Erstre­ckung einer vor dem 20. August 2008 bestell­ten Grund­schuld auf ein wei­te­res Grund­stück

Soll eine vor dem 20.08.2008 bestell­te sofort fäl­li­ge Grund­schuld auf ein wei­te­res Grund­stück erstreckt wer­den, und steht auf­grund der Umstän­de fest, dass es sich um eine Siche­rungs­grund­schuld han­delt, dann bedarf es kei­ner aus­drück­li­chen Erklä­rung zur (abwei­chen­den) Fäl­lig­keit der Grund­schuld auf dem neu belas­te­ten Grund­stück in der Nach­ver­pfän­dungs­er­klä­rung. Das Grund­buch­amt hat von Amts wegen einen Klar­stel­lungs­ver­merk ein­zu­tra­gen, wenn durch die Ein­tra­gung der unzu­tref­fen­de Ein­druck ent­ste­hen wür­de, die Gesamt­grund­schuld sei ins­ge­samt sofort fäl­lig.

Erstre­ckung einer vor dem 20. August 2008 bestell­ten Grund­schuld auf ein wei­te­res Grund­stück

Die Pfan­der­stre­ckung ist bezo­gen auf das wei­te­re Grund­stück bzw. Erb­bau­recht als Neu­be­stel­lung einer Grund­schuld anzu­se­hen [1]. Han­delt es sich bei der Grund­schuld um eine Siche­rungs­grund­schuld, gilt an dem nach­be­las­te­ten Erb­bau­recht die gesetz­li­che Kün­di­gungs­frist gem. § 1193 Abs. 2 Satz 2 i.V.m. Abs.1 BGB (n. F.). Da nach der Über­gangs­re­ge­lung in Art. 229 § 18 Abs. 3 EGBGB die Rege­lung in § 1193 Abs. 2 S.2 BGB n. F. nur auf die­je­ni­gen Grund­schul­den anzu­wen­den ist, die nach dem 19.08.2008 bestellt wer­den, gilt hin­sicht­lich des ursprüng­lich belas­te­ten Grund­stücks die­se gesetz­lich zwin­gen­de Fäl­lig­keits­re­gel, wonach die Kün­di­gungs­frist sechs Mona­te beträgt, nicht. Um die­se Abwei­chung deut­lich zu machen, soll ein ent­spre­chen­der Klar­stel­lungs­ver­merk im Grund­buch ange­bracht wer­den, weil andern­falls der Ein­druck erweckt wer­den könn­te, das Grund­schuld­ka­pi­tal sei an allen haf­ten­den Erb­bau­rech­ten ohne Ein­hal­tung der Kün­di­gungs­frist sofort fäl­lig [2]. Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Fra­ge in sei­nem Beschluss vom 10.06.2010 [3], offen­ge­las­sen, aber gemeint, dass das Grund­buch­amt zu erwä­gen habe, ob der (aus der Ein­tra­gungs­be­wil­li­gung nicht ersicht­li­che) Umstand, dass für den neu belas­te­ten Grund­be­sitz abwei­chend die neue Kün­di­gungs­frist gilt, durch eine Klar­stel­lungs­ver­merk im Grund­buch zu kenn­zeich­nen ist [4].

Zu der Fra­ge, ob bei unter­schied­li­cher Fäl­lig­keit von bereits ein­ge­tra­ge­ner und noch ein­zu­tra­gen­der Grund­schuld in der Nach­ver­pfän­dungs­er­klä­rung die Gel­tung des § 1193 Abs.1, Abs.2 BGB (n.F.) dar­ge­tan wer­den muss, wer­den unter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen ver­tre­ten. Teil­wei­se wird gefor­dert, dass die abwei­chen­de Fäl­lig­keit aus der Nach­ver­pfän­dungs­er­klä­rung ersicht­lich sein müs­se [5]. Teil­wei­se wird dies wohl nur gefor­dert, wenn sich der Cha­rak­ter als Siche­rungs­grund­schuld nicht bereits aus ande­ren Umstän­den ergibt [6]. Der Bun­des­ge­richts­hof hat in der o.g. Ent­schei­dung, in der fest­stand, dass es sich um eine Siche­rungs­grund­schuld han­delt, eine ent­spre­chen­de Nach­ver­pfän­dungs­er­klä­rung mit Erklä­rung zur Fäl­lig­keit nicht aus­drück­lich gefor­dert, aber sich u.a. auf die von Böh­rin­ger [7] ver­tre­te­ne Auf­fas­sung bezo­gen.

