Fax vor Mit­ter­nacht

Soll bei der Ermitt­lung der genau­en Uhr­zeit zum Zwe­cke der Wah­rung der Frist allein die Anzei­ge des in der Anwalts­kanz­lei ver­wen­de­ten Fax­ge­rä­tes aus­rei­chend sein, muss die­se Anzei­ge zuver­läs­sig die maß­geb­li­che Zeit wie­der­ge­ben. Ist die­ses Fax­ge­rät tech­nisch nicht dafür aus­ge­legt, selb­stän­dig einen ste­ti­gen Abgleich mit der gesetz­li­chen Zeit vor­zu­neh­men, hat der Anwalt dafür Sor­ge zu tra­gen, dass regel­mä­ßig eine Über­prü­fung der Zeit­ein­stel­lung am Fax­ge­rät statt­fin­det.

Fax vor Mit­ter­nacht

Grund­sätz­lich ist ein Rechts­an­walt ver­pflich­tet, durch ent­spre­chen­de Orga­ni­sa­ti­on sei­nes Büros und die not­wen­di­gen Ein­zel­an­wei­sun­gen das Mög­lichs­te zu tun, um Feh­ler­quel­len bei der Behand­lung von Frist­sa­chen aus­zu­schlie­ßen [1]. Die auf­zu­wen­den­de Sorg­falt durch den Rechts­an­walt ist bei Aus­schöp­fung der Rechts­mit­tel­frist bis zum letz­ten Tag wegen der damit ver­bun­de­nen Gefah­ren erhöht [2].

Für die Fra­ge, ob ein Schrift­satz noch recht­zei­tig bei Gericht ein­ge­gan­gen ist, ist die gesetz­li­che Zeit im Sin­ne der §§ 1 und 2 des Geset­zes über die Zeit­be­stim­mung vom 25. Juli 1978 [3] maß­ge­bend [4]. Wenn ein Rechts­an­walt die Fris­ten bis zu den letz­ten Minu­ten vor Ablauf des für die Berech­nung der Frist maß­geb­li­chen Tages aus­nut­zen will, hat er durch ent­spre­chen­de Vor­keh­run­gen zur Wah­rung sei­ner erhöh­ten Sorg­falts­pflicht dafür Sor­ge zu tra­gen, dass die tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen für eine Fris­t­wah­rung gege­ben sind. Dies bedingt, dass dem kor­rek­ten Erfas­sen der maß­geb­li­chen Zeit beson­de­re Bedeu­tung zukommt. Hier­auf ist des­we­gen beson­de­res Augen­merk zu rich­ten. Soll bei der Ermitt­lung der genau­en Uhr­zeit zum Zwe­cke der Wah­rung der Frist allein die Anzei­ge eines Fax­ge­rä­tes aus­rei­chend sein, muss die­se Anzei­ge zuver­läs­sig die maß­geb­li­che Zeit wie­der­ge­ben. Wenn des­halb ein Gerät in Gebrauch ist, das tech­nisch nicht dafür aus­ge­legt ist, selb­stän­dig einen ste­ti­gen Abgleich mit der gesetz­li­chen Zeit vor­zu­neh­men, gehört es zur anwalt­li­chen Sorg­falt, dass regel­mä­ßig eine Über­prü­fung der Zeit­ein­stel­lung am Fax­ge­rät statt­fin­det. Ansons­ten kann, wor­auf das Beru­fungs­ge­richt zu Recht hin­ge­wie­sen hat, durch Bedie­nungs­feh­ler, wegen eines Strom­aus­falls oder wegen übli­cher Unge­nau­ig­keit bei lan­gen Zeit­ab­läu­fen die vom Fax­ge­rät ange­zeig­te Zeit in erheb­li­cher Wei­se von der tat­säch­lich recht­lich maß­ge­ben­den Zeit abwei­chen.

Im vor­lie­gen­den Fall hat der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der Klä­ge­rin nicht dar­ge­legt, dass das von ihm benutz­te Fax­ge­rät tech­nisch dahin aus­ge­rüs­tet war, selb­stän­dig einen Abgleich mit der gesetz­li­chen Zeit vor­zu­neh­men. Der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te hat gel­tend gemacht, die feh­ler­haf­te Zeit­an­zei­ge sei auf eine Fehl­be­die­nung der das Fax­ge­rät war­ten­den Fir­ma zurück­zu­füh­ren. Nicht dar­ge­legt hat er inso­weit, wann die­se Über­prü­fung statt­ge­fun­den hat bzw. wel­cher Zeit­raum seit die­ser Prü­fung bis zum 12. April 2010 ver­gan­gen ist. Eben­falls hat er nicht dar­ge­legt, dass sein Büro­per­so­nal eine Kon­trol­le des Fax­ge­räts hin­sicht­lich der Rich­tig­keit der Zeit­an­zei­ge vor­ge­nom­men oder jeden­falls von ihm die Anwei­sung erhal­ten habe, dies in bestimm­ten Zeit­ab­stän­den zu tun. Auf­grund die­ser Umstän­de war nicht gewähr­leis­tet, dass die Zeit­an­zei­ge im Fax­ge­rät hin­rei­chend mit der gesetz­li­chen Zeit über­ein­stimmt. Der Rechts­an­walt der Beklag­ten durf­te sich des­halb bei der Über­prü­fung, ob die Beru­fungs­be­grün­dung noch recht­zei­tig an das Land­ge­richt über­sandt wer­den kön­ne, nicht allein auf die Zeit­an­zei­ge des Fax­ge­räts stüt­zen. Es kann des­halb nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass das Ver­strei­chen der Beru­fungs­frist durch ein Anwalts­ver­schul­den ver­ur­sacht wur­de.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Janu­ar 2011 – III ZB 55/​10

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 04.10.1988 – VI ZB 12/​88, BGHR ZPO § 233 Fris­ten­kon­trol­le 8; und vom 19.11.1997 – VIII ZB 33/​97, BGHR ZPO § 233 Fris­ten­kon­trol­le 59[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 18.09.2008 – V ZB 32/​08, NJW 2008, 3571 Rn. 7[]
  3. BGBl. I S. 1110, 1262[]
  4. BGH, Urteil vom 24.07.2003 – VII ZB 8/​03, NJW 2003, 3487[]