For­de­rungs­ab­tre­tung zur Ein­zie­hung

Ob eine For­de­rung zum Zweck der Ein­zie­hung auf frem­de Rech­nung abge­tre­ten wird, hängt davon ab, ob das wirt­schaft­li­che Ergeb­nis der Ein­zie­hung dem Abtre­ten­den zukom­men soll.

For­de­rungs­ab­tre­tung zur Ein­zie­hung

Hin­ter­grund die­ser Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs ist die Fra­ge, ob der Ein­zug der abge­tre­te­nen For­de­rung eine nach § 3 RDG erlaub­nis­pflich­ti­ge Inkas­so­tä­tig­keit dar­stellt. Dies ist regel­mä­ßig dann der Fall, wenn der Abtre­tungs­emp­fän­der die zedier­te For­de­rung auf Rech­nung des Zeden­ten und damit gemäß § 2 Abs. 2 Satz 1 Fall 2 RDG auf frem­de Rech­nung ein­zieht.

Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits zu der frü­he­ren Rege­lung in Art. 1 § 1 Abs. 1 RBerG ent­schie­den hat 1, kommt es für die Beja­hung der Abtre­tung einer For­de­rung ledig­lich zu Ein­zie­hungs­zwe­cken ent­schei­dend dar­auf an, ob das wirt­schaft­li­che Ergeb­nis der Ein­zie­hung dem Abtre­ten­den zukom­men soll. Hier­bei ist nicht allein auf den Wort­laut der getrof­fe­nen Ver­ein­ba­rung und die Art des geschlos­se­nen Ver­tra­ges, son­dern auf die gesam­ten die­sen zu Grun­de lie­gen­den Umstän­de und ihren wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang, also auf eine wirt­schaft­li­che Betrach­tung abzu­stel­len. Dadurch soll ver­mie­den wer­den, dass Art. 1 § 1 RBerG durch for­ma­le Anpas­sung der geschäfts­mä­ßi­gen Ein­zie­hung an den Geset­zes­wort­laut und die hier­zu ent­wi­ckel­ten Rechts­grund­sät­ze umgan­gen wird.

Anhand die­ser Maß­stä­be voll­zieht sich auch unter Gel­tung des neu­en Rechts­dienst­leis­tungs­ge­set­zes die Abgren­zung, ob eine abge­tre­te­ne For­de­rung auf eige­ne oder auf frem­de Rech­nung nach § 2 Abs. 2 Satz 1 Fall 2 RDG ein­ge­zo­gen wird 2. Ent­schei­dend ist inso­weit, ob die For­de­rung einer­seits end­gül­tig auf den Erwer­ber über­tra­gen wird und die­ser ande­rer­seits ins­be­son­de­re das Boni­täts­ri­si­ko, d.h. das vol­le wirt­schaft­li­che Risi­ko der Bei­trei­bung der For­de­rung über­nimmt 3.

Vor die­sem Hin­ter­grund sah der Bun­des­ge­richts­hof im hier ent­schie­de­nen Fall die auf die Klä­ge­rin über­tra­ge­ne For­de­rung als für sie wei­ter­hin wirt­schaft­lich fremd an:

Zwar war im Abtre­tungs­ver­trag weder eine Rück­ab­wick­lung des For­de­rungs­er­werbs bei Miss­lin­gen der pro­zes­sua­len Gel­tend­ma­chung noch eine Garan­tie des Zeden­ten für die erfolg­rei­che Bei­treib­bar­keit der For­de­rung – bei­des Indi­zi­en für eine ver­deck­te Abtre­tung zu Ein­zie­hungs­zwe­cken 4 – vor­ge­se­hen. Der Erwerb der For­de­rung durch die Klä­ge­rin ist nach den §§ 2 und 4 Abs. 1 des Ver­tra­ges end­gül­tig. Eine gewis­se Innen­bin­dung lässt sich jedoch nicht mit der Begrün­dung ver­nei­nen, die gericht­li­che Gel­tend­ma­chung der For­de­rung habe im Belie­ben der Klä­ge­rin gestan­den 5. Die Klä­ge­rin hat aus­drück­lich zuge­stan­den (§ 288 ZPO), sich gegen­über dem Zeden­ten zur Gel­tend­ma­chung ver­pflich­tet zu haben.

Aller­dings lag im hier ent­schie­de­nen Fall das Aus­fall­ri­si­ko wirt­schaft­lich betrach­tet wei­ter­hin beim Zeden­ten. Man­gels ver­trag­li­cher Rege­lung trägt zwar – anders als in der dem BGH-Urteil vom 25.11.2008 6 zugrun­de­lie­gen­den Sach­ver­halts­kon­stel­la­ti­on – allein die Klä­ge­rin die ggf. anfal­len­den Kos­ten einer erfolg­lo­sen gericht­li­chen Gel­tend­ma­chung.

