch einen ander­wei­ti­gen kom­pen­sie­ren­den Aus­gleich abge­mil­dert [23]. Das Bun­des­amt hat zwar in sei­ner Stel­lung­nah­me erklärt, auch einem Berech­tig­ten, der sich nach Bestands­kraft des Aus­schluss­be­schei­des mel­de, kön­ne der Ver­mö­gens­wert zurück­ge­ge­ben oder ein etwai­ger Erlös aus­ge­zahlt wer­den. Es fehlt aber schon an einem gesetz­lich gere­gel­ten Rechts­an­spruch die­ses Inhalts, nach­dem das Gesamt­hand­s­ei­gen­tum inso­weit auf den Ent­schä­di­gungs­fonds über­ge­gan­gen ist [24].

Gleich­wohl hat der Gesetz­ge­ber die Gren­zen sei­nes Gestal­tungs­spiel­raums nicht über­schrit­ten. Dem Gesetz­ge­ber kommt bei der Bestim­mung von Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums ein erwei­ter­ter Ein­schät­zungs- und Gestal­tungs­spiel­raum zu, soweit er die Über­füh­rung der Rechts- und Eigen­tums­ord­nung der DDR in das Rechts- und Wirt­schafts­sys­tem der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land regelt [25]. Hier­bei ist ins­be­son­de­re zu berück­sich­ti­gen, dass § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 Satz 2 Ent­schG Ver­mö­gens­wer­te betrifft, die seit gerau­mer Zeit vom Berech­tig­ten, der trotz Aus­schöp­fung aller zumut­ba­ren Ermitt­lungs­mög­lich­kei­ten unauf­find­bar geblie­ben ist, nicht in Anspruch genom­men wor­den sind, obwohl hier­zu grund­sätz­lich die Mög­lich­keit bestan­den hat. Der Rechts­ord­nung ist seit jeher der Gedan­ke nicht fremd, dass über eine lan­ge Zeit tat­säch­lich nicht bean­spruch­te Rech­te infol­ge des Zeit­ab­laufs ver­lo­ren gehen kön­nen, weil dann Rechts­frie­den und Rechts­si­cher­heit höhe­res Gewicht bei­zu­mes­sen ist als dem Eigen­tum. Der Gesetz­ge­ber hat die­sen Weg im Zusam­men­hang mit der Über­füh­rung der Rechts­ord­nung der DDR in die der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der damit ver­bun­de­nen Berei­ni­gung der tat­säch­li­chen Fol­gen der Nach­kriegs­wir­ren und der Tei­lung Deutsch­lands für die Eigen­tums­ver­hält­nis­se in den neu­en Län­dern schon ver­schie­dent­lich beschrit­ten (vgl. etwa § 6 GBBerG). Es war ihm nicht ver­wehrt, Kon­se­quen­zen selbst dann zu zie­hen, wenn für den unauf­find­ba­ren Inha­ber eines ehe­mals staat­lich ver­wal­te­ten Ver­mö­gens­wer­tes ein Pfle­ger oder ein sons­ti­ger gesetz­li­cher Ver­tre­ter bestellt ist. Mit Blick auf die beson­de­re Situa­ti­on nach der Wie­der­her­stel­lung der Ein­heit Deutsch­lands durf­te der Gesetz­ge­ber in der Bele­bung des Grund­stücks­ver­kehrs und der Wirt­schafts­ent­wick­lung eine hin­rei­chen­de Recht­fer­ti­gung für den Ent­zug der hier in Rede ste­hen­den gesamt­hän­de­risch gebun­de­nen Berech­ti­gung eines unauf­find­ba­ren Mit­er­ben vor allem des­halb sehen, weil die­ser über einen lan­gen Zeit­raum hin­weg – bis zum Inkraft­tre­ten der Rege­lung 13 Jah­re lang – Gele­gen­heit hat­te, sich um sein Erbe zu bemü­hen. Hin­zu kommt, dass die Ein­lei­tung eines Auf­ge­bots­ver­fah­rens nach § 15 Abs. 2 Satz 1 und 2 GBBerG erst zuläs­sig ist, nach­dem das Bun­des­amt sei­ner Pflicht zur Ermitt­lung des Eigen­tü­mers oder Berech­tig­ten von Amts wegen mit den zu Gebo­te ste­hen­den Mit­teln genügt hat. Auch wenn ein­zu­räu­men ist, dass die Beein­träch­ti­gung des Grund­stücks­ver­kehrs und der Wirt­schafts­ent­wick­lung im Fall der bloß fak­ti­schen Her­ren­lo­sig­keit eines Mit­er­ben­an­teils weni­ger schwer wiegt, als wenn ein Ver­mö­gens­wert ins­ge­samt fak­tisch her­ren­los ist, ist der Ent­zug der Mit­er­ben­stel­lung in Anse­hung der ver­stri­che­nen Zeit und der trotz Ermitt­lun­gen und Auf­ge­bot fort­be­stehen­den Unauf­find­bar­keit des Berech­tig­ten gerecht­fer­tigt, weil damit das öffent­li­che Inter­es­se in der beson­de­ren Situa­ti­on nach der Wie­der­her­stel­lung der Ein­heit Deutsch­lands über­wiegt.

Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Umstän­de ist es auch nicht zu bean­stan­den, dass der Ent­zug der durch Art. 14 GG geschütz­ten Rechts­stel­lung kom­pen­sa­ti­ons­los erfolgt. Dabei ist in Rech­nung zu stel­len, dass der an den Ent­schä­di­gungs­fonds abge­führ­te Wert nicht all­ge­mei­nen fis­ka­li­schen Zwe­cken dient, son­dern ande­ren Per­so­nen zugu­te kommt, die mit dem ursprüng­li­chen Rechts­in­ha­ber als Opfer wie­der­gut­zu­ma­chen­der Ver­mö­gens­schä­di­gun­gen im wei­tes­ten Sin­ne in einer Art Schick­sals­ge­mein­schaft ver­bun­den sind [26].

Kein Ver­stoß gegen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz[↑]

Die in § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 Satz 2 Ent­schG ent­hal­te­ne Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung ist zudem gleich­heits­ge­recht aus­ge­stal­tet (Art. 3 Abs. 1 GG).

Aller­dings bewirkt die Vor­schrift eine Ungleich­be­hand­lung von zwei Grup­pen unauf­find­ba­rer Mit­er­ben, die nach der Wie­der­her­stel­lung der Ein­heit Deutsch­lands die unein­ge­schränk­te Mit­be­rech­ti­gung an im Bei­tritts­ge­biet bele­ge­nen Ver­mö­gens­wer­ten im Wege der Wie­der­gut­ma­chung zurü­ck­erlangt haben und mit­ein­an­der ver­gli­chen wer­den kön­nen, weil sie dem­sel­ben recht­li­chen Ord­nungs­be­reich ange­hö­ren [27]. Unter­schied­lich behan­delt wer­den einer­seits unauf­find­ba­re Mit­er­ben, bei denen die Wie­der­gut­ma­chung die Unter­stel­lung unter die staat­li­che Ver­wal­tung betrifft und die des­halb unter die hier in Rede ste­hen­de Vor­schrift fal­len, und ande­rer­seits sol­che Mit­er­ben, in deren Fall die Wie­der­gut­ma­chung durch die Rück­über­tra­gung (Resti­tu­ti­on) eines Ver­mö­gens­wer­tes nach den §§ 3 ff. VermG erfolgt. Zwar ist wegen der Antrags­ge­bun­den­heit der Resti­tu­ti­on (§ 30 VermG) die Ent­ste­hung fak­tisch her­ren­lo­ser Ver­mö­gens­wer­te auf die­sem Wege im All­ge­mei­nen nicht mög­lich. Gleich­wohl kön­nen auch Erben­ge­mein­schaf­ten mit unauf­find­ba­ren Mit­er­ben zur gesam­ten Hand die Berech­ti­gung an einem resti­tu­ier­ten Ver­mö­gens­wert erlan­gen, so dass auf die­sem Wege fak­tisch her­ren­lo­se Mit­er­ben­an­tei­le ent­ste­hen kön­nen [28]. Die­se unter­lie­gen jedoch anders als im Fall der Wie­der­gut­ma­chung durch Auf­he­bung der staat­li­chen Ver­wal­tung kei­nem der Rege­lung des § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 Satz 2 Ent­schG ent­spre­chen­den Auf­ge­bots­ver­fah­ren.

Die­se Ver­schie­den­be­hand­lung ist aber sach­lich gerecht­fer­tigt.

Der Gesetz­ge­ber hat einen beson­ders wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum bei der Wie­der­errich­tung einer funk­tio­nie­ren­den Eigen­tums­ord­nung, soweit die­se zugleich in einem funk­tio­na­len Zusam­men­hang mit der gesetz­li­chen Rege­lung der Wie­der­gut­ma­chung von Unrecht steht, das – wie das unter der Hoheit der DDR erlit­te­ne – eine dem Grund­ge­setz nicht ver­pflich­te­te Staats­ge­walt zu ver­ant­wor­ten hat. Ein sol­cher funk­tio­na­ler Zusam­men­hang ist vor­lie­gend gege­ben, weil die in § 10 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 VermG vor­ge­se­he­ne Neu­zu­ord­nung des Eigen­tums ins­ge­samt ersicht­lich auch dar­auf abzielt, im Nach­hin­ein vom Gesetz­ge­ber nicht gewoll­te, aber zunächst hin­ge­nom­me­ne Fol­gen der Durch­füh­rung der Wie­der­gut­ma­chung im Fall der staat­li­chen Ver­wal­tung wie­der zu besei­ti­gen. Der Gesetz­ge­ber ist zwar auch inso­weit an den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG gebun­den, muss ihn aber bei die­sem Rege­lungs­ge­gen­stand wie all­ge­mein auch bei der Bewäl­ti­gung der Fol­gen des Krie­ges und des Zusam­men­bruchs des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Regimes nur in sei­ner Bedeu­tung als Will­kür­ver­bot beach­ten [29]. Ver­bo­ten ist dem Gesetz­ge­ber danach die will­kür­lich unglei­che Behand­lung von Sach­ver­hal­ten, die in wesent­li­chen Punk­ten gleich sind.

