Erfül­lungs­ort der Nach­er­fül­lung im Kauf­recht

An wel­chem Ort muss der Ver­käu­fer einer man­gel­haf­ten Sache die zur Man­gel­be­sei­ti­gung geschul­de­te Nach­er­fül­lung vor­neh­men? Wenn hier­zu kei­ne aus­drück­li­che Rege­lung getrof­fen ist, rich­tet sich das nach den Umstän­den des Ein­zel­falls, meint der Bun­des­ge­richts­hof. Und das kann auch der Fir­men­sitz des Ver­käu­fers sein.

Erfül­lungs­ort der Nach­er­fül­lung im Kauf­recht

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall erwar­ben die in Frank­reich wohn­haf­ten Klä­ger bei der in Polch (Deutsch­land) ansäs­si­gen Beklag­ten einen neu­en Cam­ping-Falt­an­hän­ger. In der Auf­trags­be­stä­ti­gung heißt es "Lie­fe­rung: ab Polch, Selbst­ab­ho­ler". Gleich­wohl lie­fer­te die Beklag­te den Anhän­ger an den Wohn­ort der Klä­ger, die ihn in einem Urlaub nut­zen. In der Fol­ge­zeit rüg­ten die Klä­ger ver­schie­de­ne Män­gel und for­der­ten die Beklag­te unter Frist­set­zung auf, den Falt­an­hän­ger abzu­ho­len und die Män­gel zu besei­ti­gen. Nach­dem dies bis Frist­ab­lauf nicht gesche­hen war, erklär­ten die Klä­ger den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag. Mit ihrer Kla­ge haben die Klä­ger Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses nebst Zin­sen Zug um Zug gegen Rück­ga­be des Falt­an­hän­gers sowie Erstat­tung von Rechts­an­walts­kos­ten begehrt. Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Land­ge­richt Koblenz hat der Kla­ge im Wesent­li­chen statt­ge­ge­ben 1. Auf die Beru­fung der Beklag­ten hat das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz die Kla­ge abge­wie­sen 2.

Zu Recht, ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof und wies die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on der Klä­ger ab. Der Bun­des­ge­richts­hof ent­schied, dass sich der Ort, an dem der Ver­käu­fer die von ihm geschul­de­te Nach­er­fül­lung zu erbrin­gen hat, man­gels spe­zi­el­ler Rege­lung im Kauf­recht gemäß § 269 Abs. 1 BGB nach den jewei­li­gen Umstän­den des Ein­zel­falls bestimmt, wenn – wie hier – vor­ran­gi­ge Par­tei­ver­ein­ba­run­gen nicht getrof­fen wor­den sind. Zu die­sen Umstän­den gehö­ren die Orts­ge­bun­den­heit und die Art der vor­zu­neh­men­den Leis­tung sowie das Aus­maß der Unan­nehm­lich­kei­ten, wel­che die Nach­er­fül­lung für den Käu­fer mit sich bringt. Letz­te­res folgt aus den Vor­ga­ben der euro­päi­schen Ver­brauchs­gü­ter­kauf­richt­li­nie, nach deren Art. 3 Abs. 3 die Nach­er­fül­lung ohne erheb­li­che Unan­nehm­lich­kei­ten für den Ver­brau­cher erfol­gen muss. Da die Besei­ti­gung der von den Klä­gern gerüg­ten Män­gel des Cam­ping-Falt­an­hän­gers den Ein­satz von geschul­tem Per­so­nal und Werk­statt­tech­nik erfor­dert und ein Trans­port des Anhän­gers nach Polch oder des­sen Orga­ni­sa­ti­on für die Klä­ger zumut­bar erscheint, liegt der Erfül­lungs­ort der Nach­bes­se­rung am Fir­men­sitz der Beklag­ten. Die Klä­ger wären daher gehal­ten gewe­sen, den Anhän­ger zur Durch­füh­rung der Nach­er­fül­lung dort­hin zu ver­brin­gen. Solan­ge dies nicht geschieht, besteht kein Recht der Klä­ger zum Rück­tritt vom Kauf­ver­trag.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. April 2011 – VIII ZR 220/​10

  1. LG Koblenz, Urteil vom 03.06.2009 – 8 O 277/​08[]
  2. OLG Koblenz, Urteil vom 16.07.2010 – 8 U 812/​09, ZGS 2010, 570 f. = DAR 2011, 84 f.[]