Foto­gra­fie­ren für die Neben­kos­ten­ab­rech­nung

Der Anspruch des Mie­ters auf Ein­sicht in die Bele­ge einer Betriebs­kos­ten­ab­rech­nung umfasst auch das Anfer­ti­gen von Ablich­tun­gen mit tech­ni­schen Hilfs­mit­teln, soweit dabei die Gefahr einer mög­li­chen Beschä­di­gung der Bele­ge nicht besteht. Erlaubt ist ins­be­son­de­re das Abfo­to­gra­fie­ren oder Ein­scan­nen von Bele­gen.

Foto­gra­fie­ren für die Neben­kos­ten­ab­rech­nung

In einem vom Amts­ge­richt Mün­chen ent­schie­de­nen Rechts­streit mie­te­te die spä­te­re Klä­ge­rin von dem spä­te­ren Beklag­ten eine Woh­nung. Neben der Kalt­mie­te waren Vor­aus­zah­lun­gen auf die zu erwar­ten­den Betriebs­kos­ten, ins­be­son­de­re Hei­zung und Warm­was­ser ver­ein­bart. Als die Mie­te­rin die end­gül­ti­ge Abrech­nung für das Jahr 2004 bekam, war sie mit die­ser nicht ein­ver­stan­den und woll­te Ein­sicht in die der Abrech­nung zugrun­de­lie­gen­den Bele­ge. Man traf sich daher im Büro des Ver­mie­ters, wobei die Mie­te­rin noch einen Bekann­ten mit­nahm. Die­ser soll­te die vor­ge­leg­ten Bele­ge abfo­to­gra­fie­ren. Dem wider­sprach aller­dings der Ver­mie­ter.

Dar­auf hin erhob die Mie­te­rin Kla­ge vor dem Amts­ge­richt Mün­chen. Das Abfo­to­gra­fie­ren sei not­wen­dig, um die Bele­ge über­prü­fen zu kön­nen. Dem Ver­mie­ter ent­stün­de dadurch auch kein Nach­teil. Der Ver­mie­ter war dage­gen der Ansicht, die Mie­te­rin müs­se jeweils genau dar­le­gen, war­um sie eine Ablich­tung von einem Beleg benö­ti­ge.

Das Amts­ge­richt Mün­chen gab der Mie­te­rin Recht: Der Mie­te­rin kön­ne im Sin­ne einer effek­ti­ven Aus­übung des Rechts auf Bele­ge­in­sicht nicht ver­wehrt wer­den, hand­schrift­li­che Noti­zen und Abschrif­ten anzu­fer­ti­gen. Andern­falls wür­de die Bele­ge­in­sicht auf das rei­ne Betrach­ten der Bele­ge und damit auf eine rei­ne Förm­lich­keit redu­ziert wer­den. Die Kon­trol­le durch den Mie­ter wür­de auf das beschränkt wer­den, was bei ers­ter Betrach­tung sofort erkenn­bar sei, eine ein­ge­hen­de Über­prü­fung wäre nicht mög­lich. Das Anfer­ti­gen von Ablich­tun­gen der Bele­ge mit tech­ni­schen Hilfs­mit­teln, ins­be­son­de­re durch Abfo­to­gra­fie­ren, Ein­scan­nen oder Kopie­ren kön­ne nicht anders behan­delt wer­den als das Anfer­ti­gen hand­schrift­li­cher Noti­zen oder Abschrif­ten. Inso­fern nut­ze die Mie­te­rin ledig­lich die fort­schrei­ten­den tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten. Es wäre umge­kehrt treu­wid­rig, die Mie­te­rin auf das müh­sa­me und zeit­auf­wen­di­ge Anfer­ti­gen hand­schrift­li­cher Auf­zeich­nun­gen zu ver­wei­sen.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urtiel vom 21. Sep­tem­ber 2009 – 412 C 34593/​08