Gleich­wohl ist die erfolg­rei­che Gel­tend­ma­chung der For­de­rung für den Zeden­ten von ent­schei­den­der wirt­schaft­li­cher Bedeu­tung. Er erhält nach § 3 des Ver­tra­ges vom 17./20.11.2009 nicht sofort einen von vorn­her­ein fest­ge­leg­ten Kauf­preis 7. Aller­dings wird ihm allein im Fal­le eines gericht­li­chen (Teil-)Obsiegens – das nach über­ein­stim­men­der Auf­fas­sung bei­der Par­tei­en auch von § 3 des Ver­tra­ges vom 17./20.11.2009 erfasst wird – oder eines gericht­li­chen oder außer­ge­richt­li­chen Ver­gleichs ein Anteil am For­de­rungs­er­lös aus­ge­kehrt, des­sen Höhe zudem davon abhängt, ob die Klä­ge­rin bis 50% oder mehr der abge­tre­te­nen For­de­rung rea­li­sie­ren kann und wie hoch die anzu­rech­nen­den Anwalts- und Gerichts­kos­ten sind.

Leis­tet die Beklag­te dage­gen kei­nen Ersatz an die Klä­ge­rin – sei es, weil der behaup­te­te Anspruch nicht besteht oder weil sie trotz Ver­gleichs oder Urteils zuguns­ten der Klä­ge­rin nicht zur Leis­tung imstan­de ist , tref­fen sowohl das Veri­täts- als auch das Boni­täts­ri­si­ko den Zeden­ten, der wirt­schaft­lich betrach­tet dann leer aus­geht. Er ist daher anders als beim ech­ten For­de­rungs­kauf wirt­schaft­lich wei­ter an dem Bestand und der Durch­setz­bar­keit der zedier­ten For­de­rung inter­es­siert 8, wohin­ge­gen die Klä­ge­rin – wie bei Inkas­sodienst­leis­tun­gen üblich – mit Aus­nah­me des durch eine For­de­rungs- und Schuld­ner­prü­fung begrenz­ba­ren Kos­ten­wag­nis­ses kein Risi­ko ein­geht. Die Ein­zie­hung erfolgt auch nicht des­halb auf eige­ne Rech­nung, weil die Klä­ge­rin nach § 3 des Ver­tra­ges vom 17./20.11.2009 an dem ein­ge­zo­ge­nen Betrag par­ti­zi­pie­ren soll. Die­se Ver­ein­ba­rung einer erfolgs­ab­hän­gi­gen Ver­gü­tung für die Inkas­so­tä­tig­keit ändert nichts an dem Fremd­cha­rak­ter des Geschäfts 9.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. Okto­ber 2012 – XI ZR 324/​11

  1. BGH, Urteil vom 25.11.2008 – XI ZR 413/​07, WM 2009, 259 Rn. 16 ff.[]
  2. vgl. die Geset­zes­be­grün­dung BT-Drucks. 16/​3655, S. 48 f.[]
  3. BT-Drucks. 16/​3655, S. 36, 49; Franz, Das neue Rechts­dienst­leis­tungs­ge­setz, 2008, S.20 f.; Dreyer/​Lamm/​Müller, RDG, § 2 Rn. 47; Grunewald/​Römermann, RDG, § 2 Rn. 96; Johnigk in Gaier/​Wolf/​Göcken, Anwalt­li­ches Berufs­recht, § 2 RDG Rn. 58; KleineCo­sack, Rechts­dienst­leis­tungs­ge­setz, 2. Aufl., § 2 Rn. 69; Offer­mann­Burck­art in Krenz­ler, Rechts­dienst­leis­tungs­ge­setz, § 2 Rn. 84; Unseld/​Degen, Rechts­dienst­leis­tungs­ge­setz, § 2 Rn. 32; Weth in Henssler/​Prütting, Bun­des­rechts­an­walts­ord­nung, 3. Aufl., § 2 RDG Rn. 48; vgl. auch BGH, Beschluss vom 19.07.2011 – II ZR 88/​10 [zu Art. 1 § 1 RBerG]; Urteil vom 23.01.1980 – VIII ZR 91/​79 [inso­weit nicht in BGHZ abge­druckt, zum ech­ten Fac­to­ring][]
  4. BT-Drucks. 16/​3655 S. 49; Mann, NJW 2010, 2391, 2392[]
  5. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 05.11.2004 – BLw 11/​04, WM 2005, 102[]
  6. BGH, Urteil vom 25.11.2008 – XI ZR 413/​07, WM 2009, 259 Rn. 21[]
  7. vgl. dazu BVerwG, Urteil vom 16.07.2003 – 6 C 27/​02, NJW 2003, 2767, 2768 und BGH, Urteil vom 23.01.1980 – VIII ZR 91/​79; inso­weit nicht in BGHZ abge­druckt[]
  8. vgl. BT-Drucks. 16/​3655, S. 36, 48 f.; KleineCo­sack, Rechts­dienst­leis­tungs­ge­setz, 2. Aufl., § 2 Rn. 79; OLG Frank­furt am Main, Urteil vom 24.07.2007 – 8 U 300/​06[]
  9. BGH, Urtei­le vom 05.11.2004 – BLw 11/​04, WM 2005, 102 und vom 25.11.2008 – XI ZR 413/​07, WM 2009, 259 Rn.20[]