Fest­stel­lung der Echt­heit einer Urkun­de

Ein Inter­es­se an der Fest­stel­lung der Echt­heit einer Urkun­de besteht, wenn zwi­schen den Betei­lig­ten mög­li­che Rechts­be­zie­hun­gen bestehen, aus denen sich Ansprü­che ablei­ten kön­nen.

Fest­stel­lung der Echt­heit einer Urkun­de

Eine „Emp­fangs­be­stä­ti­gung Quit­tung“ ist eine Pri­vat­ur­kun­de 1, deren Echt­heit gemäß § 256 Abs. 1 ZPO fest­ge­stellt wer­den könn­te. § 256 Abs. 1 ZPO lässt die Fest­stel­lung der Echt­heit oder Unecht­heit einer Urkun­de zu. Im Gegen­satz zur Fest­stel­lung eines Rechts­ver­hält­nis­ses geht es hier – aus­nahms­wei­se – um die Fest­stel­lung einer Tat­sa­che, nament­lich der Fra­ge, ob die mit dem Namen einer Per­son unter­schrie­be­ne Erklä­rung tat­säch­lich von die­ser Per­son stammt oder mit deren Wil­len errich­tet wur­de 2. Die Fest­stel­lung ergänzt inso­weit das selb­stän­di­ge Beweis­ver­fah­ren nach §§ 485 ff. ZPO 3. Bedeu­tend ist sodann die recht­li­che Wir­kung der Urkun­de 4.

Vor­aus­set­zung für die Zuläs­sig­keit eines Fest­stel­lungs­an­trags gemäß § 113 Abs. 1 Satz 2 FamFG in Ver­bin­dung mit § 256 Abs. 1 ZPO ist das recht­li­che Inter­es­se des Antrag­stel­lers, dass die Echt­heit der Urkun­de durch rich­ter­li­che Ent­schei­dung als­bald fest­ge­stellt wird 5. Die Dar­le­gungs- und Beweis­last für die Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zung trägt der Antrag­stel­ler 6.

Ein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se ist gege­ben, wenn dem Recht oder der Rechts­la­ge eine gegen­wär­ti­ge Gefahr der Unsi­cher­heit droht und die erstreb­te gericht­li­che Ent­schei­dung geeig­net ist, die­se Gefahr zu besei­ti­gen 7.

Die das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se recht­fer­ti­gen­de, recht­li­che Unsi­cher­heit in Bezug auf die Urkun­de und Unge­wiss­heit muss zwi­schen den am Fest­stel­lungs­ver­fah­ren Betei­lig­ten bestehen 8, vor­lie­gend somit gegen­über der Antrags­geg­ne­rin. Der Antrag­stel­ler hat nur dann ein Inter­es­se an der rei­nen Tat­sa­chen­fest­stel­lung, nament­lich der Echt­heit der Urkun­de, wenn zwi­schen den Betei­lig­ten mög­li­che Rechts­be­zie­hun­gen bestehen, aus denen sich Ansprü­che ablei­ten könn­ten 9.

Die Ent­schei­dung, mit der die Echt­heit einer Urkun­de fest­ge­stellt wird, schließt den Gegen­be­weis der Unrich­tig­keit nur zwi­schen den am Fest­stel­lungs­ver­fah­ren Betei­lig­ten aus. Auf­grund der Rechts­kraft­wir­kun­gen kann die Urkun­de dann in kei­nem ande­ren Streit­ver­fah­ren zwi­schen die­sen Betei­lig­ten mehr anders gewür­digt wer­den 10. Dies bedeu­tet, dass im Fall der Fest­stel­lung der Echt­heit einer Urkun­de durch das Gericht zwar die am Fest­stel­lungs­ver­fah­ren Betei­lig­ten die Unecht­heit nicht mehr bewei­sen kön­ne, wohl aber jede ande­re Per­son die­sen Beweis füh­ren kann 11.

