Ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung

Vor­aus­set­zung einer ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung ist das Bestehen einer Rege­lungs­lü­cke, also einer plan­wid­ri­gen Unvoll­stän­dig­keit der Bestim­mun­gen des Rechts­ge­schäfts 1, die nicht durch die Her­an­zie­hung von Vor­schrif­ten des dis­po­si­ti­ven Rechts sach­ge­recht geschlos­sen wer­den kann 2.

Ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung

Allein der Umstand, dass ein Ver­trag für eine bestimm­te Fall­ge­stal­tung kei­ne Rege­lung ent­hält, besagt nicht, dass es sich um eine plan­wid­ri­ge Unvoll­stän­dig­keit han­delt.

Von einer plan­wid­ri­gen Unvoll­stän­dig­keit kann nur gespro­chen wer­den, wenn der Ver­trag eine Bestim­mung ver­mis­sen lässt, die erfor­der­lich ist, um den ihm zugrun­de lie­gen­den Rege­lungs­plan der Par­tei­en zu ver­wirk­li­chen, mit­hin ohne Ver­voll­stän­di­gung des Ver­trags eine ange­mes­se­ne, inter­es­sen­ge­rech­te Lösung nicht zu erzie­len wäre 3.

Die ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung muss sich als zwin­gen­de selbst­ver­ständ­li­che Fol­ge aus dem Gesamt­zu­sam­men­hang des Ver­ein­bar­ten erge­ben, so dass ohne die vor­ge­nom­me­ne Ergän­zung das Ergeb­nis in offen­ba­rem Wider­spruch zu dem nach dem Inhalt des Ver­trags tat­säch­lich Ver­ein­bar­ten ste­hen wür­de.

Zudem darf die ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung nicht zu einer wesent­li­chen Erwei­te­rung des Ver­trags­in­halts füh­ren 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Okto­ber 2014 – XII ZR 111/​12

  1. BGHZ 90, 69 = NJW 1984, 1177, 1178[]
  2. BGHZ 137, 153 = NJW 1998, 450, 451[]
  3. BGH, Urteil vom 11.01.2012 XII ZR 40/​10 NJW 2012, 844 Rn. 24 mwN[]
  4. BGHZ 40, 91 = NJW 1963, 2071, 2075[]