For­mu­larzwang in der Zwangs­voll­stre­ckung – und die For­de­rungs­auf­stel­lung

Bie­tet das Antrags­for­mu­lar gemäß Anla­ge 2 zu § 2 Satz 1 Nr. 2 ZVFV hin­sicht­lich der For­de­rungs­auf­stel­lung eine voll­stän­di­ge Ein­tra­gungs­mög­lich­keit, ist aus­schließ­lich das vor­ge­ge­be­ne For­mu­lar zu nut­zen.

For­mu­larzwang in der Zwangs­voll­stre­ckung – und die For­de­rungs­auf­stel­lung

Anderns­falls ent­spricht der Antrag auf Erlass des Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schlus­ses nicht der nach § 829 Abs. 4 Satz 2 ZPO, § 2 Satz 1 Nr. 2 ZVFV in Ver­bin­dung mit Anla­ge 2 ZVFV, § 5 ZVFV vor­ge­schrie­be­nen Form und ist daher als unzu­läs­sig zurück­zu­wei­sen.

Gemäß § 829 Abs. 4 Satz 1 ZPO wird das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz ermäch­tigt, durch Rechts­ver­ord­nung mit Zustim­mung des Bun­des­ra­tes For­mu­la­re für den Antrag auf Erlass eines Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schlus­ses ein­zu­füh­ren. Soweit nach Satz 1 For­mu­la­re ein­ge­führt sind, muss sich der Antrag­stel­ler ihrer bedie­nen, § 829 Abs. 4 Satz 2 ZPO. Nach § 2 Satz 1 Nr. 2, § 5 ZVFV ist für Anträ­ge auf Erlass eines Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schlus­ses seit dem 1.11.2014 ver­bind­lich das in Anla­ge 2 zur Zwangs­voll­stre­ckungs­for­mu­lar-Ver­ord­nung in der Fas­sung der Ver­ord­nung zur Ände­rung der Zwangs­voll­stre­ckungs­for­mu­lar-Ver­ord­nung vom 16.06.2014 1 vor­ge­ge­be­ne Antrags­for­mu­lar zu nut­zen.

Nur soweit für den beab­sich­tig­ten Antrag kei­ne zweck­mä­ßi­ge Ein­tra­gungs­mög­lich­keit in dem For­mu­lar besteht, kann ein geeig­ne­tes Frei­feld oder eine Anla­ge genutzt wer­den, § 3 Abs. 3 Satz 1 ZVFV. Auf die­se Aus­nah­me vom For­mu­larzwang wird der Antrag­stel­ler auf Sei­te 1 und ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Anga­be der zu voll­stre­cken­den For­de­run­gen auf Sei­te 3 des For­mu­lars hin­ge­wie­sen. Die­se auf­grund der Ver­ord­nung zur Ände­rung der Zwangs­voll­stre­ckungs­for­mu­lar-Ver­ord­nung vom 16.06.2014 nun­mehr vor­ge­se­he­ne Mög­lich­keit, Frei­fel­der oder Anla­gen zu nut­zen, soweit das For­mu­lar kei­ne zweck­mä­ßi­gen Ein­tra­gun­gen zulässt, soll der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zu § 2 Nr. 2, § 3 ZVFV in der bis zum 25.06.2014 gel­ten­den Fas­sung 2Rech­nung tra­gen 3. Danach ist der Gläu­bi­ger vom For­mu­larzwang ent­bun­den, soweit das For­mu­lar unvoll­stän­dig, unzu­tref­fend, feh­ler­haft oder miss­ver­ständ­lich ist. In die­sen sei­nen Fall nicht zutref­fend erfas­sen­den Berei­chen ist es nicht zu bean­stan­den, wenn er in dem For­mu­lar Strei­chun­gen, Berich­ti­gun­gen oder Ergän­zun­gen vor­nimmt oder das For­mu­lar inso­weit nicht nutzt, son­dern auf bei­gefüg­te Anla­gen ver­weist 4. An die­sen Grund­sät­zen für die Nut­zung des For­mu­lars hält der Bun­des­ge­richts­hof auch für das nun­mehr ver­bind­lich vor­ge­ge­be­ne For­mu­lar fest.

