Fit­ness­stu­dio – und die Kün­di­gung des Ver­tra­ges

Legt der Kun­de eines Fit­ness­stu­di­os für sei­ne Kün­di­gung ledig­lich ein Attest vor, in dem all­ge­mein von gesund­heit­li­chen Grün­den die Rede ist, führt das zu einer unwirk­sa­men frist­lo­sen Kün­di­gung.

Fit­ness­stu­dio – und die Kün­di­gung des Ver­tra­ges

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Frank­furt am Main in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Kla­ge eines Fit­ness­stu­di­os statt­ge­ge­ben, den aus­ste­hen­den Bei­trag zu zah­len. Der Fit­ness­stu­dio­be­trei­ber klag­te gegen einen Kun­den auf rück­stän­di­ge Mit­glieds­ent­gel­te i.H.v. ca. 1500,00 Euro. Der Kun­de berief sich dar­auf, dass er den Ver­trag aus „gesund­heit­li­chen Grün­den“ frist­los gekün­digt hat­te. Was ihm genau fehl­te, blieb im Ver­fah­ren offen. Der Beklag­te leg­te ledig­lich ein Attest vor, dass ihm ent­spre­chend „gesund­heit­li­che Grün­de“ beschei­nig­te.

Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Frank­furt a.M. hat­te der Beklag­te nach­zu­wei­sen, dass er tat­säch­lich aus medi­zi­ni­schen Grün­den an der Fit­ness­stu­dio­nut­zung gehin­dert war. Hier­zu ist klar­zu­stel­len, dass die Kün­di­gungs­er­klä­rung inhalt­lich zwar dar­auf beschränkt wer­den durf­te, auf gesund­heit­li­che Grün­de abzu­stel­len, ohne die­se kon­kret benen­nen zu müs­sen. Davon zu unter­schei­den ist die Fra­ge, ob die gesund­heit­li­chen Grün­de auch tat­säch­lich vor­la­gen. Dies kann nur anhand einer kon­kre­ten Erkran­kung geprüft wer­den; also ob der Beklag­te an einer Krank­heit litt, die es ihm ver­wehrt hat, sich im Fit­ness­stu­dio sport­lich zu betä­ti­gen.

Das Attest ent­hält nur eine pau­scha­le Beschei­ni­gung, dass der Beklag­te „aus gesund­heit­li­chen Grün­den“ nicht am Sport im Fit­ness­stu­dio teil­neh­men kön­ne. Das ist nichts­sa­gend, weil aus dem Attest nicht kon­kret her­vor­geht, wel­che gesund­heit­li­chen Grün­de ein Fit­ness­trai­ning hin­dern sol­len, und die Aus­wir­kun­gen bezie­hungs­wei­se Risi­ken der unbe­kann­ten Erkran­kung so nicht geprüft wer­den kön­nen.

Ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten muss­te auch nicht von Amts wegen ein­ge­holt wer­den (vgl. §144 Abs. 1 S. 1 ZPO). Grund­sätz­lich darf das Gericht die Initia­ti­ve den Par­tei­en über­las­sen. Eine Par­tei darf des­halb regel­mä­ßig nicht erwar­ten, das Gericht wer­de von Amts wegen eine Beweis­an­ord­nung tref­fen.

Ist also nicht bewie­sen, dass der Kun­de aus gesund­heit­li­chen Grün­den nicht in der Lage war, ein Fit­ness­stu­dio zu benut­zen, war er zu einer frist­lo­sen Kün­di­gung aus wich­ti­gem Grund (§ 314 Abs. 1 BGB) nicht berech­tigt. Der Ver­trag besteht für den streit­be­fan­ge­nen Zeit­raum unge­kün­digt fort. Die außer­or­dent­li­che Kün­di­gung des Beklag­ten ist nicht wirk­sam.

Amts­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 25. Sep­tem­ber 2019 – 31 C 2619/​19