Flie­gen­de Pra­li­nen­schach­teln beim Kar­ne­vals­um­zug

Platz­wun­den beim Kar­ne­vals­um­zug, die dadurch her­vor­ge­ru­fen wer­den, dass von einem Kar­ne­vals­wa­gen aus mit einem Pra­li­nen­kar­ton gewor­fen wur­de, gege­ben dem geschä­dig­ten Besu­cher weder gegen den Wer­fer noch gegen den Ver­an­stal­ter einen Scha­dens­er­satz- oder Schmer­zens­geld­an­spruch.

Flie­gen­de Pra­li­nen­schach­teln beim Kar­ne­vals­um­zug

Denn hier­bei hat sich nach Ansicht des Amts­ge­richts Aachen nur ein Ver­let­zungs­ri­si­ko ver­wirk­licht, in wel­ches der Besu­cher durch sei­ne Anwe­sen­heit beim Rosen­mon­tags­um­zug ein­ge­wil­ligt hat­te.

Es ist all­ge­mein bekannt, dass bei Kar­ne­vals­um­zü­gen von den Fest­wa­gen aus Gegen­stän­de unter die Zuschau­er gewor­fen wer­den. Dass hier­durch für die Zuschau­er das Risi­ko besteht, von einem der­ar­ti­gen Gegen­stand auch ver­letzt zu wer­den, kann auch dem geschä­dig­tem Besu­cher nicht unbe­kannt geblie­ben sein. Wenn er gleich­wohl als Zuschau­er einen Kar­ne­vals­um­zug ansieht, wil­ligt er hier­durch kon­klu­dent in ein der­ar­ti­ges Ver­let­zungs­ri­si­ko ein. Wenn er dann tat­säch­lich durch einen der­art gewor­fe­nen Gegen­stand ver­letzt wird, kann er dar­aus jeden­falls kei­ne Scha­dens­er­satz­an­sprü­che ablei­ten.

Dar­an ändert auch auch der Umstand nichts, dass bis­lang ledig­lich mit Kamel­le gewor­fen wor­den ist, ande­re Gegen­stän­de dage­gen, wenn über­haupt, nur von den Wagen an Zuschau­er her­un­ter­ge­reicht, nicht aber in die Zuschau­er­men­ge gewor­fen wur­den.

Die­ser Argu­men­ta­ti­on kann bereits des­halb nicht gefolgt wer­den, weil der Besu­cher dabei gera­de auf beson­de­re, dem Gericht im übri­gen nicht bekann­te Gepflo­gen­hei­ten nur im kon­kre­ten Ort abstellt. Maß­geb­lich zur Beur­tei­lung der Situa­ti­on, in wel­che der Besu­cher durch sei­ne Anwe­sen­heit ein­ge­wil­ligt hat, ist nicht nur die­ser kon­kre­te Ort, son­dern das gesam­te Rhein­land. Ansons­ten wären etwa Fäl­le mit Umzugs­be­su­chern aus dem Umland anders zu beur­tei­len als mit Orts­an­säs­si­gen. Im Rhein­land aber ist es üblich, außer mit Kamel­le auch mit ande­ren Gegen­stän­den wie etwa Pra­li­nen­schach­teln oder Scho­ko­la­de­ta­feln zu wer­fen. Selbst wenn der Vor­trag des Besu­chers, sol­ches sei in die­sem Ort bis­her nicht der Fall gewe­sen, zutrifft, konn­te er doch nicht dar­auf ver­trau­en, dass beim Rosen­mon­tags­um­zug 2005 nun­mehr nicht auch in die­sem Ort im Anschluß an die Gepflo­gen­hei­ten der Umge­bung mit Pra­li­nen­schach­teln gewor­fen wird. Viel­mehr lag es nahe, dass der­ar­ti­ges Wurf­gut nun­mehr auch dort ver­wen­det wird. Auch hier­in hat der Besu­cher des Kar­ne­vals­um­zugs durch sei­ne Anwe­sen­heit kon­klu­dent ein­ge­wil­ligt.

Etwas ande­res wür­de nur gel­ten, wenn Gebräu­che aus einem völ­lig ande­ren Lan­des­teil Deutsch­lands mit einer eige­nen; und vom rhei­ni­schen Kar­ne­val getrenn­ten Fast­nachts­tra­di­ti­on über­nom­men wür­den, wel­che beson­de­re und neue Gefah­ren mit sich brin­gen wür­den. Unter die­sen Umstän­den wäre ihm Recht zu geben, dass eine Ein­wil­li­gung in die­se Gefah­ren nicht vor­ge­le­gen hät­te. Dies aber ist mit dem Wer­fen von Pra­li­nen­kar­tons nicht gleich­zu­set­zen.

Amts­ge­richt Aachen – Urteil vom 10. Novem­ber 2005 – 13 C 250/​05