Ein sol­cher Fall liegt indes im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall nicht vor. Das nach Anla­ge 2 zu § 2 Satz 1 Nr. 2 ZVFV vor­ge­ge­be­ne For­mu­lar erfasst den Fall der Gläu­bi­ge­rin voll­stän­dig. Es bie­tet für den von der Gläu­bi­ge­rin gestell­ten Antrag auch hin­sicht­lich der For­de­rungs­auf­stel­lung auf Sei­te 3 umfas­sen­de und zweck­mä­ßi­ge Ein­tra­gungs­mög­lich­kei­ten. Der Ver­wen­dung einer zusätz­li­chen Anla­ge bedurf­te es nicht.

Die Sum­me der Haupt­for­de­run­gen in Höhe von 222, 85 € hät­te in der ers­ten Zei­le auf Sei­te 3 des For­mu­lars ein­ge­tra­gen wer­den müs­sen. Zwar bie­tet das For­mu­lar im Fol­gen­den nicht die Mög­lich­keit, aus­ge­rech­ne­te Zin­sen für die jewei­li­gen Teil­for­de­run­gen und zusätz­lich wei­ter lau­fen­de Zin­sen auf­zu­füh­ren. In Anbe­tracht des ein­heit­li­chen Zins­laufs kann jedoch die Zins­for­de­rung in der vier­ten Zei­le auf Sei­te 3 voll­stän­dig wie folgt erfasst wer­den: Nach dem vor­ge­ge­be­nen Text "über dem jewei­li­gen Basis­zins­satz daraus/​aus" wäre der Teil­be­trag in Höhe von 195, 72 € und im Anschluss an den vor­ge­ge­be­nen Text "seit dem" das Datum des Beginns der Ver­zin­sung, näm­lich der 21.11.2014, ein­zu­tra­gen gewe­sen. Indem nur ein Zins­be­ginn, aber kein Zin­sen­de ein­ge­tra­gen wird, wird dabei deut­lich, dass wegen fort­lau­fen­der Zin­sen gepfän­det wer­den soll 5.

Für die wei­te­ren Ansprü­che, wegen derer die Gläu­bi­ge­rin den Erlass des Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schlus­ses begehrt, bestehen eben­falls zweck­mä­ßi­ge und voll­stän­di­ge Ein­tra­gungs­mög­lich­kei­ten: Die vor­ge­richt­li­chen Rechts­an­walts­kos­ten in Höhe von 70, 20 € wären in der sechs­ten Zei­le und die fest­ge­setz­ten Kos­ten in Höhe von 83, 75 € in der ach­ten Zei­le auf­zu­füh­ren gewe­sen. In der zehn­ten Zei­le hät­te die Gläu­bi­ge­rin die Zin­sen auf die fest­ge­setz­ten Kos­ten mit Zins­be­ginn seit dem 5.02.2015, in der elf­ten Zei­le die bis­he­ri­gen Voll­stre­ckungs­kos­ten in Höhe von 38 € und schließ­lich in der Sum­men­zei­le die Gesamt­sum­me von 414, 80 € ein­tra­gen müs­sen.

In Anbe­tracht des deut­lich gestal­te­ten Hin­wei­ses in Zei­le 13, nach dem eine Anla­ge nur zuläs­sig ist, wenn in der vor­ge­ge­be­nen Auf­stel­lung die erfor­der­li­chen Anga­ben nicht oder nicht voll­stän­dig ein­ge­tra­gen wer­den kön­nen, bestand für die Gläu­bi­ge­rin auch kei­ne Unsi­cher­heit dar­über, ob die ver­bind­lich vor­ge­ge­be­ne For­de­rungs­auf­stel­lung auf Sei­te 3 zu nut­zen ist, oder ob auf eine in Anla­ge bei­gefüg­te For­de­rungs­auf­stel­lung ver­wie­sen wer­den darf.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. Novem­ber 2015 – VII ZB 22/​15

  1. BGBl. I S. 754, 759 ff.[]
  2. BGBl. I 2012 S. 1822[]
  3. vgl. BR-Drs. 137/​14 [neu], S. 29[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 13.02.2014 – VII ZB 39/​13, BGHZ 200, 145 Rn. 36; Beschluss vom 20.02.2014 – VII ZB 31/​13, Jur­Bü­ro 2014, 323 Rn. 16; Beschluss vom 20.02.2014 – VII ZB 46/​13, Jur­Bü­ro 2014, 325 Rn. 13; Beschluss vom 20.02.2014 – VII ZB 44/​13 13[]
  5. vgl. Sturm, Jur­Bü­ro 2014, 507, 508[]