Fern­wär­me für das Woh­nungs­ei­gen­tum – und die Behei­zung der Ver­kehrs­flä­chen

Eine natio­na­le Rege­lung, wonach die Eigen­tü­mer einer Woh­nung in einem in Mit­ei­gen­tum ste­hen­den Gebäu­de, das an ein Fern­wär­me­netz ange­schlos­sen ist, ver­pflich­tet sind, sich an den Kos­ten des Wär­me­en­er­gie­ver­brauchs der gemein­schaft­li­chen Tei­le zu betei­li­gen, steht dem Uni­ons­recht nicht ent­ge­gen.

Fern­wär­me für das Woh­nungs­ei­gen­tum – und die Behei­zung der Ver­kehrs­flä­chen

So hat der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens aus Bul­ga­ri­en ent­schie­den. Außer­dem hat der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on für Recht erkannt, dass die Richt­li­ni­en 2006/​32[1] und 2012/​27[2] über Ener­gie­ef­fi­zi­enz der Rege­lung nicht ent­ge­gen­ste­hen, dass die Abrech­nun­gen über die­sen Ver­brauch für jeden Eigen­tü­mer einer Woh­nung in einem in Mit­ei­gen­tum ste­hen­den Gebäu­de pro­por­tio­nal zum beheiz­ten Volu­men sei­ner Woh­nung erstellt wer­den.

Die Aus­gangs­rechts­strei­tig­kei­ten ste­hen im Kon­text zwei­er Kla­gen auf Zah­lung von Abrech­nun­gen, die an die Eigen­tü­mer einer Woh­nung in in Mit­ei­gen­tum ste­hen­den Gebäu­den adres­siert sind und sich auf den Ver­brauch von Wär­me­en­er­gie der inter­nen Anla­ge und der gemein­schaft­li­chen Tei­le die­ser Gebäu­de bezie­hen, nach­dem die­se Eigen­tü­mer die Beglei­chung die­ser Abrech­nun­gen ver­wei­gern. Die­se Eigen­tü­mer sind näm­lich der Ansicht, dass ihr Gebäu­de zwar auf­grund eines zwi­schen der Eigen­tü­mer­ge­mein­schaft und dem Wär­me­en­er­gie­ver­sor­ger geschlos­se­nen Ver­sor­gungs­ver­trags über ein Fern­wär­me­netz ver­sorgt wer­de, sie jedoch nicht indi­vi­du­ell in die Ver­sor­gung mit Fern­wär­me ein­ge­wil­ligt hät­ten und die­se in ihren Eigen­tums­woh­nun­gen nicht nutz­ten. Es stellt sich daher die Fra­ge, ob die Richt­li­ni­en 2011/​83 über die Rech­te der Ver­brau­cher [3] und 2005/​29 über unlau­te­re Geschäfts­prak­ti­ken [4] einer natio­na­len Rege­lung ent­ge­gen­ste­hen.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on die Aus­le­gung des Begriffs „Ver­brau­cher“ im Sin­ne der Richt­li­nie 2011/​83 (Art.2 Abs.1 der Richt­li­nie 2011/​83) näher defi­niert: Unter die­sen Begriff fal­len die Eigen­tü­mer und die Inha­ber eines ding­li­chen Rechts bezüg­lich der Nut­zung einer Woh­nung in einem in Mit­ei­gen­tum ste­hen­den Gebäu­de, das an ein Fern­wär­me­netz ange­schlos­sen ist, in ihrer Eigen­schaft als Kun­den eines Ener­gie­ver­sor­gers, soweit sie nicht gewerb­lich oder beruf­lich täti­ge natür­li­che Per­so­nen sind. Dar­aus hat der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on abge­lei­tet, dass die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Rede ste­hen­den Ver­trä­ge über die Lie­fe­rung von Fern­wär­me in die Kate­go­rie der zwi­schen Unter­neh­mern und Ver­brau­chern geschlos­se­nen Ver­trä­ge im Sin­ne von Art.3 Abs.1 der Richt­li­nie 2011/​83 fal­len.

Wei­ter­hin hat der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on den Begriff „unbe­stell­te Lie­fe­rung“ von Waren im Sin­ne von Art.27 der Richt­li­nie 2011/​83 prä­zi­siert, indem er dar­auf hin­ge­wie­sen hat, dass die Ver­sor­gung der inter­nen Anla­ge und folg­lich der gemein­schaft­li­chen Tei­le eines in Mit­ei­gen­tum ste­hen­den Gebäu­des mit Wär­me­en­er­gie, die infol­ge einer von der Eigen­tü­mer­ge­mein­schaft des Gebäu­des gemäß dem natio­na­len Recht ange­nom­me­nen Ent­schei­dung, die­ses Gebäu­de an die Fern­wär­me anzu­schlie­ßen, erfolgt, kei­ne unbe­stell­te Lie­fe­rung von Fern­wär­me dar­stellt.