Die nur zwi­schen den Betei­lig­ten des Fest­stel­lungs­ver­fah­rens wir­ken­de Rechts­kraft einer Ent­schei­dung führt dazu, dass die Toch­ter des Antrag­stel­lers in einem Unter­halts­ver­fah­ren die sei­tens des Antrag­stel­lers behaup­te­te Erfül­lung der gesetz­li­chen Unter­halts­an­sprü­che wir­kungs­voll bestrei­ten könn­te – unab­hän­gig davon, ob Ansprü­che der Toch­ter gegen den Antrag­stel­ler im Wege der Leis­tungs­kla­ge gel­tend gemacht oder der Antrag­stel­ler eine nega­ti­ve Fest­stel­lung­kla­ge gegen die Toch­ter erhe­ben wür­de. Die Rechts­kraft eines Fest­stel­lungs­be­schlus­ses im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren wür­de sich hin­sicht­lich der Echt­heit der Empfangsbescheinigung/​Quittung gera­de nicht auf ein Rechts­ver­hält­nis zwi­schen dem Antrag­stel­ler und sei­ner Toch­ter erstre­cken. Der Antrag­stel­ler hät­te somit in einem Unter­halts­ver­fah­ren im Ver­hält­nis zu sei­ner Toch­ter kei­nen recht­li­chen Vor­teil durch die Fest­stel­lung der Echt­heit der genann­ten Urkun­de gemäß §§ 416, 440 Abs. 2 ZPO. Viel­mehr müss­te er in die­sem Ver­fah­ren die Zah­lung von 25.000 EUR auf Unter­halts­for­de­run­gen der Toch­ter bewei­sen. Der Ein­wand feh­len­der Erfül­lung wäre der Toch­ter selbst bei Fest­stel­lung der Echt­heit der Quit­tung nicht ver­wehrt.

Aus die­sem Grund kann eine Gefähr­dung einer Rechts­po­si­ti­on des Antrag­stel­lers nicht allein dar­aus abge­lei­tet wer­den, dass die Antrags­geg­ne­rin die Echt­heit der Urkun­de bestrei­tet. Denn die Unge­wiss­heit bezüg­lich der Echt­heit der Urkun­de besteht recht­lich zwi­schen dem Antrag­stel­ler und sei­ner Toch­ter. Inso­weit wäre eine gericht­li­che Fest­stel­lung gegen­über der Antrags­geg­ne­rin, dass die Emp­fangs­be­schei­ni­gung echt ist, gera­de nicht geeig­net, die Unge­wiss­heit im Ver­hält­nis zur Toch­ter zu besei­ti­gen.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 2. Juli 2012 – 18 UF 227/​10

  1. vgl. zum Begriff der Urkun­de Zöller/​Geimer, ZPO, 29. Auf­la­ge 2012, vor § 415 Rz. 2 f.[]
  2. Wieczorek/​Schütze/​Assmann, ZPO, 3. Auf­la­ge 2008, § 256 Rz. 114 Musielak/​Foerste, ZPO, 9. Auf­la­ge, § 256 Rz. 6; Stein/​Jonas/​Roth, ZPO, 22. Auf­la­ge 2008, § 256 Rz. 41[]
  3. Wieczorek/​Schütze/​Assmann, a.a.O., § 256 Rz. 113[]
  4. Zöller/​Greger, a.a.O., § 256 Rz. 6[]
  5. Wieczorek/​Schütze/​Assmann, a.a.O., § 256 Rz. 117[]
  6. statt aller Wieczorek/​Schütze/​Assmann, a.a.O., § 256 Rz. 128[]
  7. BGH NJW 2010, 1877; Zöller/​Greger, a.a.O., § 256 Rz. 7; Münch­Kom­m/­Be­cker-Eber­hardt, ZPO, 3. Auf­la­ge 2008, § 256 Rz. 37[]
  8. BGH NJW 1984, 2950; Wieczorek/​Schütze/​Assmann, a.a.O., § 256 Rz. 118, 151; Zöller/​Greger, a.a.O., § 256 Rz. 7[]
  9. RGZ 148, 29, 31 f.[]
  10. RGZ 148, 29, 31; Zöller/​Greger, a.a.O., § 256 Rz. 6, 19; Rosenberg/​Schwab/​Gottwald, ZPO, 17. Auf­la­ge 2010, § 90 Rz. 2; Baumbach/​Lauterbach/​Albers/​Hartmann, ZPO, 70. Auf­la­ge 2012, § 256 Rz. 107; Münch­Kom­m/­Be­cker-Eber­hard, ZPO, 3. Auf­la­ge 2010, § 256 Rz. 27; Stein/​Jonas/​Roth, a.a.O., § 256 Rz. 42[]
  11. Baumbach/​Lauterbach/​Albers/​Hartmann, a.a.O., § 256 Rz. 107[]