Erho­lung im Urlaub

Die Som­mer­zeit ver­bin­den Vie­le mit Urlaub und Erho­lung. Die arbei­ten­de Bevöl­ke­rung hat den Jah­res­ur­laub ein­ge­reicht und in vie­len Bun­des­län­dern haben die Schul­kin­der schon Som­mer­fe­ri­en. Damit kann die schon lang geplan­te Urlaubs­rei­se begin­nen. Doch was wird aus der gan­zen Erho­lung, wenn die Rei­se in Stress und Ärger aus­ar­tet?

Erho­lung im Urlaub

flugzeugfluegelMan hat sich auf den lang geplan­ten und teu­er bezahl­ten Urlaub schon das gan­ze Jahr gefreut und wird in Erwar­tung eines unge­trüb­ten Urlaubs­auf­ent­halts um so hef­ti­ger ent­täuscht, wenn das Feri­en­do­mi­zil nicht den Ver­spre­chun­gen des Rei­se­ver­an­stal­ters ent­spricht bzw. gra­vie­ren­de Män­gel vor­han­den sind. Ein ver­dreck­tes Hotel­zim­mer oder uner­träg­li­cher Bau­lärm vom Nach­bar­grund­stück muss nie­mand hin­neh­men. Wird die­ser Man­gel vor Ort rekla­miert, hat der Rei­se­ver­an­stal­ter die Mög­lich­keit der Män­gel­be­sei­ti­gung. Mit einem ande­ren Zim­mer oder einem ande­ren, ruhi­ge­ren Hotel wäre jedem gedient und die Erho­lung könn­te begin­nen.

Han­delt es sich um eine Flug­rei­se, kommt es öfters vor, dass durch Flug­ver­spä­tun­gen beim Hin­flug der Urlaubs­auf­ent­halt ver­kürzt wird oder schon wäh­rend des Rück­flu­ges die Erho­lung durch die Ver­spä­tung ver­schwin­det. Dar­über hin­aus kön­nen zusätz­li­che Kos­ten ent­ste­hen, wenn wei­te­re Flug­ti­ckets bezahlt wer­den müs­sen oder ein Arbeit­neh­mer nach Urlaubsen­de nicht pünkt­lich am Arbeits­platz erscheint. Aber auch hier gilt, dass der Flug­gast nicht jede Ver­spä­tung hin­neh­men muss. Han­delt es sich um eine ver­spä­te­te Ankunft, die auf außer­ge­wöhn­li­chen Umstän­den beruht und mit zumut­ba­ren Maß­nah­men von der Flug­ge­sell­schaft nicht zu ver­mei­den war, besteht kei­ne Ver­pflich­tung der Flug­ge­sell­schaft nach Art. 5 Abs. 3 Flug­gast­rech­te­VO zur Aus­gleichs­zah­lung. Unter sol­che außer­ge­wöhn­li­che Umstän­de zählt z.B. die ver­zö­ger­te Ertei­lung einer Lan­de­er­laub­nis 1 genau­so wie der Abbruch eines Starts wegen eines durch Vogel­schlag ver­ur­sach­ten Tur­bi­nen­scha­dens 2. Auch eine 22-stün­di­ge Ver­spä­tung, weil wet­ter­be­dingt das Flug­zeug nicht lan­den kann, kön­nen außer­ge­wöhn­li­che Umstän­de begrün­den 3. Dage­gen kann für eine Ver­spä­tung, die auf­grund außer­ge­wöhn­li­cher Umstän­de aus dem Vor­um­lauf des Vor­ta­ges resul­tiert, ein Aus­gleichs­an­spruch bestehen 4. Grund­sätz­lich hat der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on ent­schie­den, dass nach der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung Nr. 261/​2004 der Euro­päi­schen Gemein­schaft jeder Flug­gast einen Aus­gleichs­an­spruch gegen die Flug­ge­sell­schaft hat, wenn sie wegen eines ver­spä­te­ten Flu­ges einen Zeit­ver­lust von drei Stun­den oder mehr erlei­den und die gro­ße Ver­spä­tung nicht auf außer­ge­wöhn­li­che Umstän­de beruht 5. Also muss ein Rei­sen­der im Urlaub nicht immer Alles hin­neh­men.

  1. BGH, Urteil vom 13.11.2013 – X ZR 115/​12[]
  2. BGH, Urteil vom 2409.2013 – X ZR 160/​12[]
  3. AG Han­no­ver, Urteil vom 03.06.2014 – 408 C 9499/​13[]
  4. AG Han­no­ver, Urtei­le vom 01.07.2014 – 538 C 11519/​13 und 565 C 850/​14[]
  5. EuGH, Urteil vom 19.11.2009 – C‑402/​07 und C‑432/​07[]