Ob es einer aus­drück­li­chen Erklä­rung zur Fäl­lig­keit in der Nach­ver­pfän­dungs­er­klä­rung bedarf oder ob ein Klar­stel­lungs­ver­merk von Amts wegen ein­ge­tra­gen wer­den kann, hängt nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts davon ab, ob sich bereits aus den Umstän­den ergibt, dass es sich bei dem zu erstre­cken­den Recht um eine Siche­rungs­grund­schuld han­delt. Steht ein­deu­tig fest, dass es sich um eine Siche­rungs­grund­schuld han­delt, dann ist eine Erklä­rung zur (abwei­chen­den) Fäl­lig­keit nicht erfor­der­lich, weil es sich inso­weit um eine zwin­gen­de gesetz­li­che Rege­lung han­delt, und das Grund­buch­amt kann den Klar­stel­lungs­ver­merk von Amts wegen ein­tra­gen. "Schweigt" die Bewil­li­gung in die­sem Punkt und steht auch sonst nicht fest, dass es sich um eine Siche­rungs­grund­schuld han­delt, dann ist die Bewil­li­gungs­er­klä­rung nicht ein­deu­tig und das Grund­buch­amt ist nicht in der Lage zu beur­tei­len, ob von der gesetz­li­chen Rege­lung abwei­chen­de und für die bereits belas­te­ten Grundstücke/​Erbbaurechte wirk­sa­me bis­he­ri­ge Kün­di­gungs- und Fäl­lig­keits­re­ge­lun­gen auch für das neu belas­te­te Grundstück/​Erbbaurecht gel­ten oder ob die gesetz­li­che Fäl­lig­keits-/Kün­di­gungs­re­ge­lung gilt. In die­sem Fall ist in die Bewil­li­gung des Eigen­tü­mers ein Hin­weis auf die abwei­chen­de Fäl­lig­keit nach § 1193 Abs. 1 BGB im Hin­blick auf das nach­ver­haf­te­te Grundstück/​Erbbaurecht auf­zu­neh­men [8].

Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig, Beschluss vom 7. Febru­ar 2013 – 2 W 10/​13

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 10.06.2010 – V ZB 22/​10[]
  2. Böh­rin­ger, Rechts­pfle­ger 2010, 406, 411 f.; ders., Rechts­pfle­ger 2009, 124, 131, Bestel­mey­er, Rechts­pfle­ger 2009, 377, 378; OLG Mün­chen, Beschluss vom 26. Jan.2010 – 34 Wx 112/​09, Rn. 34[]
  3. BGH, Beschluss vom 10.06.2010 – V ZB 22/​10; vor­her­ge­hend OLG Mün­chen a.a.O.[]
  4. BGH, a.a.O.[]
  5. Böh­rin­ger, Rechts­pfle­ger 2010, 406, 411 f.; ders., Rechts­pfle­ger 2009, 124, 131; Meikel/​Böhringer, GBO, 10. A., § 48 Rn.106, so wohl auch OLG Mün­chen, a.a.O.[]
  6. Bestel­mey­er, Rechts­pfle­ger 2009, 377, 378[]
  7. Meikel/​Böhringer, GBO, 10. A., § 48 Rn.106, Rechts­pfle­ger 2009, 124, 131[]
  8. vgl. Bestel­mey­er, a.a.O.[]