Zen­tra­les Tes­ta­ments­re­gis­ter

Ein Zen­tra­les Tes­ta­ments­re­gis­ter soll nach einer Geset­zes­in­itia­ti­ve des Lan­des Baden-Würt­tem­berg das bis­he­ri­ge Kar­tei­kar­ten­sys­tem der Geburts­stan­des­äm­ter erset­zen. Das Lan­des­ka­bi­nett hat am Mon­tag­abend eine ent­spre­chen­de Bun­des­rats­in­itia­ti­ve des Jus­tiz­mi­nis­ters beschlos­sen. Der Gesetz­ent­wurf wird am 23. April 2010 in den Bun­des­rat ein­ge­bracht. Betrof­fen von einer sol­chen Reform wären jähr­lich etwa 300.000 Tes­ta­men­te und Erb­ver­trä­ge.

Zen­tra­les Tes­ta­ments­re­gis­ter

Nach­lass­ge­rich­te müss­ten mög­lichst kurz­fris­tig nach einem Erb­fall etwai­ge Tes­ta­men­te und Erb­ver­trä­ge in den Hän­den hal­ten, damit sie zeit­nah die Erben und Erb­tei­le bestim­men und den Erb­schein ertei­len könn­ten. In Deutsch­land wer­den schät­zungs­wei­se 300.000 Tes­ta­men­te und Erb­ver­trä­ge pro Jahr in amt­li­che Ver­wah­rung genom­men. Bis­her wer­de noch auf bun­des­weit geschätzt 15 Mil­lio­nen Kar­tei­kar­ten bei rund 5.200 Stel­len der Ort der Ver­wah­rung die­ser Tes­ta­men­te und Erb­ver­trä­ge regis­triert. Zustän­dig hier­für sind der­zeit die Geburts­stan­des­äm­ter bzw. bei einer Geburt außer­halb der (heu­ti­gen) deut­schen Gren­zen das Amts­ge­richt Schö­ne­berg in Ber­lin.

Zukünf­tig sol­len nach den Vor­stel­lun­gen Baden-Würt­tem­bergs die Daten, die zum Auf­fin­den der ver­wahr­ten Urkun­den erfor­der­lich sei­en in einem zen­tra­len Regis­ter gespei­chert wer­den. Der Inhalt der letzt­wil­li­gen Ver­fü­gun­gen wird dage­gen, wie bis­her, nicht erfasst. Aus­künf­te zur Ermitt­lung der erbre­le­van­ten Urkun­den sol­len nur den unmit­tel­bar am Mel­de­sys­tem betei­lig­ten Amts­per­so­nen erteilt wer­den und zu Leb­zei­ten auch nur dann, wenn der Erb­las­ser vor­her zuge­stimmt habe.

Bis­lang müs­sen die für die Ver­wah­rung zustän­di­gen Amts­ge­rich­te und Nota­re die Stan­des­äm­ter des Geburts­or­tes bzw. bei nicht in Deutsch­land regis­trier­ter Geburt das Amts­ge­richt Schö­ne­berg über die Ver­wah­rung der erbre­le­van­ten Urkun­den infor­mie­ren. Das geschieht durch die Über­sen­dung von Kar­tei­kar­ten, die dann bei den Geburts­stan­des­äm­tern als Tes­ta­ments­ver­zeich­nis­se gesam­melt in Kar­tei­käs­ten auf­be­wahrt wer­den. Bis­lang wer­den nur die beim Amts­ge­richt Ber­lin-Schö­ne­berg ein­ge­hen­den Daten elek­tro­nisch erfasst.