Der Wei­te des gesetz­ge­be­ri­schen Gestal­tungs­spiel­raums ent­spricht die Kon­troll­dich­te bei der ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Prü­fung: Kommt als Maß­stab nur das Will­kür­ver­bot in Betracht, so kann ein Ver­stoß gegen Art. 3 Abs. 1 GG nur fest­ge­stellt wer­den, wenn die Unsach­lich­keit der Dif­fe­ren­zie­rung evi­dent ist [30].

Hier­an gemes­sen ist ein Ver­stoß gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz nicht fest­stell­bar. Die vom Gesetz­ge­ber vor­ge­nom­me­ne Dif­fe­ren­zie­rung ist nicht evi­dent sach­wid­rig. Sie erklärt sich aus der unter­schied­li­chen Bedeu­tung der fak­ti­schen Her­ren­lo­sig­keit im Fall der Wie­der­gut­ma­chung einer Eigen­tums­ent­zie­hung einer­seits und der­je­ni­gen einer Unter­stel­lung unter die staat­li­che Ver­wal­tung ande­rer­seits. Anders als im Fall der Resti­tu­ti­on ent­steht die fak­ti­sche Her­ren­lo­sig­keit des hier in Rede ste­hen­den Mit­er­ben­an­teils nicht erst durch einen ein­zel­fall­be­zo­ge­nen und antrags­ge­bun­de­nen Rück­über­tra­gungs­akt. Sie ist viel­mehr bereits unaus­weich­li­che Fol­ge des Umstands, dass der Gesetz­ge­ber mit dem Ver­mö­gens­ge­setz pau­schal, zeit­gleich und unein­ge­schränkt zunächst das Eigen­tum an staat­lich ver­wal­te­ten Ver­mö­gens­wer­ten als fort­be­stehend bestä­tigt und schließ­lich zum 31. Dezem­ber 1992 in glei­cher Wei­se die staat­li­che Ver­wal­tung kraft Geset­zes gänz­lich auf­ge­ho­ben hat, obwohl er sich bewusst war, dass hin­sicht­lich einer unüber­schau­ba­ren Viel­zahl von Ver­mö­gens­wer­ten und auf unab­seh­ba­re Zeit unklar sein wür­de, ob ein Berech­tig­ter sich wer­de ermit­teln las­sen. Ange­sichts die­ser kon­zep­tio­nell gänz­lich ande­ren Her­an­ge­hens­wei­se an die Wie­der­gut­ma­chung der spe­zi­fi­schen jewei­li­gen Ver­mö­gens­schä­di­gun­gen ist auch eine auf deren Eigen­art abstel­len­de Dif­fe­ren­zie­rung bei der Behand­lung der so ent­stan­de­nen fak­tisch her­ren­lo­sen Ver­mö­gens­wer­te von Ver­fas­sungs wegen nicht zu bean­stan­den [31].

Kei­ne Ver­let­zung des Eigen­tums­rechts der Mit­er­ben[↑]

Auch die sich aus Art. 14 Abs. 1 GG erge­ben­de grund­recht­li­che Stel­lung der ande­ren, prä­sen­ten Mit­er­ben wie die des Erb­las­sers ist nicht ver­letzt.

Den wei­te­ren Mit­er­ben wird – bezo­gen auf den jewei­li­gen Nach­lass­ge­gen­stand – zwar der Ent­schä­di­gungs­fonds als gegen­stands­be­zo­ge­nes Mit­glied der unge­teil­ten Erben­ge­mein­schaft auf­ge­zwun­gen, der vor allem an deren Tei­lung inter­es­siert ist. Das ist für sich gese­hen jedoch kein Ein­griff in eine ver­mö­gens­wer­te Rechts­po­si­ti­on, zumal die Erben­ge­mein­schaft ohne­hin nicht auf Dau­er ange­legt ist (vgl. § 2042 Abs. 1 BGB). Soweit aus der Abfüh­rung des Mit­er­ben­an­teils am betrof­fe­nen Ver­mö­gens­wert eine Ver­rin­ge­rung der Haf­tungs­mas­se für etwai­ge Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten resul­tie­ren soll­te (vgl. § 2046 BGB), wird gege­be­nen­falls eine Mit­haf­tung des abge­führ­ten Ver­mö­gens­wer­tes an bestehen­den Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten im Wege ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung der maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten sicher­zu­stel­len sein.

