Fern­ab­satz­ge­schäf­te – und die Beweis­last des Ver­brau­chers

Die Dar­le­gungs- und Beweis­last für die aus­schließ­li­che Ver­wen­dung von Fern­kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln beim Ver­trags­schluss trägt nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen der Ver­brau­cher 1. Soweit die aus­schließ­li­che Ver­wen­dung von Fern­kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln beim Ver­trags­schluss fest­steht, hat der Unter­neh­mer dar­zu­le­gen und gege­be­nen­falls zu bewei­sen, dass dem Ver­trags­schluss ein per­sön­li­cher Kon­takt vor­aus­ge­gan­gen ist, oder dass der Ver­trag nicht im Rah­men eines für den Fern­ab­satz orga­ni­sier­ten Ver­triebs- oder Dienst­leis­tungs­sys­tems erfolgt ist.

Fern­ab­satz­ge­schäf­te – und die Beweis­last des Ver­brau­chers

Im vor­lie­gen­den Fall schei­ter­te die Qua­li­fi­ka­ti­on der Ver­trags­er­klä­rung als Fern­ab­satz­ver­trag aller­dings nicht an feh­len­dem Vor­trag der Ver­brau­che­rin dazu, dass auch die Ver­trags­an­bah­nung ohne Anwe­sen­heit bei­der Par­tei­en erfolgt ist. Zwar ist es denk­bar, die Pha­se der Ver­trags­an­bah­nung in die Beur­tei­lung der Fra­ge ein­zu­be­zie­hen, ob ein Ver­trag unter aus­schließ­li­cher Ver­wen­dung von Fern­kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln abge­schlos­sen wird. Es mag der Annah­me eines Fern­ab­satz­ver­tra­ges im Hin­blick auf den gesetz­li­chen Schutz­zweck im Ein­zel­fall ent­ge­gen­ste­hen, wenn es wäh­rend der Ver­trags­an­bah­nung zu einem per­sön­li­chen Kon­takt zwi­schen den Ver­trags­par­tei­en gekom­men ist 2.

Soweit aller­dings – wie im Streit­fall – die aus­schließ­li­che Ver­wen­dung von Fern­kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln beim Ver­trags­schluss fest­steht, hat der Unter­neh­mer dar­zu­le­gen und gege­be­nen­falls zu bewei­sen, dass dem Ver­trags­schluss ein per­sön­li­cher Kon­takt vor­aus­ge­gan­gen ist 3. Ent­spre­chen­des gilt für den gesetz­lich als Aus­nah­me­tat­be­stand for­mu­lier­ten Fall, dass der Ver­trag nicht im Rah­men eines für den Fern­ab­satz orga­ni­sier­ten Ver­triebs- oder Dienst­leis­tungs­sys­tems erfolgt ist 4. Sol­che Umsätnde hat­te die die danach dar­le­gungs- und beweis­be­las­te­te Ver­brau­che­rin hier jedoch nicht vor­ge­tra­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Novem­ber 2015 – I ZR 168/​14

  1. vgl. zum Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen eines Haus­tür­ge­schäfts im Sin­ne des § 312 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BGB aF BGH, Urteil vom 22.05.2012 – II ZR 14/​10, NJW 2013, 155 Rn.19 mwN[]
  2. vgl. MünchKomm-.BGB/Wendehorst, 6. Aufl., § 312b Rn. 53 f.; Palandt/​Grüneberg, BGB, 75. Aufl., § 312c Rn. 4[]
  3. vgl. MünchKomm-.BGB/Wendehorst aaO § 312b Rn. 67 f.; Palandt/​Grüneberg aaO § 312c Rn. 4[]
  4. vgl. MünchKomm-.BGB/Wendehorst aaO § 312b Rn. 68; Palandt/​Grüneberg aaO § 312c Rn. 6[]