Schließ­lich hat sich der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on zur Metho­de der Abrech­nung des Wär­me­en­er­gie­ver­brauchs in in Mit­ei­gen­tum ste­hen­den Gebäu­den geäu­ßert. Er hat dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Mit­glied­staa­ten gemäß der Richt­li­nie 2006/​3 (Art.13 Abs.2 der Richt­li­nie 2006/​32) sicher­stel­len, dass alle End­kun­den u.a. in den Berei­chen Strom und Fern­hei­zung indi­vi­du­el­le Zäh­ler erhal­ten, die den tat­säch­li­chen Ener­gie­ver­brauch genau wider­spie­geln, wenn dies tech­nisch mach­bar ist. Nach Ansicht des Gerichts­hofs scheint es jedoch schwer vor­stell­bar, dass die Abrech­nun­gen bezüg­lich der Hei­zung in in Mit­ei­gen­tum ste­hen­den Gebäu­den, ins­be­son­de­re was die inter­ne Anla­ge und die gemein­schaft­li­chen Tei­le anbe­langt, voll­stän­dig indi­vi­dua­li­siert wer­den kann, da die Woh­nun­gen eines sol­chen Gebäu­des auf­grund des­sen, dass die Wär­me zwi­schen den beheiz­ten und den weni­ger beheiz­ten Ein­hei­ten zir­ku­liert, in ther­mi­scher Hin­sicht nicht von­ein­an­der unab­hän­gig sind.

Unter die­sen Umstän­den ist der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on zu dem Ergeb­nis gelangt, dass die Richt­li­ni­en 2006/​32[1] und 2012/​27[2] ange­sichts des wei­ten Gestal­tungs­spiel­raums, über den die Mit­glied­staa­ten hin­sicht­lich der Metho­de zur Berech­nung des Wär­me­en­er­gie­ver­brauchs in in Mit­ei­gen­tum ste­hen­den Gebäu­den ver­fü­gen, dem nicht ent­ge­gen­steht, dass die Berech­nung der von der inter­nen Anla­ge eines sol­chen Gebäu­des abge­ge­be­nen Wär­me pro­por­tio­nal zum beheiz­ten Volu­men der jewei­li­gen Woh­nung erfolgt.

Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on, Urteil vom 5. Dezem­ber 2019 – C ‑708/​17 – EVN Bul­ga­ria Toplofikatsia/​Nikolina Ste­fa­no­va Dimitro­va und C ‑725/​17 – Toplo­fi­katsia Sofia/​Mitko Simeo­nov Dimitrov

  1. Richt­li­nie 2006/​32/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 05.April 2006 über End­ener­gie­ef­fi­zi­enz und Ener­gie­dienst­leis­tun­gen und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 93/​76/​EWG des Rates; ABl.2006, L114, S.64; Art.13 Abs.2[][]
  2. Richt­li­nie 2012/​27/​EU des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 25.Oktober 2012 zur Ener­gie­ef­fi­zi­enz, zur Ände­rung der Richt­li­ni­en 2009/​125/​EG und 2010/​30/​EU und zur Auf­he­bung der Richt­li­ni­en 2004/​8/​EG und 2006/​32/​EG; ABl.2012, L315, S.1; Art.10 Abs.1[][]
  3. Richt­li­nie 2011/​83/​EU des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 25.10.2011 über die Rech­te der Ver­brau­cher, zur Abän­de­rung der Richt­li­nie 93/​13/​EWG des Rates und der Richt­li­nie 1999/​44/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates sowie zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 85/​577/​EWG des Rates und der Richt­li­nie 97/​7/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates; ABl.2011, L304, S.64; Art.27[]
  4. Richt­li­nie 2005/​29/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 11.Mai 2005 über unlau­te­re Geschäfts­prak­ti­ken im bin­nen­markt­in­ter­nen Geschäfts­ver­kehr zwi­schen Unter­neh­men und Ver­brau­chern und zur Ände­rung der Richt­li­nie 84/​450/​EWG des Rates, der Richt­li­ni­en 97/​7/​EG, 98/​27/​EG und 2002/​65/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates sowie der Ver­ord­nung (EG) Nr.2006/2004 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates (Richt­li­nie über unlau­te­re Geschäfts­prak­ti­ken); ABl.2005, L149, S22; Art.5 Abs.1 und 5[]