Fehl­über­wei­sung an den Insol­venz­ver­wal­ter

Zah­lun­gen, die auf einem von einem Rechts­an­walt als Insol­venz­ver­wal­ter oder Treu­hän­der ein­ge­rich­te­tes Ander­kon­to ein­ge­hen, fal­len weder in das Schuld­ner­ver­mö­gen noch in die Mas­se, son­dern ste­hen aus­schließ­lich dem Anwalt zu.

Fehl­über­wei­sung an den Insol­venz­ver­wal­ter

Der Insol­venz­in­ha­ber oder Treu­hän­der ist Voll­rechts­in­ha­be­rin des von ihr ein­ge­rich­te­ten Ander­kon­tos gewor­den. Ander­kon­ten sind offe­ne Voll­rechts­treu­hand­kon­ten, aus denen aus­schließ­lich der das Kon­to eröff­nen­de Rechts­an­walt per­sön­lich der Bank gegen­über berech­tigt und ver­pflich­tet ist 1. Dass die Eröff­nung des Ander­kon­tos als "Treu­hän­de­rin im ver­ein­fach­ten Insol­venz­ver­fah­ren" bean­tragt wur­de, ist uner­heb­lich. Die Recht­spre­chung, wonach für die For­de­rungs­be­rech­ti­gung gegen­über der Bank maß­geb­lich ist, wer nach dem erkenn­ba­ren Wil­len des die Kon­to­er­öff­nung bean­tra­gen­den Kun­den Gläu­bi­ger der Bank wer­den soll, ist im Hin­blick auf die recht­li­che Aus­ge­stal­tung eines anwalt­li­chen Ander­kon­tos hier­auf nicht über­trag­bar.

Nicht gefolgt wer­den kann der Ansicht, dass auf das Treu­hand­kon­to ein­ge­hen­de Gel­der zur Insol­venz­mas­se im Sin­ne des § 35 InsO gehö­ren. Nach § 35 InsO erfasst das Insol­venz­ver­fah­ren das gesam­te Ver­mö­gen, das dem Schuld­ner zur Zeit der Eröff­nung des Ver­fah­rens gehört und das er wäh­rend des Ver­fah­rens erlangt. Die wäh­rend des Insol­venz­ver­fah­rens auf das Ander­kon­to des Insol­venz­ver­wal­ters ein­ge­gan­ge­ne Zah­lung hat der Schuld­ner nicht erwor­ben.

In der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung und im Schrift­tum ist aner­kannt, dass Zah­lun­gen, die auf ein von einem Rechts­an­walt als Insol­venz­ver­wal­ter oder Treu­hän­der ein­ge­rich­te­tes Ander­kon­to ein­ge­hen, nicht in das Schuld­ner­ver­mö­gen fal­len. Dass der Insol­venz­ver­wal­ter, der die Gläu­bi­ger des Schuld­ners anschreibt, hier­mit Schuld­ner­ver­mö­gen hat ver­ein­nah­men wol­len, recht­fer­tigt kei­ne ande­re Beur­tei­lung 2. Die Zah­lun­gen fal­len aber – anders als bei sol­chen auf ein Son­der­kon­to – auch nicht in die Mas­se 3. Eine etwai­ge Mas­seun­zu­läng­lich­keit ist daher uner­heb­lich.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Dezem­ber 2008 – IX ZR 192/​07

  1. vgl. BGHZ 11, 37, 43; BGH, Urt. v. 15. Dezem­ber 1994 – IX ZR 252/​93, ZIP 1995, 225; Münch­Komm-InsO/Gan­ter, 2. Aufl. § 47 Rn. 395; Münch­Komm-InsO/­Füchs­l/Weis­häupl, aaO § 149 Rn. 14; Lwow­ski in Schimansky/​Bunte/​Lwowski, Bank­rechts-Hand­buch 3. Aufl. § 38 Rn. 2[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 15. Dezem­ber 1994 – IX ZR 252/​93, ZIP 1995, 225; v. 20. Sep­tem­ber 2007 – IX ZR 91/​06, ZIP 2007, 2279, 2280 Rn. 10; Münch­Komm-InsO/­Füchs­l/ Weis­häupl, aaO; Graf-Schli­cker/­Kalk­mann, InsO § 149 Rn. 7; Braun/​Bäuerle, InsO 3. Aufl. § 55 Rn. 48; Kreft, Fest­schrift für F. Merz S. 313, 326; Fuest ZIn­sO 2006, 464, 466[]
  3. Münch­Komm-InsO/­Füchs­l/Weis­häupl, aaO Rn. 12; Voigt-Salus/­Pape in Mohrbutter/​Ringstmeier, Hand­buch der Insol­venz­ver­wal­tung 8. Aufl. § 21 Rn. 117 ff[]