Fit­ness­stu­dio ‑und die außer­or­dent­li­che Ver­trags­kün­di­gung wegen Krank­heit

Eine außer­or­dent­li­che, frist­lo­se Kün­di­gung eines Fit­ness­stu­dio­ver­tra­ges ist wirk­sam, wenn dem Kun­den eine Fort­set­zung des Ver­tra­ges nicht zumut­bar ist. Das kann bei einer Erkran­kung der Fall sein, durch die eine Inan­spruch­nah­me wesent­li­cher Leis­tun­gen des Fit­ness­stu­di­os auf unbe­stimm­te Zeit unmög­lich ist. Vor­er­kran­kun­gen sind dann ohne Belang, wenn im Zeit­punkt des Ver­trags­ab­schlus­ses die zur Kün­di­gung füh­ren­den Beschwer­den nicht vor­han­den war und das Auf­tre­ten für den Kun­den unvor­her­seh­bar war.

Fit­ness­stu­dio ‑und die außer­or­dent­li­che Ver­trags­kün­di­gung wegen Krank­heit

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Fran­ken­thal in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kün­di­gung eines Fit­ness­stu­dio­kun­den als wirk­sam ange­se­hen und die Kla­ge der Betrei­be­rin des Fit­ness­stu­di­os wegen Zah­lung der aus­ste­hen­den Mit­glieds­bei­trä­ge abge­wie­sen.

Die Par­tei­en schlos­sen am 17.10.2017 für die Zeit ab dem 20.11.2017 einen Mit­glieds­ver­trag über die Nut­zung des von der Klä­ge­rin betrie­be­nen Fit­ness­stu­di­os in Fran­ken­thal, des­sen Lauf­zeit zunächst auf 104 Wochen begrenzt war. Der Beklag­te litt zu die­sem Zeit­punkt u.a. an Bewe­gungs­ein­schrän­kun­gen im Rücken auf­grund einer ope­ra­ti­ven Ver­stei­fung der Wir­bel­säu­le, dege­ne­ra­ti­ven HWS-Ver­än­de­run­gen sowie Arthro­se in den Knien.

Dar­auf­hin einig­ten sich die Par­tei­en Ende August 2018 auf ein „Ruhen“ des Ver­tra­ges für 52 Tage, wodurch sich die Lauf­zeit des Ver­tra­ges bis zum 24.02.2020 ver­län­ger­te. Mit anwalt­li­chem Schrei­ben vom 31.10.2018 erklär­te der Beklag­te die krank­heits­be­ding­te außer­or­dent­li­che Kün­di­gung des Ver­tra­ges mit der Klä­ge­rin unter Bezug­nah­me auf ein ärzt­li­ches Attest vom 15.10.2018. Auf die Kla­ge der Klä­ge­rin wegen Zah­lung der aus­ste­hen­den Mit­glieds­bei­trä­ge erwi­der­te der Beklag­te, sein gesund­heit­li­cher Zustand habe sich nach Abschluss des Ver­tra­ges im Som­mer 2018 erheb­lich ver­schlech­tert. So sei­en sei­ne chro­ni­schen, arthro­se­be­ding­ten Beschwer­den im lin­ken Knie schlim­mer gewor­den, vor allem aber sei­en Krib­beln und Taub­heits­ge­füh­le im lin­ken Arm (Par­äs­the­sie) hin­zu­ge­kom­men, die es ihm unmög­lich mach­ten, die von der Klä­ge­rin zur Ver­fü­gung gestell­ten Fit­ness­ge­rä­te zu nut­zen, was im Übri­gen auch aus medi­zi­ni­scher Sicht nicht ange­ra­ten sei.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Amts­ge­richt Fran­ken­thal deut­lich zum Aus­druck gebracht, dass die Fort­füh­rung des Ver­tra­ges bis zum ver­trag­lich vor­ge­se­he­nen Kün­di­gungs­zeit­punkt im Febru­ar 2020 ohne Nut­zungs­mög­lich­keit wesent­li­cher Ele­men­te der ver­trag­li­chen Leis­tun­gen, näm­lich des über­wie­gen­den Teils der zur Ver­fü­gung gestell­ten Trai­nings­ge­rä­te, für den Beklag­ten nicht zumut­bar war, zumal es ihm nach sei­nen plau­si­blen Anga­ben ja gera­de auf die Nut­zung der Gerä­te zum Zwe­cke der Unter­stüt­zung der Ober­kör­per­mus­ku­la­tur auf­grund der vor­han­de­nen Vor­er­kran­kun­gen ankam.

Aus die­sen Grün­den hat das Amts­ge­richt Fran­ken­thal ent­schie­den:

1. Die außer­or­dent­li­che, frist­lo­se Kün­di­gung eines als Dau­er­schuld­ver­hält­nis ein­zu­stu­fen­den Fit­ness­stu­dio­ver­tra­ges ist wirk­sam, sofern dem Kun­den unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de des Ein­zel­falls und unter Abwä­gung der bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen eine Fort­set­zung des Ver­tra­ges nicht zumut­bar ist.

2. a) Dies kann ins­be­son­de­re bei einer Erkran­kung des Kun­den der Fall sein, die ihm die Inan­spruch­nah­me wesent­li­cher Leis­tun­gen des Fit­ness­stu­di­os auf unbe­stimm­te Zeit unmög­lich macht.
b) Dabei spie­len Vor­er­kran­kun­gen des Kun­den jeden­falls dann kei­ne Rol­le, wenn die zur Kün­di­gung füh­ren­den Beschwer­den zum Zeit­punkt des Ver­trags­ab­schlus­ses nicht bestan­den und das Auf­tre­ten für den Kun­den nicht vor­her­seh­bar war.

Amts­ge­richt Fran­ken­thal, Urteil vom 5. Juni 2020 – 3c C 51/​19