Förm­lich­kei­ten der Urteils­ver­kün­dung – und das Pro­to­koll

Nach § 165 Satz 1 ZPO kann die Beach­tung der für die münd­li­che Ver­hand­lung vor­ge­schrie­be­nen Förm­lich­kei­ten nur durch das Pro­to­koll bewie­sen wer­den.

Förm­lich­kei­ten der Urteils­ver­kün­dung – und das Pro­to­koll

Zu die­sen Förm­lich­kei­ten gehört auch der Auf­ruf zur Sache, § 220 Abs. 1 ZPO. Er ist nach § 160 Abs. 1 Nr. 1 bzw. Abs. 2 ZPO zu pro­to­kol­lie­ren.

Zu den wei­te­ren Förm­lich­kei­ten gehört gemäß § 160 Abs. 3 Nr. 7 ZPO auch die Ver­kün­dung des Urteils. Grund­sätz­lich bringt die Pro­to­kol­lie­rung der Ver­kün­dung des Urteils in Ver­bin­dung mit der nach § 160 Abs. 3 Nr. 6 ZPO vor­ge­schrie­be­nen Auf­nah­me des Urteils in das Pro­to­koll Beweis dafür, dass das Urteil auch in die­sem Sin­ne ord­nungs­ge­mäß, d. h. auf der Grund­la­ge einer schrift­lich fixier­ten Urteils­for­mel ver­kün­det wor­den ist.

Ist dies gesche­hen, ist nach § 165 Abs. 2 ZPO gegen den Inhalt des Pro­to­kolls nur der Nach­weis der Fäl­schung zuläs­sig. Solan­ge die­ser Nach­weis nicht geführt ist, muss davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass ins­be­son­de­re die im Pro­to­koll ver­merk­te Ent­schei­dung ver­kün­det wor­den ist [1].

Gemäß § 220 Abs. 1 ZPO beginnt jeder ein­zel­ne Ter­min mit dem Auf­ruf zur Sache. Der Auf­ruf ist nach § 136 Abs. 1 ZPO Auf­ga­be des Vor­sit­zen­den. Not­wen­dig ist die münd­li­che Bekannt­ga­be, dass in einer bestimm­ten Rechts­sa­che in die Ver­hand­lung, Beweis­auf­nah­me etc. ein­ge­tre­ten wer­den soll. Der Auf­ruf selbst muss das Ver­fah­ren hin­rei­chend indi­vi­dua­li­sie­ren, was in der Regel durch Nen­nung der Par­tei­na­men und des Akten­zei­chens geschieht. Dies ist indes nicht zwin­gend. Die Art und Wei­se des Auf­ru­fes ist nicht vor­ge­ge­ben; Richt­schnur ist, dass die Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten „effek­tiv“ in die Lage ver­setzt wer­den, den Ter­min wahr­zu­neh­men. Die Anfor­de­run­gen an die Art und Wei­se des Auf­ru­fens einer Sache hän­gen von jewei­li­gen Umstän­den ab [2].

Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Urteil vom 20. Mai 2015 – 2 Sa 944/​14

  1. BAG, 11.12 1964 – 1 AZR 55/​64 – Rn. 12[]
  2. BVerfG, 5.10.1976 – II BvR 558/​75 – BVerfGE 42, 364[]