Feh­ler­haf­te Anga­ben über das Ver­stei­ge­rungs­ob­jekt in der Ter­mins­be­stim­mung

Ein bereits erteil­ter Zuschlag ist zu ver­sa­gen, wenn die Ter­mins­be­stim­mung der­art feh­ler­haf­te Anga­ben über das Ver­stei­ge­rungs­ob­jekt ent­hält, dass von einer Irre­füh­rung der Bie­ter­krei­se aus­zu­ge­hen ist.

Feh­ler­haf­te Anga­ben über das Ver­stei­ge­rungs­ob­jekt in der Ter­mins­be­stim­mung

Nach § 43 Abs. 1 Satz 1 ZVG ist ein Ver­stei­ge­rungs­ter­min auf­zu­he­ben und neu zu bestim­men, wenn die Ter­mins­be­stim­mung nicht recht­zei­tig bekannt gemacht ist. Durch eine nicht den zwin­gen­den Vor­ga­ben des § 37 ZVG genü­gen­de Bekannt­ma­chung wird die Frist nicht gewahrt. Ein bereits erteil­ter Zuschlag ist nach § 83 Nr. 7, § 100 ZVG zu ver­sa­gen [1]. Das­sel­be gilt, wenn zu den Soll­an­ga­ben nach § 38 ZVG Anga­ben gemacht wer­den, die der­art feh­ler­haft sind, dass von einer Irre­füh­rung der Bie­ter­krei­se aus­zu­ge­hen ist [2].

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits ent­schie­den, dass es sich bei der Soll­vor­schrift des § 38 ZVG nicht um eine blo­ße Ord­nungs­vor­schrift han­delt, deren Ver­let­zung die Ter­mins­be­stim­mung nur dann in Fra­ge stellt, wenn durch die unrich­ti­ge Mit­tei­lung zugleich zwin­gen­de Anga­ben des § 37 ZVG miss­ver­ständ­lich oder unklar wer­den [3]. Die Ver­öf­fent­li­chung der Ter­mins­be­stim­mung hat unter ande­rem die Funk­ti­on, im Inter­es­se einer best­mög­li­chen Ver­wer­tung des Grund­stücks ein mög­lichst brei­tes Publi­kum anzu­spre­chen. Biet­in­ter­es­sen­ten soll eine Ori­en­tie­rungs­hil­fe für die Ent­schei­dung an die Hand gege­ben wer­den, ob sie am Ver­fah­ren teil­neh­men und bis zu wel­cher Höhe sie Gebo­te abge­ben wol­len [4]. Anga­ben in der Ter­mins­be­stim­mung bie­ten für Erste­her auch dann eine maß­geb­li­che Ori­en­tie­rungs­hil­fe, wenn die­se nicht zu den Pflicht­an­ga­ben nach § 37 ZVG gehö­ren. Bedenkt man, dass der Erwer­ber in der Regel kei­ne Mög­lich­keit hat, sich über den tat­säch­li­chen Zustand des Objekts vor der Ver­stei­ge­rung Gewiss­heit zu ver­schaf­fen, der Ver­stei­ge­rungs­ge­gen­stand gewähr­leis­tungs­frei zuge­schla­gen wird (§ 56 Satz 3 ZVG) und das Gebot nicht der Anfech­tung wegen eines Irr­tums über eine ver­kehrs­we­sent­li­che Eigen­schaft (§ 119 Abs. 2 BGB) unter­liegt [5], kommt den Anga­ben in der Ter­mins­be­stim­mung eine her­vor­ge­ho­be­ne Bedeu­tung auch dann zu, wenn die­se "nur" den von § 38 ZVG vor­ge­ge­be­nen Soll­in­halt betref­fen. Die durch die­se Anga­ben gege­be­ne Ori­en­tie­rungs­hil­fe darf nicht dadurch in ihr Gegen­teil ver­kehrt wer­den, dass irre­füh­ren­de, unzu­tref­fen­de oder nach Akten­la­ge zumin­dest erheb­li­chen Zwei­feln unter­lie­gen­de Anga­ben über das Ver­stei­ge­rungs­ob­jekt gemacht wer­den, die für die Ent­schlie­ßung eines ver­stän­di­gen Biet­in­ter­es­sen­ten von wesent­li­cher Bedeu­tung sind. Dass hier­un­ter neben erheb­li­chen quan­ti­ta­ti­ven Abwei­chun­gen [6] auch Abwei­chun­gen fal­len, die dem Ver­stei­ge­rungs­ob­jekt qua­li­ta­tiv ein ande­res Geprä­ge geben, liegt auf der Hand. Auch sol­che Abwei­chun­gen füh­ren daher dazu, dass der Zuschlag zu ver­sa­gen ist. Aus der BGH-Ent­schei­dung vom 18. Okto­ber 2007 [5] folgt nichts ande­res. Der Aspekt der Ter­mins­be­stim­mung hat in dem dama­li­gen Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren kei­ne Rol­le gespielt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. Sep­tem­ber 2010 – V ZB 160/​09

  1. vgl. nur Hint­zen in Dassler/​Schiffhauer u.a., ZVG, 13. Aufl., § 37 Rn. 3; Stö­ber, ZVG, 19. Aufl., § 37 Rn. 1[]
  2. vgl. auch BGH, Beschluss vom 19.06.2008 – V ZB 129/​07, NJW-RR 2008, 1741, 1742; Hint­zen, aaO, § 43 Rn. 12[]
  3. BGH, Beschluss vom 19.06.2008 – V ZB 129/​07, aaO[]
  4. BGH, aaO[]
  5. BGH, Beschluss vom 18.10.2007 – V ZB 44/​07, NJW-RR 2008, 222, 223[][]
  6. vgl. dazu auch BGH, Beschuss vom 19.06.2008 – V ZB 129/​07, aaO; OLG Karls­ru­he, Rpfle­ger 1993, 256, 257; Hint­zen, aaO, § 37 Rn. 8 und § 38 Rn. 4[]