Fol­ge­ver­öf­fent­li­chun­gen – und das Ord­nungs­geld in einem pres­se­recht­li­chen Ver­fah­ren

Wur­de einer (Zeitungs-)Verlegerin die Ver­öf­fent­li­chung eines Foto­aus­schnit­tes ver­bo­ten, kann die­ses Ver­bot auch die Ver­öf­fent­li­chung des gesam­ten Fotos umfas­sen und die Ver­hän­gung eines Ord­nungs­gel­des wegen die­ser Fol­ge­ver­öf­fent­li­chung recht­fer­ti­gen.

Fol­ge­ver­öf­fent­li­chun­gen – und das Ord­nungs­geld in einem pres­se­recht­li­chen Ver­fah­ren

So ist es für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den, dass das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main den Umstand, dass eine Ver­le­ge­rin bei der Zweit­ver­öf­fent­li­chung das gesam­te Foto, von dem sie bei der Erst­ver­öf­fent­li­chung nur einen – unter ande­rem das Gesicht der Klä­ge­rin umfas­sen­den – Aus­schnitt in ver­grö­ßer­ter Form publi­ziert hat­te, als Ver­öf­fent­li­chung eines iden­ti­schen Bild­nis­ses bewer­tet hat 1.

Die­se Fol­ge­be­richt­erstat­tung bezieht sich zwar anders als die ursprüng­li­che Bericht­erstat­tung, hin­sicht­lich derer ein rechts­kräf­ti­ges Ver­bot der Ver­öf­fent­li­chung des Fotos erging, nicht mehr auf eine Unter­stüt­zung von Fahn­dungs­maß­nah­men der Poli­zei im Zusam­men­hang mit den Aus­schrei­tun­gen beim G20-Gip­fel Anfang Juli 2017 in Ham­burg.

Aus dem Begleit­text der Fol­ge­be­richt­erstat­tung wird jedoch deut­lich, dass die Beschwer­de­füh­re­rin das Foto erneut ver­öf­fent­licht hat, weil sie das gericht­li­che, von ihr nicht mit dem Rechts­mit­tel der Beru­fung ange­grif­fe­ne Ver­öf­fent­li­chungs­ver­bot für falsch hält. Aus der Pres­se­frei­heit lässt sich indes kein Recht ablei­ten, gericht­li­che Ver­öf­fent­li­chungs­ver­bo­te mit Mit­teln der Pres­se unter­lau­fen zu kön­nen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 18. Dezem­ber 2019 – 1 BvR 957/​19

  1. OLG Frank­furt am Main, Beschlüs­se vom 29.01.2019 und 15.03.2019 – 16 W 4/​19[]