Zu Leb­zei­ten errich­te­te Fami­li­en­stif­tun­gen und das Pflicht­teils­recht

Der Bun­des­ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass die der Sieg­fried Unseld-Stif­tung ein­ge­räum­ten Unter­be­tei­li­gun­gen an Gesell­schaf­ten der Suhr­kamp-Ver­lags­grup­pe nicht in den Nach­lass des im Okto­ber 2002 ver­stor­be­nen Ver­le­gers Sieg­fried Unseld gefal­len und daher bei der Berech­nung des Pflicht­teils­an­spruchs sei­nes Soh­nes Joa­chim Unseld nicht zu berück­sich­ti­gen sind.

Zu Leb­zei­ten errich­te­te Fami­li­en­stif­tun­gen und das Pflicht­teils­recht

Sieg­fried Unseld hat­te im Okto­ber 2001 die Sieg­fried und Ulla Unseld Fami­li­en­stif­tung als sei­ne Allein­er­bin ein­ge­setzt und einer wei­te­ren Stif­tung, der Sieg­fried Unseld-Stif­tung, unent­gelt­lich Unter­be­tei­li­gun­gen in Höhe von jeweils 30% u.a. an der Suhr­kamp Ver­lag GmbH & Co. KG und der Insel Ver­lag GmbH & Co. KG auf­schie­bend bedingt auf den Zeit­punkt sei­nes Todes ein­ge­räumt. Nach sei­nem Tode ent­stand über die Höhe des Pflicht­teils­an­spruchs des Soh­nes Joa­chim aus ers­ter Ehe des Erb­las­sers Streit zwi­schen die­sem und der von der Ehe­frau Ulla Unseld-Ber­kéwicz ver­tre­te­nen Allein­er­bin. Die Par­tei­en strit­ten u.a. dar­über, ob die Unter­be­tei­li­gun­gen an den Ver­lags­ge­sell­schaf­ten bereits zu Leb­zei­ten von Sieg­fried Unseld der Sieg­fried Unseld-Stif­tung mit Abschluss der dar­auf gerich­te­ten Ver­trä­ge im Okto­ber 2001 rechts­wirk­sam geschenkt wor­den und damit bei der Berech­nung des Pflicht­teils­an­spruchs nicht zu berück­sich­ti­gen waren.

Der auf die ent­spre­chen­de Fest­stel­lung gerich­te­ten Kla­ge der Sieg­fried und Ulla Unseld Fami­li­en­stif­tung haben sowohl erst­in­stanz­lich das Land­ge­richt Frank­furt am Main wie auch in der Beru­fungs­in­stanz das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main statt­ge­ge­ben. Und auch die vom Ober­lan­des­ge­richt zuge­las­se­ne Revi­si­on des Beklag­ten hat­te vor dem Bun­des­ge­richts­hof kei­nen Erfolg.

Der Bun­des­ge­richts­hof ent­schied, dass die Schen­kung der Unter­be­tei­li­gun­gen an die Sieg­fried Unseld-Stif­tung mit dem Abschluss der Ver­trä­ge im Okto­ber 2001 bereits voll­zo­gen wur­de und damit die Vor­schrif­ten über Schen­kun­gen unter Leben­den Anwen­dung fin­den. Nach den im Okto­ber 2001 getrof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen ste­hen der Sieg­fried Unseld-Stif­tung nicht nur Ansprü­che als Unter­be­tei­lig­te auf Betei­li­gung am Gewinn der Erbin als Haupt­be­tei­lig­te in den Ver­lags­ge­sell­schaf­ten zu. Der Unter­be­tei­lig­ten sind viel­mehr dar­über hin­aus Mit­wir­kungs­rech­te in der zwi­schen ihr und der Haupt­be­tei­lig­ten begrün­de­ten Innen­ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ein­ge­räumt wor­den. Jeden­falls bei einer sol­chen Aus­ge­stal­tung der Rech­te des Unter­be­tei­lig­ten inner­halb der Innen­ge­sell­schaft ist die Schen­kung der Unter­be­tei­li­gung als bereits mit dem Abschluss des Gesell­schafts­ver­trags voll­zo­gen anzu­se­hen. Das hat zur Fol­ge, dass die Unter­be­tei­li­gun­gen nicht in den Nach­lass des im Okto­ber 2002 ver­stor­be­nen Erb­las­sers gefal­len sind.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. Novem­ber 2011 – II ZR 306/​09