Erneu­te Zeu­gen­ver­neh­mung in der Beru­fungs­in­stanz

Das Beru­fungs­ge­richt ist nach § 529 Abs. 1 Nr. 1 ZPO grund­sätz­lich an die Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen des Gerichts des ers­ten Rechts­zu­ges gebun­den.

Erneu­te Zeu­gen­ver­neh­mung in der Beru­fungs­in­stanz

Bestehen Zwei­fel an der Rich­tig­keit und Voll­stän­dig­keit der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fest­stel­lun­gen im erst­in­stanz­li­chen Urteil, ist in aller Regel eine erneu­te Beweis­auf­nah­me gebo­ten [1].

Das Beru­fungs­ge­richt ist in einem sol­chen Fall nach § 398 ZPO ver­pflich­tet, in ers­ter Instanz ver­nom­me­ne Zeu­gen erneut zu ver­neh­men, wenn es deren pro­to­kol­lier­te Aus­sa­gen anders als die Vor­in­stanz ver­ste­hen oder wür­di­gen will [2].

Unter­lässt es dies und wen­det damit § 529 Abs. 1 Nr. 1 ZPO feh­ler­haft an, ist die dadurch benach­tei­lig­te Par­tei in ihrem Anspruch auf recht­li­ches Gehör nach Art. 103 Abs. 1 GG ver­letzt [3].

Die erneu­te Ver­neh­mung eines Zeu­gen kann allen­falls dann unter­blei­ben, wenn sich das Rechts­mit­tel­ge­richt ledig­lich auf Umstän­de stützt, die weder die Urteils­fä­hig­keit, das Erin­ne­rungs­ver­mö­gen oder die Wahr­heits­lie­be des Zeu­gen noch die Voll­stän­dig­keit oder Wider­spruchs­frei­heit sei­ner Aus­sa­ge betref­fen [4].

Unter­lässt es dies und wen­det damit § 529 Abs. 1 Nr. 1 ZPO feh­ler­haft an, ist die dadurch benach­tei­lig­te Par­tei in ihrem Anspruch auf recht­li­ches Gehör nach Art. 103 Abs. 1 GG ver­letzt [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Mai 2015 – XI ZR 326/​14

  1. vgl. BVerfG, NJW 2005, 1487, NJW 2011, 49 Rn. 14; BGH, Beschlüs­se vom 14.07.2009 – VIII ZR 3/​09, NJW-RR 2009, 1291 Rn. 5; vom 09.02.2010 – XI ZR 140/​09, BKR 2010, 515, 516; und vom 21.03.2012 XII ZR 18/​11, NJW-RR 2012, 704 Rn. 6[]
  2. BVerfG, NJW 2011, 49 Rn. 14; BGH, Urteil vom 22.05.2002 – VIII ZR 337/​00, NJW-RR 2002, 1500; BGH, Beschluss vom 01.04.2014 – XI ZR 171/​12, BKR 2014, 295 Rn. 18[]
  3. BVerfG, NJW 2005, 1487; BGH, Beschlüs­se vom 09.02.2010 – XI ZR 140/​09, BKR 2010, 515, 516; und vom 21.03.2012 XII ZR 18/​11, NJW-RR 2012, 704 Rn. 6[][]
  4. BGH, Urtei­le vom 19.06.1991 – VIII ZR 116/​90, WM 1991, 1896, 1897 f.; und vom 10.03.1998 – VI ZR 30/​97, NJW 1998, 2222, 2223; BGH, Beschlüs­se vom 09.02.2010 – XI ZR 140/​09, BKR 2010, 515, 516; und vom 01.04.2014 – XI ZR 171/​12, BKR 2014, 295 Rn.19[]