Bei einem Ster­be­fall benach­rich­tigt das Stan­des­amt des Ster­be­or­tes regel­mä­ßig das Stan­des­amt des Geburts­or­tes. Dort wird der­zeit dann von Hand geprüft, ob der Ver­stor­be­ne im Tes­ta­ments­ver­zeich­nis ver­merkt sei. Danach wird vom Geburts­stan­des­amt das Amts­ge­richt oder der Notar, der das Tes­ta­ment oder den Erb­ver­trag ver­wahrt, durch einen Brief über den Ster­be­fall infor­miert. Die­ser sen­det dann die Urkun­de mit dem Tes­ta­ment oder dem Erb­ver­trag an das zustän­di­ge Nach­lass­ge­richt und infor­miert die­ses damit über den Ster­be­fall.

Zukünf­tig soll dage­gen das Ver­fah­ren mit dem Zen­tra­len Tes­ta­ments­re­gis­ter als neu­em Dreh- und Angel­punkt funk­tio­nie­ren: Die Amts­ge­rich­te und Nota­re wür­den danach in Zukunft einer zen­tra­len Stel­le, näm­lich dem Zen­tra­len Tes­ta­ments­re­gis­ter, elek­tro­nisch über­mit­teln, dass ein Tes­ta­ment oder ein Erb­ver­trag in Ver­wah­rung genom­men wor­den sei. Dort wür­den die­se Infor­ma­tio­nen zen­tral regis­triert und elek­tro­nisch gespei­chert. Im Ster­be­fall benach­rich­ti­ge dann das Stan­des­amt des Ster­be­or­tes das Zen­tra­le Tes­ta­ments­re­gis­ter. Dort wer­de zunächst auto­ma­ti­siert geprüft, ob der Erb­las­ser Ver­fü­gun­gen von Todes wegen getrof­fen habe. Dann benach­rich­ti­ge das Zen­tra­le Tes­ta­ments­re­gis­ter elek­tro­nisch sowohl das Amts­ge­richt oder den Notar, der die Urkun­de ver­wah­re, als auch das Nach­lass­ge­richt über die Exis­tenz eines Tes­ta­ments oder Erb­ver­trags.

Im Ergeb­nis bleibt es also grund­sätz­lich bei dem heu­te bereits bestehen­den und seit Jah­re­zehn­ten bewähr­ten Ver­fah­ren, nur dass statt der Geburts­stan­des­äm­ter nun ein Zen­tra­les Regis­ter für die Kar­tei­füh­rung zustän­dig sein soll und die Mel­dun­gen zukünf­tig elek­tro­nisch erfol­gen sol­len.

Deutsch­land wür­de damit ein Sys­tem über­neh­men, dass in einer Rei­he ande­rer EU-Län­der, wie etwa in Frank­reich, den Nie­der­lan­den, Öster­reich oder Kroa­ti­en bereits funk­tio­niert.

Kon­kret soll im Zen­tra­len Tes­ta­ments­re­gis­ter die Exis­tenz

  • öffent­lich beur­kun­de­ter Tes­ta­men­te und Erb­ver­trä­ge sowie
  • pri­vat­schrift­li­cher Tes­ta­men­te, die beim Notar oder beim Amts­ge­richt in beson­de­re amt­li­che Ver­wah­rung gege­ben wer­den,

erfasst wer­den. Nicht auf­ge­nom­men wer­den kön­nen dage­gen – wie bis­her auch – pri­vat­schrift­li­che Tes­ta­men­te, die nicht in amt­li­che Ver­wah­rung gege­ben, son­dern zu Hau­se oder an einem ande­ren Ort auf­be­wahrt wer­den.

Das Zen­tra­le Tes­ta­ments­re­gis­ter soll nach den Vor­stel­lung Baden-Würt­tem­bergs wie bis­her schon das Zen­tra­le Vor­sor­ge­re­gis­ter von der Bun­des­no­tar­kam­mer errich­tet und betrie­ben wer­den und durch Gebüh­ren finan­ziert wer­den. Das Land Baden-Würt­tem­berg rech­net dabei mit Regis­trie­rungs­ge­büh­ren in Höhe von 15,- € sowie einer Aus­kunfts­ge­bühr in Höhe von 5,- €.