Was tun bei schwieriger Erbengemeinschaft?

Das Thema Erbschaft ist für viele Betroffene eine Angelegenheit, an die sie nur ungern denken. Bevor es ans Erben geht, steht zunächst ein großer persönlicher Verlust. Ein geliebter Mensch ist von uns gegangen und in diesem Moment müssen sich die Hinterbliebenen um zahlreiche Angelegenheiten kümmern. Dazu gehört auch die Regelung des Erbes. Wenn dann auch noch mehrere Personen erben, kann es mitunter zu großen Problemen kommen. Nicht umsonst sind ca. 25% aller privaten Rechtsstreitigkeiten auf Erbfälle zurückzuführen.

Doch was sollten Betroffene tun, wenn es innerhalb der Erbengemeinschaft Streit darüber gibt, wie das Erbe verteilt werden soll? Welche Möglichkeiten gibt es, sich diesen potenziellen Streit nicht auch noch aufhalsen zu müssen? Im Folgenden werden die Optionen in diesem Bereich etwas genauer beleuchtet.

Erbe – und nun?

Zu einer Erbschaft können Betroffene auf verschiedenen Wegen gelangen:

  1. Gesetzlicher Erbe aufgrund von Verwandtschaftsverhältnissen
    Das deutsche Recht hat eine gesetzliche Erbfolge festgelegt, falls der Erblasser kein Testament nach § 2247 BGB aufgesetzt hat. Aus dieser Erbfolge ergibt sich zum Beispiel, dass Erben 1. Ordnung (Kinder und Enkel) vor den anderen Verwandten erben. Noch lebende Ehegatten erben zudem automatisch ein Viertel gegenüber Erben 1. Ordnung und die Hälfte gegenüber Erben 2. Ordnung.
  2. Erbe durch ein Testament
    Jeder Mensch hat das Recht, sein verbliebenes Vermögen so zu vererben, wie er es möchte. Dies schließt auch die Enterbung von eigentlich gesetzlich Erbberechtigten Personen ein. Eine Enterbung liegt nach § 2304 BGB trotz des Anspruchs auf den Pflichtteil vor. Dieser Pflichtteil ist immer halb so groß wie der Anteil, der dem Enterbten gesetzlich zustünde.

Der Hauptgrund für Erbstreitigkeiten liegt immer dann vor, wenn es mehrere Erben 1. Ordnung (im Normalfall: mehrere Kinder) gibt. Doch was können Betroffene tun, die sich in einer eher schwierigen Erbengemeinschaft befinden?

Schwierige Erbengemeinschaft – was tun?

Typische Schwierigkeiten innerhalb der Erbengemeinschaft bestehen darin, dass sich das Erbe nicht in gleich große Teile zerlegen lässt. Bei einem bestimmten Summe Bargeld wäre dies einfach, wobei es in Bezug auf Geldanlagen wie Wertpapiere oder gar Immobilien deutlich schwieriger wird.

Wenn dann auch noch unterschiedliche Wünsche und Vorstellungen zwischen den Geschwistern auftauchen, ist das Chaos perfekt. Viele Betroffene möchten das Thema hingegen schnell hinter sich bringen, da der Verlust eines geliebten Menschen emotional belastend genug ist. In solchen Momenten ist guter Rat teuer – doch glücklicherweise gibt es Möglichkeiten:

  1. Auseinandersetzungsvertrag
    Ein Auseinandersetzungsvertrag bietet Erben die Möglichkeit, rechtlich die Teilung des Erbes zu vollziehen. Der Vertrag legt also fest, wer was im Einzelnen erhält. Am Ende lassen alle Betroffenen den Vertrag notariell beglaubigen und können so entspannt der Zukunft entgegensehen.
    Leider kann es auch hier zu Unstimmigkeiten kommen, so dass der Auseinandersetzungsvertrag bei einer grundsätzlichen Differenz zwischen den einzelnen Erben nicht allzu viel bringt.
  2. Den eigenen Erbteil verkaufen
    Darüber hinaus besteht natürlich auch die Möglichkeit, seinen eigenen Erbteil zu verkaufen. Dies ist auch dann möglich, wenn der Erbteil sich noch gar nicht in einem verwertungsfähigen Zustand befindet – etwa, wenn er noch als Teileigentum an einer Immobilie besteht. Spezielle Anbieter stehen Erben hier zur Seite und bewerten den Erbteil, um danach zusätzlich auch noch einen passenden Käufer zu finden.
     
    Die Rechtslage erlaubt einen Verkauf ausdrücklich. Ein Erbe sollte jedoch wissen, dass die anderen Mitglieder der Erbengemeinschaft nach §2034 BGB ein Vorkaufsrecht haben. Es kommt aber in jedem Fall ein Vertrag mit dem Käufer oder Investor zustande. In diesen Vertrag mit seinen Konditionen kann der vorkaufsberechtigte Miterbe jedoch eintreten und hat dafür zwei Monate Zeit. Nach dieser Zeit ist der Vertrag mit dem Käufer rechtsgültig. Der vorkaufsberechtigte Miterbe hat also keinen Verhandlungsspielraum, er kann nur diesen Vertrag nehmen oder nicht.

Erben haben also durchaus die Möglichkeit, sich bei einer eher schwierigen Erbengemeinschaft unkompliziert und schnell von dieser Last zu befreien.

Erben muss nicht im Streit enden

Wer erbt, hatte in vielen Fällen vorher einen schweren Verlust zu beklagen. Aus diesem Grund ist es beruhigend, zu wissen, dass Streitigkeiten innerhalb einer Erbengemeinschaft nicht ausufern müssen. Sollte es zu keiner Einigung kommen, besteht immer noch die Möglichkeit, seinen Erbteil zu verkaufen.