Die Grund­rechts­po­si­ti­on des Erb­las­sers (Art. 14 Abs. 1 Satz 1 Alt. 2 GG), der sein Ver­mö­gen unter Aus­übung sei­ner Tes­tier­frei­heit, aber auch nach den gesetz­li­chen Regeln der Ver­wand­te­nerb­fol­ge ver­er­ben darf, ist eben­falls nicht berührt. Der Erb­fall und damit die Gesamt­rechts­nach­fol­ge als sol­che ist nach Maß­ga­be der Regeln des gesetz­li­chen Erb­rechts, ein­schließ­lich des im Vor­la­ge­be­schluss ange­spro­che­nen § 2094 Abs. 1 BGB, oder der letzt­wil­li­gen Ver­fü­gung des Erb­las­sers ein­ge­tre­ten; der hier in Rede ste­hen­de Ein­griff betrifft allein die Rechts­stel­lung des­je­ni­gen, der auf die­ser Grund­la­ge Mit­er­be gewor­den ist.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 21. Juli 2010 – 1 BvL 8/​07

  1. BVerwG, Beschluss vom 21.06.2007 – 3 C 24.06[]
  2. vgl. BVerfGE 102, 254, 297 ff.[]
  3. BGBl II S. 1237[]
  4. vgl. BVerfGE 91, 294, 307 f.[][]
  5. vgl. BVerfGE 70, 191, 199; 97, 350, 371; 112, 93, 107[]
  6. vgl. BVerfGE 24, 367, 384[]
  7. vgl. BVerfGE 104, 1, 10[]
  8. vgl. BVerfGE 25, 112, 118; 50, 290, 340 f.; 100, 226, 241[]
  9. vgl. BVerfGE 100, 226, 240[]
  10. vgl. BVerfGE 75, 78, 97 f.; 110, 1, 28[]
  11. vgl. nur BVerfGE 50, 290, 340 f.; 70, 191, 201; 102, 1, 16 f.; je mit wei­te­ren Nach­wei­sen aus der Recht­spre­chung[]
  12. vgl. BVerfGE 24, 367, 389; 52, 1, 30; 70, 191, 201; 112, 93, 110[]
  13. vgl. BVerfGE 21, 73, 84; 34, 139, 146; 37, 132, 143; 49, 382, 395; 87, 114, 139; 102, 1, 16 f.[]
  14. vgl. BVerwG, NVwZ 2008, 430, 432; eben­so Bro­schat, in: Fieberg/​Reichenbach/​Messerschmidt/​Neuhaus, VermG, § 10 Ent­schG Rn. 42, August 2009[]
  15. vgl. auch Kuhlmey/​Wittmer, in: Kim­me, Offe­ne Ver­mö­gens­fra­gen, § 10 Ent­schG Rn. 29, Novem­ber 2004; VG Ber­lin, Beschluss vom 06.11.2003 – 29 A 294.02, VIZ 2004, 463, 464[]
  16. vgl. etwa BVerfG, Beschluss vom 21.10.1998 – 1 BvR 179/​94, NJW 1999, 1460, 1462[]
  17. vgl. BVerfGE 30, 250, 263, m.w.N.[]
  18. vgl. auch BVerfGE 50, 290, 332 f.[]
  19. vgl. BVerfGE 105, 17, 36[]
  20. vgl. BVerfGE 84, 382, 385; sie­he auch BVerfGE 42, 263, 295; 50, 290, 341[]
  21. vgl. BVerfGE 83, 201, 212[]
  22. vgl. BVerfGE 83, 201, 212 f.[]
  23. vgl. BVerfGE 58, 137, 149 f.[]
  24. vgl. BVerfGE 100, 226, 245[]
  25. vgl. BVerfGE 98, 17, 38; 101, 54, 76[]
  26. vgl. VG Ber­lin, Beschluss vom 06.11.2003 – 29 A 294.02, VIZ 2004, S. 463[]
  27. vgl. BVerfGE 40, 121, 139 f.[]
  28. vgl. dazu Neu­haus, in: Fieberg/​Reichenbach/​Messerschmidt/​Neuhaus, VermG, § 2a VermG Rn. 3, Janu­ar 1995; Was­muth, in: RVI, B 100, § 2a Rn. 13, August 2008[]
  29. vgl. auch BVerfGE 102, 254, 299; 106, 201, 206[]
  30. vgl. BVerfGE 88, 87, 96 f.[]
  31. vgl. BVerfGE 55, 72, 90 f.[]