Förm­li­che Zustel­lung durch pri­va­te Post­un­ter­neh­men

Der Bun­des­ge­richts­hof hat dem Ein­wand, es lie­ge kei­ne Zustel­lungs­ur­kun­de im Sin­ne von § 182 ZPO mit der Beweis­wir­kung des § 418 ZPO vor, weil nicht ersicht­lich sei, dass das mit der Zustel­lung beauf­trag­te Unter­neh­men nach § 33 Abs. 1 PostG belie­hen sei, eine Abfuhr erteilt.

Förm­li­che Zustel­lung durch pri­va­te Post­un­ter­neh­men

Der Bun­des­ge­richts­hof hat zwar die Ein­hal­tung der Frist des § 575 Abs. 1 Satz 1 ZPO und damit auch den Zeit­punkt der Zustel­lung des ange­foch­te­nen Beschlus­ses von Amts wegen zu prü­fen (§ 577 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Prü­fung von Amts wegen bedeu­tet aber nicht Amts­er­mitt­lung der Tat­sa­chen und Erfor­schung der Wahr­heit wie beim Unter­su­chungs­grund­satz 1.

Die Prü­fung von Amts wegen beschränkt sich viel­mehr auf den dem Gericht vor­lie­gen­den oder offen­kun­di­gen Pro­zess­stoff 2.

Hier­aus erge­ben sich im vor­lie­gen­den Fall kei­ner­lei Anhalts­punk­te dafür, dass das Beru­fungs­ge­richt ent­ge­gen § 168 Abs. 1 Satz 2 ZPO einen nicht nach § 33 Abs. 1 PostG belie­he­nen Unter­neh­mer mit der Aus­füh­rung der Zustel­lung beauf­tragt haben könn­te. Nähe­res trägt der Klä­ger nicht vor.

Erleich­te­run­gen sei­ner Dar­le­gungs­last, wie sie bei gerichts­in­ter­nen Vor­gän­gen gebo­ten sein kön­nen 3, kom­men nicht in Betracht, da das Post­un­ter­neh­men in der Zustel­lungs­ur­kun­de benannt wird und damit auch dem Klä­ger bekannt ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Febru­ar 2020 – IV ZB 29/​18

  1. RGZ 160, 338, 346 f., 348[]
  2. BGH, Urtei­le vom 20.01.1989 – V ZR 173/​87, NJW 1989, 2064 17]; vom 11.02.1982 – III ZR 39/​81, NJW 1982, 1467 15]; vom 05.11.1975 – VIII ZR 73/​75, NJW 1976, 149 9]; Münch­Komm-ZPO/­Rau­scher, 5. Aufl. Einl. Rn. 350; Brehm in Stein/​Jonas, ZPO 23. Aufl. Einl. Rn. 257[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 08.10.2013 – VIII ZB 13/​13, NJW-RR 2014, 179 Rn. 10, 13 f. m.w.N.[]