Fami­li­en­streit­sa­che – und die Prü­fung durch das Rechts­mit­tel­ge­richt

Maß­geb­lich für die Behand­lung eines Rechts­streits als Fami­li­en­sa­che ist nicht die Behand­lung in der Vor­in­stanz (hier: durch das Beschwer­de­ge­richt), son­dern ob die mate­ri­el­len Vor­aus­set­zun­gen für eine Fami­li­en­streit­sa­che vor­lie­gen.

Fami­li­en­streit­sa­che – und die Prü­fung durch das Rechts­mit­tel­ge­richt

Der Schutz­ge­dan­ke der Meist­be­güns­ti­gung gebie­tet es nicht, dass das Rechts­mit­tel auf dem vom vor­in­stanz­li­chen Gericht ein­ge­schla­ge­nen fal­schen Weg wei­ter­ge­hen müss­te; viel­mehr hat das Rechts­mit­tel­ge­richt das Ver­fah­ren so wei­ter zu betrei­ben, wie dies im Fal­le einer for­mell rich­ti­gen Ent­schei­dung durch die Vor­in­stanz und dem danach gege­be­nen Rechts­mit­tel gesche­hen wäre 1.

Dem steht nicht ent­ge­gen, dass das Rechts­be­schwer­de­ge­richt gemäß § 17a Abs. 5, 6 GVG auch im Ver­hält­nis für die in bür­ger­li­chen Rechts­strei­tig­kei­ten und Fami­li­en­sa­chen zustän­di­gen Spruch­kör­per nicht zu prü­fen hat, ob der beschrit­te­ne Rechts­weg zuläs­sig ist. Eine feh­ler­haf­te, aber bin­den­de Beur­tei­lung des Rechts­we­ges hin­dert jeden­falls im Ver­hält­nis zwi­schen bür­ger­li­chen Rechts­strei­tig­kei­ten und Fami­li­en­sa­chen nicht dar­an, das Rechts­mit­tel­ver­fah­ren nach den rich­ti­gen Ver­fah­rens­vor­schrif­ten zu füh­ren 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Juni 2017 – IX ZB 98/​16

  1. BGH, Beschluss vom 13.06.2012 – XII ZR 77/​10, Fam­RZ 2012, 1293 Rn. 13, 19 ff; vom 02.09.2015 – XII ZB 75/​13, Fam­RZ 2015, 2043 Rn. 22; vom 03.03.2016 – IX ZB 33/​14, WM 2016, 792 Rn. 13[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 17.12 2008 – XII ZB 125/​06, MDR 2009, 1000, 1001; vom 17.09.2014 – XII ZB 284/​13, NJW 2015, 251 Rn. 6; Musielak/​Voit/​Wittschier, ZPO, 14. Aufl., § 17b GVG Rn. 3; Fritz­sche, NJW 2015, 586, 587; zurück­hal­tend Zöller/​Lückemann, ZPO, 31. Aufl. § 17b GVG Rn. 2[]