For­mu­larzwang in der Zwangs­voll­stre­ckung – die feh­len­de Text­li­nie

Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te sich in letz­ter Zeit bereits des Öfte­ren mit Fäl­len zu befas­sen, in dem das für einen Antrag auf Erl­auss eines Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schluss ver­wen­de­te Antrags­for­mu­lar nicht haar­klein der Vor­ga­be der Zwangs­voll­stre­ckungs­for­mu­lar-Ver­ord­nung ent­sprach. Nun befand der Bun­des­ge­richts­hof erneut, dass eine klein­li­che Feh­ler­su­che durch das Voll­stre­ckungs­ge­richt nicht ange­sagt ist:

For­mu­larzwang in der Zwangs­voll­stre­ckung – die feh­len­de Text­li­nie

Im hier ent­schie­de­nen Fall hat­te sich die Gläu­bi­ge­rin eines Antrags­for­mu­lars bedient, wel­ches nicht voll­stän­dig mit dem For­mu­lar gemäß Anla­ge 2 zu § 2 Nr. 2 der Ver­ord­nung über For­mu­la­re für die Zwangs­voll­stre­ckung 1 über­ein­stimmt.

Zum Teil feh­len die in dem For­mu­lar gemäß Anla­ge 2 zu § 2 Nr. 2 ZVFV vor­ge­ge­be­nen Text­li­ni­en. Zudem wei­chen in eini­gen Berei­chen die Abmes­sun­gen der auf den ein­zel­nen Sei­ten vor­ge­ge­be­nen Rah­men sowie der ein­zel­nen Zei­len, die Grö­ße der Ankreuz­käst­chen sowie die Zei­len­ab­stän­de von dem For­mu­lar gemäß Anla­ge 2 zu § 2 Nr. 2 ZVFV ab. Das For­mu­lar ist zudem in schwarz­weiß gehal­ten und weist nicht die in dem For­mu­lar gemäß Anla­ge 2 zu § 2 Nr. 2 ZVFV vor­ge­se­he­nen grün­far­bi­gen Ele­men­te auf.

Das Amts­ge­richt Regen­burg 2 hat dar­auf­hin den Antrag auf Erlass eines Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schlus­ses als unzu­läs­sig ver­wor­fen. Die hier­ge­gen ein­ge­leg­te sofor­ti­ge Beschwer­de der Gläu­bi­ge­rin blieb vor dem Land­ge­richt Regens­burg ohne Erfolg 3. Auf ihre vom Land­ge­richt Regens­burg zuge­las­se­nen Rechts­be­schwer­de hob der Bun­des­ge­richts­hof nun die Regens­bur­ger Ent­schei­dun­gen auf und ver­pflich­te­te das Amts­ge­richt zur erneu­ten Beschei­dung des Antrags:

Der Antrag auf Erlass des Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schlus­ses kann nicht mit der vom Beschwer­de­ge­richt gege­be­nen Begrün­dung, er sei nicht form­ge­recht ein­ge­reicht wor­den, als unzu­läs­sig zurück­ge­wie­sen wer­den.

Der Antrag ist nicht des­halb form­un­wirk­sam, weil sich die Gläu­bi­ge­rin eines Antrags­for­mu­lars bedient hat, das bezüg­lich des Lay­outs von dem For­mu­lar gemäß Anla­ge 2 zu § 2 Nr. 2 ZVFV abweicht.

Gemäß § 829 Abs. 4 Satz 1 ZPO wird das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz ermäch­tigt, durch Rechts­ver­ord­nung mit Zustim­mung des Bun­des­ra­tes For­mu­la­re für den Antrag auf Erlass eines Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schlus­ses ein­zu­füh­ren. Soweit nach Satz 1 For­mu­la­re ein­ge­führt sind, muss sich der Antrag­stel­ler ihrer bedie­nen, § 829 Abs. 4 Satz 2 ZPO. Am 1.09.2012 ist die Zwangs­voll­stre­ckungs­for­mu­lar-Ver­ord­nung in Kraft getre­ten 4. Nach deren § 2 Nr. 2, § 3 ist für Anträ­ge auf Erlass eines Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schlus­ses seit dem 1.03.2013 ver­bind­lich das in Anla­ge 2 zur Zwangs­voll­stre­ckungs­for­mu­lar-Ver­ord­nung vor­ge­ge­be­ne Antrags­for­mu­lar zu nut­zen. Für den bis zum 1.03.2013 kei­nem Form­zwang unter­lie­gen­den Pfän­dungs­an­trag gel­ten seit­dem stren­ge For­man­for­de­run­gen.

Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat 5, sind die den For­mu­larzwang regeln­den Nor­men nach Sinn und Zweck dahin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass auch die Nut­zung sol­cher For­mu­la­re mög­lich ist, die im Lay­out gerin­ge, für die zügi­ge Bear­bei­tung des Antrags nicht ins Gewicht fal­len­de Ände­run­gen ent­hal­ten.

Weicht wie hier ein Antrags­for­mu­lar von dem For­mu­lar gemäß Anla­ge 2 zu § 2 Nr. 2 ZVFV ledig­lich in den Maßen der Rah­men, in der Schrift­grö­ße, in der Lini­en­di­cke und län­ge, in den Zei­len­ab­stän­den oder in sons­ti­gen Lay­out­ele­men­ten ab, die den Auf­bau des For­mu­lars nicht ver­än­dern, so wird die Antrags­be­ar­bei­tung durch das Voll­stre­ckungs­ge­richt hier­durch nicht beein­träch­tigt. Der Rechts­pfle­ger fin­det bei der Bear­bei­tung des For­mu­lars die erfor­der­li­chen Anga­ben in der übli­chen Rei­hen­fol­ge vor.

Uner­heb­lich ist auch, dass das von der Gläu­bi­ge­rin ver­wen­de­te Antrags­for­mu­lar nicht die in dem For­mu­lar gemäß Anla­ge 2 zu § 2 Nr. 2 ZVFV ent­hal­te­nen grün­far­bi­gen Ele­men­te auf­weist. Die far­bi­ge Gestal­tung der For­mu­la­re dient nicht in ers­ter Linie dem Ziel, die Voll­stre­ckungs­ge­rich­te zu ent­las­ten, son­dern hat den Zweck, dem Antrag­stel­ler das Aus­fül­len des For­mu­lars zu erleich­tern 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. März 2014 – VII ZB 65/​13

  1. Zwangs­voll­stre­ckungs­for­mu­lar-Ver­ord­nung ZVFV, BGBl.2012 – I S. 1822, 1827[]
  2. AG Regens­burg, Beschluss vom 09.10.2013 – 1 M 5071/​13[]
  3. LG Regens­burg, Beschluss vom 22.11.2013 – 7 T 417/​13[]
  4. BGBl.2012 – I S. 1822[]
  5. BGH, Beschluss vom 13.02.2014 – VII ZB 39/​13[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 13.02.2014 – VII ZB 39/​13[]