Ermitt­lungs­füh­rer im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren darf nicht Zeu­gen ver­ei­di­gen

Es han­delt sich bei dem Unter­su­chungs­füh­rer nach dem Bun­des­dis­zi­pli­nar­ge­setz um kei­ne zur eid­li­chen Ver­neh­mung zustän­di­ge Stel­le im Sin­ne des § 153 StGB. So hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den.

Ermitt­lungs­füh­rer im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren darf nicht Zeu­gen ver­ei­di­gen

Gegen den Antrag­stel­ler wur­de mit Ver­fü­gung des Prä­si­den­ten der Wehr­be­reichs­ver­wal­tung ein Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren gem. § 17 Abs. 1 Satz 1 BDG unter dem Vor­wurf ein­ge­lei­tet, Mit­ar­bei­te­rin­nen durch sexu­el­le Äuße­run­gen belei­digt zu haben. Im Febru­ar und April 2009 wur­de B. L. als Zeu­gin von der im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren zur Ermitt­lungs­füh­re­rin bestell­ten Lei­ten­den Regie­rungs­di­rek­to­rin K. ange­hört. Der Antrag­stel­ler erstat­te­te gegen B. L. Straf­an­zei­ge dahin, die­se habe sich zu sei­nem Nach­teil, um sei­ne Posi­ti­on im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren zu erschwe­ren, eines Ver­ge­hens nach § 153 StGB schul­dig gemacht.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he genügt der Antrag auf gericht­li­che Ent­schei­dung nicht den in § 172 Abs. 3 Satz 1 StPO nor­mier­ten Dar­le­gungs- und Begrün­dungs­er­for­der­nis­sen und ist des­halb nicht zuläs­sig.

Auch zeigt der Antrag­stel­ler kei­nen Sach­ver­halt auf, der die Erhe­bung der öffent­li­chen Kla­ge gegen die beschul­dig­te Zeu­gin B. L. wegen fal­scher uneid­li­cher Aus­sa­ge (§ 153 StGB) recht­fer­ti­gen könn­te. Dabei kann hier offen blei­ben, ob die von der Zeu­gin im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren gegen­über der die­se ver­neh­men­den Ermitt­lungs­füh­re­rin inhalt­lich (uneid­lich) falsch aus­ge­sagt hat­te. Denn die Zeu­gin mach­te im zum Zeit­punkt der inkri­mi­nier­ten Aus­sa­gen noch im Ermitt­lungs­sta­di­um befind­li­chen, gegen den Antrag­stel­ler geführ­ten Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren weder vor Gericht noch vor einer ande­ren zur eid­li­chen Ver­neh­mung von Zeu­gen zustän­di­gen Stel­le, wie dies aber die Bestim­mung des § 153 StGB vor­aus­setzt, eine (uneid­lich fal­sche) Aus­sa­ge. Die maß­geb­li­che Bestim­mung des § 25 BDG in der ab 1.1.2002 gel­ten­den Fas­sung vom 9.7.2001 ver­weist nicht auf die Bestim­mung des § 59 StPO. Die Ver­ei­di­gung von Zeu­gen durch den Ermitt­lungs­füh­rer im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren ist nicht zuläs­sig; der Ermitt­lungs­füh­rer ist als beweis­erhe­ben­de Stel­le zur Ver­ei­di­gung nicht befugt1.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluß vom 17. Mai 2011 – 3 Ws 215/​10

  1. vgl. Schmie­mann in Schütz/​Schmiemann, Dis­zi­pli­narR, 4. Aufl., Stand April 2009, BDG § 25, Rdn. 10; Claussen/​Benneke/​Schwandt, Das Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren, 5. Aufl., Rdn. 508 []