Fle­xi­ble Preis­an­ga­ben in Rei­se­ka­ta­lo­gen

Ein "tages­ak­tu­el­les Preis­sys­tem", bei dem sich der Rei­se­ver­an­stal­ter in sei­nem Pro­spekt für die Zeit bis zur Buchung Flug­ha­fen­zu- und ‑abschlä­ge bis zu 50 € für jede Flug­stre­cke vor­be­hält, ver­stößt nach einem heu­te ver­kün­de­ten Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs nicht gegen gel­ten­des Preis­recht.

Fle­xi­ble Preis­an­ga­ben in Rei­se­ka­ta­lo­gen

Die Zen­tra­le zur Bekämp­fung unlau­te­ren Wett­be­werbs hat­te den Rei­se­ver­an­stal­ter TUI wegen der Preis­an­ga­ben in einem Pro­spekt für Pau­schal­rei­sen vor allem an die Cos­ta del Sol ver­klagt. In dem Pro­spekt wur­de im Zusam­men­hang mit der Anga­be der Kos­ten für den Hotel­auf­ent­halt und den Flug auf eine Über­sicht Bezug genom­men, aus der sich für ein bestimm­tes Rei­se­ziel – je nach aus­ge­wähl­tem Hotel, Zim­mer­ka­te­go­rie und Rei­se­zeit – ein Grund­preis ergab. Hin­sicht­lich der Zu- oder Abschlä­ge für den jewei­li­gen Abflug­ha­fen ver­wies der Pro­spekt dar­auf, dass sich der Rei­se­preis je nach Buchungs­zeit­punkt und Abflug­ha­fen um 50 Euro pro Flug­stre­cke erhö­hen oder ermä­ßi­gen kön­ne. Die­se Zu- oder Abschlä­ge könn­ten tages­ak­tu­ell beim Rei­se­bü­ro erfragt wer­den. Nach Ansicht der Wett­be­werbs­zen­tra­le ver­stößt TUI damit gegen das gel­ten­de Preis­recht, weil der Ver­brau­cher dem Pro­spekt kei­nen ver­bind­li­chen Rei­se­preis ent­neh­men kön­ne.

Das von der Wett­be­werbs­zen­tra­le ange­ru­fe­ne Land­ge­richt Han­no­ver hat den Rei­se­ver­an­stal­ter TUI antrags­ge­mäß auf Unter­las­sung ver­ur­teilt 1, auf die Beru­fung von TUI hat das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le das land­ge­richt­li­che Urteil jedoch auf­ge­ho­ben und die Kla­ge abge­wie­sen 2. Der Bun­des­ge­richts­hof hat das Beru­fungs­ur­teil des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le heu­te im Ergeb­nis bestä­tigt und die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on der Wett­be­werbs­zen­tra­le zurück gewie­sen:

Zwar hält der Bun­des­ge­richts­hof die bean­stan­de­te Wer­bung nicht bereits, wie das OLG Cel­le, des­halb für zuläs­sig, weil ein­zel­ne vom Ver­brau­cher zu tra­gen­de Preis­kom­po­nen­ten zum Zeit­punkt der Wer­bung noch nicht bekannt waren. jedoch sieht der Bun­des­ge­richts­hof in der bean­stan­de­ten TUI-Wer­bung einen Preis­an­pas­sungs­vor­be­halt ent­hal­ten, der jeden­falls nach der seit 1. Novem­ber 2008 gel­ten­den Rege­lung in § 4 Abs. 2 Satz 2 und 3 BGB-InfoV zuläs­sig ist.

Ein sol­cher Preis­an­pas­sungs­vor­be­halt ermög­licht den Rei­se­ver­an­stal­tern bei kata­log­ba­sier­ten Ange­bo­ten eine grö­ße­re Preis­fle­xi­bi­li­tät, wie sie beim Inter­net­ver­trieb ohne wei­te­res besteht. TUI hat sich in dem bean­stan­de­ten Pro­spekt eine Preis­än­de­rung nur in beschränk­tem Aus­maß von maxi­mal 50 € pro Flug­stre­cke und auch nur hin­sicht­lich der Flug­ha­fen­zu- und abschlä­ge vor­be­hal­ten. Auf den Umstand, dass sich die end­gül­ti­gen Prei­se in die­sem Rah­men noch vor der Buchung ändern könn­ten, wur­de nach Ansicht des BGH mit aus­rei­chen­der Deut­lich­keit hin­ge­wie­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. April 2010 – I ZR 23/​08 – Cos­ta del Sol

  1. LG Han­no­ver, Urteil vom 05.09.2007 – 23 O 156/​06[]
  2. OLG Cel­le, Urteil vom 24.01.2008 – 13 U 180/​07, VuR 2008, 223[]